Rezension: Das dritte Leben – Juan Villoro – Hanser Verlag

Die Gefahr ist das beste Aphrodisiakum

Das dritte Leben – Juan Villoro (Autor), Susanne Lange (Übersetzer) 288 Seiten, Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (14. März 2016), 19,90 €, ISBN-13: 978-3446249134

Es gab eine Zeit, als Strände ein Ort der Ruhe waren. Aber heute brauchen „Extremtouristen andere Emotionen. Der ehemalige Rocker Mario Müller entdeckt eine visionäre Möglichkeit in der Karibik: die Freuden der Angst. Und sein alter Freund aus gemeinsamen Musikertagen Tony leitet am Ufer eines riesigen Korallenriffes das Resort „La Pirámide“. In diesem seltsamen und einzigartigen Komplex, können Gäste die extremen Emotionen von Risiko und Angst genießen, vorgetäuschte Terrorakte, Entführungen, Vergewaltigungen: so zum Beispiel unter anderem von der Guerilla entführt zu werden oder russisch Roulett zu spielen. Aber diese Gefahren sind gut kontrolliert und geplant von Mario Müller, dem Erfinder dieses seltsamen Ortes,der so mit großem Erfolg das Tourismus-Geschäft wieder belebt. Alles scheint perfekt, bis Taucher tot aus dem Wasser geborgen werden.

Diese Gäste sind müde von einem Leben ohne Überraschungen. Wenn Sie Angst haben, bedeutet es, dass Sie am Leben sind: sie wollen das Gefühl Angst, um sich zu entspannen.

Im Grunde ist es ein Polizeithriller, wo die Untersuchung von Verbrechen bei der Handlung im Vordergrund steht. Das Gesamtbild ist überzeugend. Elemente, die nie versagen: Polizeiintrigen, ein Toter, eine Frau, eine verborgene Vergangenheit. Aber im Hintergrund lastet eine der schwersten und kategorischen Herausforderungen auf Mexiko und Lateinamerika im Allgemeinen: Drogenhandel und die Gewalt, die er hervorruft. Der faszinierende neue Roman von Juan Villoro wirft moralische Fragen in dieser intensiven Geschichte von Freundschaft, Liebe, Schuld, Erlösung und die Möglichkeit, einer zweiten Chance auf. Und es ist auch die Geschichte der beiden Freunde als Reise in die Vergangenheit, in der Tony langsam sein Leben durch seine Gespräche mit Mario rekonstruiert. Es ist eine schwierige und schmerzhafte Reise, wo jedes Stück der Erinnerungen, das Tony herausholt, auch eine Erfahrung ist, die vergessene Leiden wieder aufleben lässt.

Wir begegnen einer Fülle von beschädigten Figuren, die exzentrisch sind oder einfach eine neue Chance im Leben suchen und deren Schicksale in einem Netz von gefährlichen, geheimen Beziehungen sich zu verflechten beginnen.

Juan Villoro einer der besten lateinamerikanischen Autoren, lässt eine Utopie Realität werden. Er schafft dazu starke Charaktere und eine geradezu filmische Dynamik. Der Autor gehört eindeutig zur Postmoderne: fragmentarischer Stil, offene Enden und vor allem setzt sich Villero mit den Themen auseinander, die die postmoderne Gesellschaft charakterisieren.

Ich habe das Buch mit Interesse und Vergnügen gelesen. Für mich ist es ein „schwarzer“ Roman mit klaustrophobischer Atmosphäre und gleichzeitig eine Gesellschaftskritik auf verschiedenen Ebenen. Sehr zu empfehlen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/das-dritte-leben/978-3-446-24913-4/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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