Rezension: Carvalho und die olympische Sabotage – Manuel Vázquez Montalbán – Wagenbach Verlag

Carvalho, Olympia braucht Sie!!!

Carvalho und die olympische Sabotage – Manuel Vázquez Montalbán (Autor) Bernhard Straub (Übersetzer), 144 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach (4. März 2016), 9,90 €, ISBN-13: 978-3803127525

Pepe Carvalho verweigert sich. „Sein Detektivbüro blieb wegen geistigen Urlaubs geschlossen.“ (Seite 19). Er verbarrikadiert sich. Doch man braucht ihn. Antonio Samaranch, Prinzessin Anne, der Innenminister Corcuera, der König und die Königin, der KGB, alle brauchen ihn. Warum? Ben Johnson ist die 100 Meter in 6,4 Sekunden gelaufen, ohne Doping. Und „man hat herausgefunden, dass vierzig Prozent der Mannschaften der schwarzen Leichtathleten keine Schwarzen sind.“ (Seite 23) Die Isolierung des Detektivs findet ihr Ende unter den Militärstiefeln, die seine Tür eintreten. Er muss einfach dieses ernste Problem der olympischen Sabotage lösen.

Was steckt alles hinter Olympia? Was ist die Rolle des echten Sport bei den Spielen? Wie funktioniert die Spekulation im Olympischen Sport? Wenn Pokern einen Sponsor hätte, würde es dann eine olympische Sportart werden?

All diesen Fragen widmet sich Manuel Vázquez Montalbán. Und er nimmt dabei viele Figuren aufs Korn. Neben ihm brilliert eine serbische Bodybuilderin,Vera, die nicht zu den olympischen Spielen zugelassen ist und schließlich seine ständige Begleiterin wird. Natürlich auch Biscuter, sein Faktotum, der sich zu einem Suppenseminar in Paris aufhält.

Montalbán spannt seinen Bogen sehr weit: „von Polizisten aller Gattungen, die Designer-Uniformen von Mariscal, Armani, Rabanne, Cardin, Adolfo Dominguez, Sarah Ferguson und Senora Ripa di Meana trugen […] als Beweis, „dass Spanien den Anschluss an die Moderne geschafft hat.“ (Seite 87) über den amerikanischen Präsidenten Bush, der Bagdad mit Barcelona verwechselt, und den polnische Papst, der inkognito in Barcelona ist „verkleidet als tschechische Speerwerferin“ (Seite 83). Über Giulio Andreotti, der empört ist, weil das IOC ihm niemals die Präsidentschaft angetragen hat bis zu Caroline von Monaco, „die nicht wusste, was sie noch anstellen sollte, um Trauer und Schmerz ihres Witwendaseins zu demonstrieren.“ (Seite 51) Von Literaturkritik, CIA bis hin zu Stierragout und einem Rioja Jahrgang 1904 gibt es kaum etwas, was nicht zur Sprache kommt. Schlussendlich lässt sich noch die serbische Bodybuilderin mit Arnold Schwarzenegger ein, diesem „Roboter des Imperialismus“ (Seite 113) und ein falscher Oberst ertrinkt im Meer.

Heraus kommt eine Abrechnung, Kritik in Form einer Farce, mit viel schwarzem Humor und einer gehörigen Portion Zynismus. Ein Abrechnung mit Olympia, mit Spanien, mit der Weltpolitik, mit der Literatur und der Philosophie. Eine absurde, metaphysische Reise.

Sehr vergnüglich zu lesen. Sehr anregend. Mit viel Tief- und noch mehr Hintersinn. Ein Meisterwerk der Wortspiele und der abstrusen Gedanken. Für alle, die sich beste Unterhaltung – sprich auch schwarzen Humor – auf literarischem Niveau wünschen.

Je nachdem wie Sie es lesen, ist es entweder ein sehr gutes Buch oder einfach nur ein Wirrwarr von Vorstellungen, Ansichten, Ereignissen und Worten. Mir persönlich hat es sehr viel Vergnügen bereitet.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1029-carvalho-und-die-olympische-sabotage.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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