Rezension: Identity – Helen Giltrow

Wer bewacht die Wächter, während sie uns bewachen?

Identity: Thriller – Helen Giltrow (Autorin), Gunnar Kwisinski (Übersetzer), 576 Seiten, Goldmann Verlag (16. November 2015), 9,99 €, ISBN-13: 978-3442483655

Das ist mal ein gebildeter, obwohl düsterer Thriller von Helen Giltrow.

Wer bewacht die Wächter, während sie uns bewachen? So fragte der römische Dichter Juvenal.

Wenn die Wachen, Platzhirsche in einer „selbstregulierenden“ Gesellschaft aus anderen Kriminellen“ selbst beginnen, Verbrechen zu begehen, wer sind dann die Verbrecher, und warum sollte man sie bewachen? Helen Giltrow zeichnet gekonnt in einer nahen Zukunft eine Schurkenrepublik, die neben unserer eigenen existiert.

Das Programm, eine experimentelle Gefängniskolonie ist angeblich uneinnehmbar. Bevölkert vom Bodensatz der Gesellschaft ist dort kein Eingang oder Ausgang möglich.

Doch da gibt es die reiche, anspruchsvolle Society-Lady Charlotte Alton gleichzeitig in ihrem Alterego die harte Soziopathin Karla, eine schattenhafte Gestalt. Karlas Geschäft sind Informationen, die vor allem helfen, Menschen verschwinden zu lassen. Sie schleust den harten Scharfschützen Simon Johanssen ein. Ohne ihre Hilfe wird Johanssens Aufgabe eine Selbstmord-Mission sein. Und sie ist nicht bereit, das geschehen zu lassen. Ziel ist Catherine Gallagher. Es beginnt ein Katz und Mausspiel. Wer ist die Beute, und wer ist der Jäger? Aber genug vom Inhalt …

Es besteht kein Zweifel „Identity“ ist ein Thriller der Extraklasse, intensiv, spannend und rasant. Eine fantastische Geschichte von Intrigen, Geheimnissen, schlechten Menschen, falschen Fährten, Fehlleitungen und vielem mehr. Der Leser wird in Karlas und Simons Welten ohne Vorwarnung hineingezogen und muss seinen Weg durch die Gefahren sowie ihre Geheimnisse mitmachen. Dadurch entsteht eine Intimität zwischen dem Leser und Karla und Simon, die man nicht erwarten würde. Aber genau das macht die Geschichte so spannend. Keine der Aktionen ist explizit im Detail beschrieben. Stattdessen nutzt Helen Giltrow das Phänomen, dass ein Leser in der Regel sich mehr schrecklichere Szenen vorstellen kann, als alles, was ein Autor zu Papier bringen kann. So hält sie ganz bewusst bestimmte Szenen mehrdeutig. In einer so gefährlichen Welt wie die, in der Karla Geschäfte macht, ist das Endergebnis, dass diese Szenen trotz eines Mangels an Informationen wirklich erschreckend sind.

Das Thema ist ein ethisches: Wer ist der schlimmere Verbrecher? Das müssen Leser für sich selbst entscheiden, aber daraus entstehen interessante ethische Gedankengänge.

Geschrieben in einer anspruchsvollen, scharfen, kalten Prosa. Dunkel, kantig und manchmal brutal aber immer stilvoll und originell. Jeder Charakter ist gut gezeichnet. In ihrem deutlichen Gefühl der Distanz, der Entfremdung und der Angst. Alle tragen zwei Gesichter, sind von zweideutigen Beweggründen angetrieben und jeder spielt ein doppeltes Spiel. Jede Szene, jedes scheinbar zufällige Detail zählt. Nichts geht verloren. Und das Ende? Sie werden es so nie kommen sehen. Ein genussvoller, komplexer Lesestoff. Ein ungewöhnliches Buch, mit seiner Kombination von Spionage und Thriller.

Für alle Leser, die von einem intelligenten Thriller mehr als pure Spannung und action erwarten.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Goldmann Verlages

http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Identity-Thriller/Helen-Giltrow/e439295.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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