Warum die Amsel singt …

Warum die Amsel singt …

oder warum wir Kunst nicht zu verstehen brauchen

„Jeder möchte die Kunst verstehen. Warum versucht man nicht, die Lieder eines Vogels zu verstehen? Warum liebt man die Nacht, die Blumen, alles um uns herum, ohne es durchaus verstehen zu wollen? Aber wenn es um ein Bild geht, denken die Leute, sie müssen es ‚verstehen‘.“ (Pablo Picasso)

Kunst muss man nicht verstehen. Kunst muss man nicht mögen. Genauso wenig wie man Wissen, Erkennen, Erkenntnisse und Einsichten unserer Mitmenschen verstehen, mögen und teil muss. Kunst ist der Gegensatz zur Natur, künstlich ist alles, was nicht natürlich ist.

Kunst kann man nicht erklären, man muss sie erleben, da sie tief im Innersten eines jeden Menschen verborgen ist.

Kunst ist, den Verstand auszuschalten, dass innere Auge mit Gefühlen und Gedanken koppeln, dann dem entstehenden sichtbaren Ausdruck verleihen, ohne das Ergebnis erklären zu müssen!

Kunst heißt hinsehen, Kitsch und heile Welt heißt wegsehen. Fernsehen ist Wegsehen. Warum Fernsehen, wo doch soviel interessantes und aufregendes außerhalb der vier Wände passiert. Und das ist der entscheidende Unterschied. Dinge aus einer anderen Perspektive sehen, den Blick für die Widersprüche des Lebens schärfen. Er misstraut dem ersten Eindruck misstrauen und den Sinn hinter den Dingen suchen.

Der eine schwärmt vom grandiosen Ausblick auf das Meer, der andere sieht den Schmutz am Strand. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gegensätzlich Personen vom gleichen Ereignis oder über die gleiche Situation berichten und doch jeder von der Richtigkeit seiner Version überzeugt ist.

Kunst ist der Gegenentwurf zur Realität. Realität geht immer wieder den Weg des geringsten Widerstandes, um nicht die Hosen runter lassen zu müssen. Und da nichts so ist, wie es scheint, müssen wir dahinter schauen auch wenn die Angst, dass alles zerbricht, unermesslich wird

Kunst ist Ausdrucksmittel für die eigenen Gefühle und die eigene Sichtweise

Etwas spricht ein oder mehrere meiner Sinne an und bewegt es im Herz, Kunst ist die Möglichkeit, Emotionen für andere lesbar zu machen. Kunst ist Inspiration, eine Einladung jenseits der gewohnten Pfade zu kommunizieren und unendlich vieles mehr.

Maler nehmen den Pinsel in die Hand und lassen ihre Bilder aus sich heraus. Beim Malen lagern sich die Farben Schicht um Schicht übereinander. Dabei wird kein vorgefasster Plan realisiert – es vollzieht sich vielmehr ein allmählicher Wachstumsprozess mit spontanen bildnerischen Entscheidungen bei jedem Schritt.

Wie der Maler mit Farben experimentiert, so der Musiker mit den Tönen, der Lyriker mit Worten

Kunst bietet uns die Pause, in der Zeit stillsteht. Kunst verlangt Mut zu bekennen, Kraft zum Ausdruck. Sie ist die Grundlage mit der wir uns in der Welt orientieren. Und nur mit Kunst sind wir in der Welt

Niemand schreibt uns vor, ob welche Art Kunst wir machen. Niemand! Wer auf Fördergelder scharf ist, muss mit den Wölfen heulen.

Wer als Künstler ernst genommen werden will, der macht SEINE Kunst – Hauptsache, sie ist authentisch und er kann sich zu 100% hinter sein Werk stellen. Er kümmert sich keinen Deut um Moden oder Trends. Er macht sein Ding und achtet nicht darauf, was andere sagen, wenn er nicht zum massen-kompatiblen Gefälligkeits-Künstler werden möchte.

»Kunst ist schön, macht aber auch viel Arbeit«, wusste schon Karl Valentin. Natürlich gehört ein Stück Handwerk zum künstlerischen Ausdruck. Aber es ist nicht der wichtigste Teil. Wer das Handwerk des Zeichnens, Malens, Komponierens, Musizierens und Schreibens beherrscht, dem fällt manches leichter. Aber aus dem Handwerk alleine entsteht keine Kunst. Kunst entsteht nur aus der Kreativität. Und Kreativ sein heißt, auf der Suche sein.

Jeder Mensch ist immer auf seiner persönlichen Suche, auf der Suche nach Erklärungen, auf der Suche nach Freiräumen. Freiräume zu Improvisation und zum Experiment. Zum Finden der richtigen Balance von Struktur und Chaos. Mancher findet nie das, was er sucht, gibt auf, resigniert und lebt stumpfsinnig seine Tage, einfach weil er sich nicht traut, sich mit den unterschiedlichsten Materialien auszudrücken

Das Kunstleben ist ein bunter, vielseitiger Bilderbogen – frei im Klang, in der Farbe, in der Form im Wort. Und es gibt kaum einen direkteren Weg, sich selbst umfassend kennen zu lernen, die eigene Persönlichkeit zu entdecken und auszudrücken als kreatives Gestalten.

Trotz allem: Ich weiß nicht, warum wir Kunst machen. Vielleicht für uns selber, vielleicht für die Betrachter, Hörer und Leser … nein. Vielleicht für die wenigen, die uns für stärker halten, obwohl wir schwach sind.

Auf jeden Fall hat jeder Künstler „ein Reich für sich.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s