Rezension: Am Ende bleiben die Zedern – Pierre Jarawand – Berlin Verlag

Wir sind doch Brüder

Am Ende bleiben die Zedern – Pierre Jarawand, 448 Seiten, Berlin Verlag (1. März 2016), 22 €, ISBN-13: 978-3827013026

Samir, der Ich-Erzähler, ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Seine Eltern sind vor dem Bürgerkrieg im Libanon nach Deutschland geflohen. Trotzdem wächst er quasi im Libanon auf. Es liegt einmal an der Straße, in der er lebt. „Im Moment deutet nichts darauf hin, dass wir in Deutschland lebten. Das hier hätte die abseitige Straße eines Viertels in Zahlé sein können, Vaters Heimatstadt an den Ausläufern des Libanon-Gebirges […] Um uns herum nur Libanesen, die sprachen und aßen und feierten wie Libanesen.“ (Seite 19) Zum anderen lebt Samir mit und in den Geschichten seines Vaters über den Libanon. „Der Libanon ist das einzige arabische Land ohne Wüste.“ (Seite 55)

Er liebt seinen Vater und noch viel mehr „Ich glaube alle Söhne lieben ihre Väter. Aber ich habe meinen verehrt. Weil er mich so oft teilhaben ließ an seinen beflügelnden Gedanken.“ (Seite 78). Und so wird der Libanon zu seiner inneren Heimat. Als Samir acht Jahre alt ist, verschwindet der Vater spurlos. „Und so war das Letzte, was ich von meinem Vater sah, seine Silhouette im Türrahmen und wie er liebevoll – zumindest glaube ich das heute – zu mir herüberblickte.“ (Seite 99)

Es dauert 20 Jahre, bis Samir erkennt, dass er den Libanon selber kennenlernen und eine Erklärung für das geheimnisvolle Verschwinden seines Vaters finden muss. Und so begibt er sich auf eine Reise, die mit immer neuen Wendungen überrascht.

Der Libanon ist für den Ich-Erzähler ein Sehnsuchtsort. Auf der Suche nach seinem verschollenen Vater sucht er letztlich seine eigene Identität.

Für mich die Schlüsselszene des Buches, als Samir sein Zimmer beschreibt: „ … erhellte einzelne Flecken mit Schlagwörtern, die auf vergilbten Zeitungsseiten prangten […] An und von den Mauern her erstreckten sich mit Reißnägel befestigte Fäden – wie das riesige Netz einer Spinne – hin zu bestimmten Zeitungsartikeln, Jahreszahlen, Ortsnamen [ …] und an dem Punkt, zu dem sämtliche Fäden führte hing das Bild meines verträumt dreinblickenden Vaters.“ (Seite 322/323)

Und genauso hat Pierre Jarawand seine großartige Geschichte konstruiert. In stetem Wechsel zwischen Szenen aus dem Besuch von Samir im heutigen Libanon und seinen Erinnerungen lässt er ein stimmiges Bild entstehen, in dem sich letztlich alle Fäden miteinander verknüpfen. Pierre Jarawand ist ein wirklich großer Erzähler.

Eine phantasievolle, berührende und wendungsreiche Geschichte über die Suche nach den eigenen Wurzeln – eine große Familiengeschichte, vielfältig und überraschend, meisterhaft verwoben mit dem dramatischen Schicksal des Nahen Ostens und eine wunderbare Darstellung der Zerrissenheit auch noch in der zweiten und dritten Generation von Einwanderern nach Deutschland.

Pierre Jarawand schreib unwahrscheinlich gut, poetisch emotional, charmant und witzig, voller Herzenswärme und Atmosphäre. Diese Buch sollte von jedem gelesen werden. Äußerst spannend und sehr berührend. Eine wahre Bereicherung

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages

http://www.berlinverlag.de/buecher/am-ende-bleiben-die-zedern-isbn-978-3-8270-1302-6

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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