Rezension: Die Raben – Tomas Bannerhed – btb Verlag

Rabe: Habicht der Wunden – Gesandter des Sensenmanns.

Die Raben – Tomas Bannerhed (Autor),Paul Berf (Übersetzer), 448 Seiten, btb Verlag (2. März 2015), 21,99 €, ISBN-13: 978-3442753925

Klas ist ein 12 Jahre alter Knabe, eingebunden in die Generationenkette Smålander Kleinbauern, die seit ewigen Zeiten ihre Nasen über den Boden beugen. Das Dilemma von Klas ist, dass er seine Nase in die Luft reckt zu den Vögeln. Mir scheint er wie ein Kuckuck, der von der Arbeit anderer lebt. Das Gefühl der Schuld, die Angst, der Sünde der Trägheit beschuldigt zu werden, lasten auf ihm. Zum anderen trägt er die Last auf seinen Schultern, einen Vater zu ertragen, der sich selbst nicht ertragen kann, dessen Depression dem Jungen ebenso bedrohlich erscheint, wie die Anforderung den Hof zu übernehmen.

Die Familie ist verwundbar. Die Mutter ist bewundernswert in ihren endlosen Versuchen ihren Kindern Wärme und wenig Freude, eine Art von Normalität zu geben, während der Vater zunehmend fremder wird.

Mich haben die Vogelbeschreibungen sehr beeindruckt. Blaumeisen, Grünfinken, Gimpel, Sumpfsänger und Schafstelzen werden in ihrer Art und in ihrem Verhalten so sorgfältig dargestellt, dass man meinen könnte, der Autor wolle uns in einen tropischen, exotischen Dschungel führen.

„Die Raben“ ist eine subtile Geschichte über Generationenkonflikte, Bruch mit Traditionen, Verlierer des Strukturwandels, über existentielle Bedrohungen und Einsamkeit, über das Gefühl, nicht dazu zu gehören. Vor allem eine Geschichte über den Wunsch mit dem Schicksal zu brechen, ohne konkrete Vorstellungen, aber zumindest mit dem inneren Wunsch, eigene Entscheidungen im Leben zu treffen. „Seht ihr, dass ich fliege? Der Faulpelz vom Hof Altenteil, der nie einen Finger krumm gemacht hat.?“ (Seite 431)

Eine sehr starke und ehrliche Geschichte. Es ist schwer zu glauben, dass „Die Raben“ wirklich ein Debütroman ist. Es ist ein reifer Schriftsteller, der uns diese unglaublich interessant, lebensechte und phantastische Geschichte aus dem 1970er Jahren von vergangenen Zeiten und Orten, die sowohl fremd als auch vertraut sind, nahe bringt.

Tomas Bannerheds Prosa ist außergewöhnlich reif. Etwas steckt in allem, was geschrieben ist: Eine fast unerträgliche Spannung, manchmal dunkel und bedrohlich. Kein Schnickschnack, kein Bauernland Kitsch. Einfach bemerkenswert, in Stil und Technik.

Für alle, die mit einer gewissen Grundmelancholie zurecht kommen und die anspruchsvolle Literatur mögen, sind hier genau richtig.

Übrigens: „Was die Raben haben wollen, das holen sie sich. […] Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ (Seite 313)

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des btb Verlages

http://www.randomhouse.de/Buch/Die-Raben/Tomas-Bannerhed/btb-Hardcover/e416355.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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