Rezension: Esperanza – Marina Caba Rall

Gräber aus der Franco-Zeit

Esperanza – Marina Caba Rall (Autorin), 224 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach (4. März 2016), 17,99, ISBN-13: 978-3803132758

Der Roman läuft zwischen Berlin und Caceres, dem Geburtsort des Großvater der Autorin, einem Republikaner, der schließlich durch das Franco-Regime zum Tode verurteilt wurde, nicht hingerichtet wurde. Vielleicht ist das der Auslöser für den Roman „Esperanza“, der ursprünglich als Film geplant war.

Jahrzehnte nach ihrem Leben in Caceres, kehrt Esperanza an den Ort mit den drei Eichen zurück, wo der Körper ihres Onkels gefunden und exhumiert wurde. „Also er wurde ermordet und liegt irgendwo im Strassengraben …“ (Seite44) Es ist ein traumatisches Unternehmen, privat, komplex und schwer, die Vergangenheit zu überwinden.

Es ist die erschütternde Geschichte einer Frau, die nach Berlin auswanderte. Sie ist glücklich verheiratet mit einem Deutschen und Mutter von zwei Kindern. Sie hat aber ein Leben und einen Sohn in ihrem Dorf in der Nähe von Caceres hinter sich gelassen. „Unsere Erinnerungen bleiben bestehen […] wie eingerahmte Bilder, aber das Leben, das bleibt nicht stehen.“ (Seite 36) Und jetzt ist der Sohn auf der Suche nach ihr.

Die Handlung zieht sich durch die Geschichte von Esperanza und ihrer Tochter Karla, und Juan, dem verlassenen Sohn. Sie springt von der Vergangenheit zur Gegenwart. In einer Erzählung von kurzen Sätzen erzählt sie die Geschichte ihrer Kindheit, vom Leben unter Franco und von ihrem Jugendfreund Alfonso, über die Esperanza nie gesprochen hatte. All das will Karla, ihre Tochter nicht mehr so schweigend hinnehmen, vor allem als plötzlich ein Unbekannter namens Juan in Berlin auftaucht, der offenbar ihr Halbbruder ist.

Die Geschichte wird abwechselnd erzählt von Esperanza „Auf die Freiheit.“ (Seite 119), von Karla „Irgendetwas stimmte nicht, nur was bloß?“ (Seite 132) und von Juan. „… ein übermächtiges Gefühl der Verlorenheit.“ (Seite 150)

Marina Caba Rall verknüpft äußerst gelungen eine Gastarbeitergeschichte aus Berlin und die traumatischen Erfahrungen von der kleinen Esperanza im spanischen Bürgerkrieg.

Man merkt dem Buch die Prägung von Marina Caba Rall als Drehbuchautorin und Regisseurin von Dokumentar- und Spielfilmen an. Dramaturgisch sehr geschickt aufgebaut im Wechsel der drei Hauptpersonen Esperanza, Karla und Joan. Sie schreibt sehr szenisch. Öfters bekommen wir die gleiche Szene aus den unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Protagonisten. Ihr Schreibstil ist sehr atmosphärisch, bildhaft (fast wie die unterschiedlichen Kamaraeinstellungen. Und vor allem beeindrucken mich ihre überaus gekonnten Rückblenden.

Ein Buch für alle, die gute Geschichten lieben, vor allem wenn sie einen realen, historischen Hintergrund haben.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1016-esperanza.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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