Literatur oder Unterhaltung, oder …

Literatur oder Unterhaltung, oder …

Wer liest, ist immer im Vorteil – Nur, was sollen wir lesen? Bei der unübersichtlichen Auswahl? Die Gesamtzahl der in Deutschland erschienen Bücher ist 2014 zwar deutlich gesunken. Trotzdem sind 87.134 Titel auf den Markt gekommen. Immer noch eine Menge.

Aber Vorsicht, es gibt Literatur, die unser Bild von der Wirklichkeit nachhaltig beschädigt. Lesen verhilft auch nicht unbedingt zum Glück. Und auch die weitverbreitete These, Lesen im emphatischen Sinn führe zu größerer Weisheit und Einsicht und es wäre um die Welt besser bestellt, ist nicht beweisbar.

Eines ist sicher: Lesen vergrößert die geistige Reichweite. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Literaturkritiker.

Es gibt keinen Rechtfertigungszwang fürs Lesen. Die einen lesen aus Spaß, zur Unterhaltung, zur Zerstreuung und schaffen so eine Distanz zu ihrer persönlichen Welt. Hier ist ein großer Teil der Belletristik angesiedelt: keine echte Pro­blematik im Inhalt; Denken des Lesers ist kaum oder nicht erforderlich

Gute Literatur geht weit über Unterhaltung, über Erzählen einer Geschichte hinaus. Sie zeigt das Gesamtbild, liefert Erklärungen. Und sie fordert uns zu einem zweifachen Dialog heraus: mit dem Autor und mit seinen Figuren. Gute Literatur erkennst du auch daran: Du magst den Inhalt kennen, sie bleibt trotzdem lesenswert. Mehrmaliges Lesen lohnt sich.

Allerdings muss jeder, der nicht gerade an der Grenze zum Analphabeten liegt, problemlos die Grenzen zwischen Beidem erkennen und damit auch, was künstlerisch durchdachter und gearbeiteter ist, was also – durchaus unterhaltsam – Literatur und was bloße Unterhaltung ist.

Mit den Büchern, die diesen Teil abdecken, beschäftige ich mich. Diese Auswahl ist natürlich sehr subjektiv. Also Vorsicht. Gänzlich subjektiv kann die Antwort nicht sein, sonst wäre Literaturkritik eine Sache des privaten Gefühls. Objektiv und allgemeingültig kann sie aber auch nicht sein, sonst gäbe es unter Kritikern weniger Streit.

Wie gehe ich vor? Ich konzentriere mich auf folgende Punkte:

Das Thema muss für mich deutlich herauskommen. Themen sind immer die Gleichen. „Es ereignet sich nichts Neues. Es sind immer dieselben alten Geschichten, die von immer neuen Menschen erlebt werden.“ sagte William Faulkner. Und das sind immer die Themen der großen Gefühle und der kritischen Lebensereignisse. Das Thema muss mich berühren.

Die Handlung macht das Thema interessant. Erschafft der Autor Neues oder kaut er nur Altes wieder? Langweilig oder überraschend? Einseitig und Vorhersehbar? Vielschichtig und überraschend? Die Handlung muss mich in den Bann schlagen und mitreißen.

Personen und ihre Motive lassen Handlung und Thema lebendig werden. Sie müssen für mich nachvollziehbar sein, auch wenn sie nicht aus meinem Erfahrungshorizont stammen. Ich muss die Figuren lieben oder sie zumindest hassen. Dafür taugen keine eindimensionale, blasse Charaktere. Komplex müssen sie sein, mit vielen inneren Konflikten, bei denen die Gesamtheit seines Ichs einen Sinn ergibt, nicht in sich widersprüchlich, sondern stimmig, aber vielschichtig. Ich muss mit den Personen leiden und fiebern können.

Sprache ist nicht nur sehr wichtig, nein, sie ist der ausschlaggebende Punkt. Inhalt (Thema, Handlung, Personen) und Form (Sprache) müssen eine Symbiose eingehen. Sprache hat etwas mit Rhythmus, Melodie und Wohlklang zu tun. Erst eine markante und mitreißende Sprache macht aus einem Menschen eine Persönlichkeit, macht aus einer Handlung ein Drama, lässt ein bekanntes Thema brandaktuell werden. Sprache muss mich packen.

Es kann auch nicht schaden, wenn der erste Satz einer Geschichte ein Magie ausstrahlt , ein Faden, ein Tau, an dem du dich notgedrungen und aus freien Stücken weiter hangelst, ja, weiter hangeln musst, wie ein Sog, der mich in die Geschichte hineinzieht. bis zum entscheidenden Ende. Der erste Satz darf mich nicht kalt lassen.

Kurzum: ich muss mich in einem Roman, in einer Erzählung eingeschlossen fühlen. Dann, erst dann lese ich zu ende. Erst dann, wenn ich erlöst und dankbar bin, nach sorgfältigem Prüfen, schreibe ich auch eine Rezension.

Ich finde zwar einigermaßen objektive Gründe für gute oder schlechte Qualität des künstlerischen Werkes, zum Beispiel seine handwerklich gute oder schlechte Machart, sein gelungener oder unlogischer Aufbau, seine vorhandenen oder fehlenden Spannungsmomente und Experimentierfreudigkeit. Aber letztendlich hängt die Wirkung eines künstlerischen Werkes vom Geschmacksurteil jedes einzelnen ab. Also Vorsicht. Für mich ist die Welt der Literatur ein Abenteuer, immer mit ungewissem Ausgang.

Über dieses Abenteuer werde ich in diesem Blog berichten: Aktuelle Literatur-Nachrichten, Buchbesprechungen, Rezensionen, Debatten und Porträts aus dem Reich der Bücher, all das bekommst du bei mir.

Ich wünsche mir viele Kommentare von rastlosen und gierigen Lesern

 

 

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