Rezension: Schattenschläfer – Paul Finch – Piper Verlag

Nichts für zarte Nerven

Schattenschläfer – Paul Finch (Autor), Bärbel Arnold (Übersetzer), Velten Arnold (Übersetzer), 480 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (5. Januar 2016), 9,99 €, ISBN-13: 978-3492306874

Dieser Krimi beginnt in einer Rückblende ganz brutal: Der „Fremde“ der seine „weiblichen Opfer“ auf der Rückbank von Autos zurückließ, „mit vielfachen Stichverletzungen, zerfetzten Genitalien und ausgestochenen Augen.“ (Seite 133) wird gestellt, „erschossen“ und die Leiche wird nie gefunden.

Dann, 10 Jahre später beginnt der eigentliche aktuelle Krimi, ganz ruhig und beschaulich, wie es sich für eine Gegend im Lake Distrikt National Park im Norden Englands gehört, vor allem in der kalten Nebensaison. Doch beschaulich bleibt es nicht lange.

Dort hat Heck damit begonnen, ein neues Leben für sich abseits der Hektik und des unerbittlichen Drucks der Abteilung für Serienkriminalität auf zu bauen. Er hat eine scharfsinnige und einfallsreiche Kollegin, Police Constable Mary-Ellen O`Rourke. Und vor allem gibt es eine neue Frau in seinem Leben – Hazel Carter, Inhaberin eines Pub. Es sieht gut aus, aber das ändert sich recht bald.

Sollte das Unmögliche wahr werden und der Serienmörder von damals könnte zurückgekehrt sein? Detective Superintendent Gemma Piper, die vor 10 Jahren als Lockvogel den „Fremden“ stellen konnte stösst zu dem Team. Eine düstere, hochspannende Verfolgungsjagd beginnt, im unwegsamen Gebirge und bei undurchdringlichem Nebel. Der Mörder spielt sein grausames Spiel und Heck steht bald mit dem Rücken an der Wand. Das Gefühl der Isolation und Orientierungslosigkeit durch den Nebel treibt die Spannung immer höher. Da die Loyalität und die Motivation derer, die ihm nahe sind, in Frage gestellt wird, hat Heck zu entscheiden, wem er vertrauen kann und wem nicht. Wenn er einen Fehler macht, ist es wahrscheinlich fatal.

Wir erhalten ein sehr breites und deutliches Bild von dem, was in der kleinen Gemeinde geschieht durch die Augen von Gemma, Hazel, und eine Reihe von anderen Dorfbewohnern (und Opfern).

Die Charaktere sind hervorragend ausgearbeitet: Heck, ein Einzelgänger ohne Bindungen, der scharf kombiniert, gerne große Risiken spontan eingeht, ein eigenwilliger Polizist, der zu Alleingängen neigt, bei der Klärung brutaler Verbrechen jedoch mit einem untrüglichen Instinkt ausgestattet ist – ein bewundernswert komplexe Persönlichkeit. Der Charakter von Gemma Piper und ihre sehr nuancierte dargestellte Beziehung zu Heck sind gut entwickelt, und die Chemie zwischen ihnen ist überzeugend. Auch alle anderen Akteure sind komplex und detailreich dargestellt, die Handlung geschickt ausgearbeitet und präsent. Es gelingt Paul Finch einen Spannungsbogen auf zu bauen und zu halten, der seinesgleichen sucht.

Paul Finch schreibt manchmal fast poetisch und dann wieder distanziert und kühl, eine sehr gelungene Mischung. Ergänzt um seine Detailtreue. Obwohl ich nie dort war, kann ich mir die Gegend des Lake Distrikts sehr plastisch vorstellen. Es lässt sich schön flüssig lesen und enthält beim Aufbau der Story keinen Leerlauf.

Wer auf detaillierte Schilderungen von Mordopfern steht, wilde Verfolgungsjagden mag und auch unkonventionelle Lösungen liebt liegt, hier richtig.

Vollgepackt mit Atmosphäre ist dieser Krimi eine gruselig, beunruhigende und spannungsgeladenen Lektüre.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages:

http://www.piper.de/buecher/schattenschlaefer-isbn-978-3-492-30687-4

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s