Rezension: Spiel mit dem Schicksal – Tiziano Terzani – Deutsche Verlags-Anstalt

Die Welt von heute braucht Rebellen, geistige Rebellen

Spiel mit dem Schicksal – Tiziano Terzani (Autor), Barbara Kleiner (Übersetzerin), 576 Seiten, Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt; Auflage: 2 (9. November 2015), 22,99 €, ISBN-13: 978-3421046772

Tiziano Terzani (geboren am 14. September 1938 in Florenz; gestorben am 28. Juli 2004 in Pistoia-Orsigna) war ein italienischer Journalist und Schriftsteller. Er arbeitete 30 Jahre lang als Auslandskorrespondent für das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel und wurde einer der bedeutendsten Korrespondenten in Ost- und Südostasien. Überdies war er bei verschiedenen italienischen Zeitungen und Zeitschriften als freier Mitarbeiter tätig, u.a. bei Il Giorno, Il Corriere della Sera, Il Messaggero, La Repubblica.

Seine Witwe Angela Terzani Staude hat jetzt seine Tagebücher aufgearbeitet und herausgegeben. Sie selbst sagt: „ … und es ist, als würde Tiziano selbst in diesen Zeilen wieder lebendig. Es ist als ob ich das warme Timbre seiner Stuimme hörte, sein lebhaftes Sprechen, bald provouierend und überschäumend, bald nervös und irritiert von düsteren Gedanken.“ (Seite 13/14)

Und sie hat recht. Ich habe selten ein derart lebhaftes, authentisches Tagebuch gelesen, in dem ein Mensch sich so öffnet und Einblicke in sein Innenleben bietet, wie dieses Buch.

Es ist nach fünf Hauptabschnitten strukturiert:

1981 – 1984 China

Wir nähern uns immer mehr einer Form des Faschismus ohne Ideologie.“ (Seite 91)

1985 – 1990 Japanischen

Zum ersten Mal in seiner Geschichte sieht Japan sich in der Lage, eine Großmacht zu werden.“ (Seite 91)

1991 – 1994 Von Bankkok aus in 15 Länder

Das leben gehört nicht dir, es kann dir jeden Augenblick entrissen werden.“ (Seite 147)

1995 – 1999 Indien

Indien ist der Ort, der mich ein für alle Mal davon überzeugen wird, dass man die Politik abschaffen, die Politiker vernichten, die Staatsgeschäfte Philosophen anvertrauen muss.“ (Seite 202)

2000 – 2003 Pakistan – Afghanistan

Was ist besser, viele Götter zu haben und eine Menschheit oder einen Gott und viele Menschheiten?“ (Seite 397)

Tiziano Terzanis Worte gehen direkt ins Herz. Diese Sammlung seiner Schriften gehen von 1981 bis wenige Monate vor seinem Tod im Jahre 2004. Es sind Tagebücher, vor allem in der zweiten Hälfte, nach der Entdeckung seines Tumors, in denen wir einen anderen Terziani kennen lernen. Einen Menschen, der oft von Depressionen und Unsicherheit, ja, sogar Angst befallen ist; einen Menschen, der versucht sich selber und vor allen Frieden in sich selbst zu finden.

Tiziano Terzani genießt seine Reisen und schreibt wie ein Reisender aus der Vergangenheit, ohne jemals seine Rolle als Journalist zu verlassen, als jemand der die Städte, Länder und Menschen, aber auch das Leben und die politischen Tatsachen verstehen will. Ein Mann, der vorübergehende Welten entdeckt, die dazu bestimmt sind zu verschwinden, mit all den ungeklärten Fragen und Zweifeln zum ewigen Wechsel von Vergangenheit und Gegenwart.

Als Journalist wollte er unbedingt nach China gehen, um mit seinen Artikeln zu zeigen, dass es ein alternatives System zum Kapitalismus und seinem konsumorientierten Leben gibt, nämlich den Kommunismus, den er so liebte. Die Ernüchterung kommt früh und eindeutig. Ein böses Erwachen, dass der junge Journalist nur zugeben kann, aber es mit seiner großen intellektuellen Ehrlichkeit doch tut, dass Die Utopie eines fairen und gerechten Gesellschaft in der Realität Chinas gescheitert war.

Das ist nur ein Teil seiner Geschichte. Die Schriften insgesamt sind ein starkes Zeugnis seiner moralischen Werte und Emotionen, die Opposition gegen den Krieg und die Enttäuschung über das Scheitern des Journalismus in seiner Aufgabe, die Wahrheit zu sagen. Und er zeigt uns auch einen andere Terzani, nicht so sehr der renommierten Globetrotter des italienischen Journalismus, sondern den einfachen „Tiz“, so unterzeichnete er seine Briefe Unterzeichnung, die er aus der ganzen Welt an seine Frau, Kinder und enge Freunde schrieb, verloren oder ermutigt.

Vom Aufbau und Stil her wechseln sich kurze und längere Beiträge ab. Wir finden hier Gedanken, Ideen und Betrachtungen, die so nicht in seinen bisher veröffentlichten Büchern enthalten sind. Unzählige Geschichten reihen sich aneinander, sehr persönlich und sehr offen, voll Humor und mit einem wachen, aufmerksamen und kritischen Geist. Klare Sprache und eine ganz kurzweilige Art des Erzählens werden Sie das Buch verschlingen lassen. Ein Buch, das Sie nur ungern aus der Hand legen wollen.

Lesen Sie unbedingt die Reise eines Mannes, dieses mächtige Zeugnis des zwanzigsten Jahrhunderts, die das Leben vieler Leser verändern wird. Ein nicht veröffentlichtes Zeugnis für alle, die an eine bessere Welt glauben wollen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des DVA Verlages

http://www.randomhouse.de/Buch/Spiel-mit-dem-Schicksal/Tiziano-Terzani/DVA-Sachbuch/e473064.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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