Rezension: Wir bleiben nicht lange – Marjaleena Lembcke – Nagel & Kimche

Memento mori – Carpe diem

Wir bleiben nicht lange von Marjaleena Lembcke (Autor), 192 Seiten, Verlag: Verlag Nagel & Kimche AG (22. Februar 2016), 19,90 €, ISBN-13: 978-3312006885

Über das Altwerden, über das „unheilbar krank werden“, über das langsame Sterben, das schnelle, das einsame irgendwo auf dem Boden eines Krankenhauszimmer, darüber gibt es Unmengen an Büchern. Marjaleena Lembcke hat vielleicht eines der besten Bücher zu diesem Thema geschrieben. Es macht denen Mut, die ihn brauchen, und spendet ihnen Kraft, die sie dringend benötigen. Eine bewegende Auseinandersetzung mit den Themen Krankheit, Sterben und Tod, aber auch Leben und Familie. Sie macht das Unfassbare etwas greifbarer und erklärt das, was man nicht erklären kann.

Die Geschichte dreht sich um zwei Schwestern. Da ist einmal Sisko, krebskrank und sie liegt in der Royal Mardsen Klinik in London. Sisko raucht und trinkt gerne. „Kleine Schlucke waren ihre Spezialität.“ (Seite 29) Zum anderen ihre sechs Jahre ältere Schwester Mirja. Sie ist Schriftstellerin, lebt in Deutschland und ist zu ihrer Schwester nach London geflogen.

Sie reden über Familie, Eltern, Geschwister, ihre finnischen Wurzeln und über ihre Beziehung zueinander. Viele glauben, „dass ihre Beziehung […] schlecht sei. Vielleicht war sie auch nicht gut. Aber sie war eng.“ (Seite 178)

Die meisten ihrer Gespräche finden im Raucherzimmer statt, wo sie warteten bis sie „dran“ waren, „als stünden sie in einer Warteschlange vor der Supermarktkasse.“ (Seite 34) Und „Alle, die auf ihren eigenen Tod warten, hoffen, dass ein anderer vor ihnen stirbt.“ (Seite 34) Und in all ihren Gesprächen versuchen sie, Pflaster auf Wunden zu legen, die längst ausgeblutet sind.

Die Autorin schreibt einfach und schlicht, aber nicht banal. Vor allem schreibt sie ehrlich.

Marjaleena Lembcke vermittelt ein atmosphärisch dichtes Bild. Sie gleitet nie in Kitsch oder Rührseligkeit ab. Und sie erteilt auch keine weisen Ratschläge. Es ist einfach eine sehr feinfühlige Geschichte. Und gerade die emotional-spröde Sprachweise, ruhig und lakonisch erweckt diese Geschichte und ihre Charaktere zu wahrem Leben.

Für mich ist es einer der besten Geschichten über dem Tod, das Sterben und das Abschiednehmen, weil es eben eine ruhige Geschichte ist, die sich dem Menschen zuwendet und so auch Ängste nehmen kann.

Für alle, die sich mit Tod und Sterben auseinandersetzen möchten, vor allem wenn sie gerade erst damit beginnen, ein wichtiges und empfehlenswerte Buch.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/wir-bleiben-nicht-lange/978-3-312-00688-5/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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