Rezension: Die Eisträger – Anna Enquist – Klaus Wagenbach Verlag

Zu wenig Reden und zu viel Sand

Die Eisträger – Anna Enquist (Autorin) Hanni Ehlers (Übersetzerin), 144 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach (22. April 2016), 9,90 €, ISBN-13: 978-3803127587

„Die Eisträger“ von Anna Enquist erzählt die Geschichte einer gestrandeten Ehe. Loes und Nico van der Doelen leben in einem alten, großen Haus, schön in den Dünen gelegen. Er liebt es, dieses große Stück Sand; sie hasst Sand und zieht Ton und die Polder vor. Dieser Widerspruch wird von der ersten Seite an klar. Das geräumige Haus und seine Umgebung garantiert kein Glück.

Ihre Tochter Maj (adoptiert) ist vor einem halben Jahr aus dem Haus geflüchtet, aber das wird nicht von den Eltern besprochen. Loes, Lehrerin alter Sprachen wäre bereit über Maj zu sprechen. Aber sie kommuniziert kaum mit ihrem Mann, flieht in ihre Leidenschaft für die Gartenarbeit und will den sandigen Boden fruchtbar machen. Nico arbeitet erfolgreich in einer psychiatrischen Klinik und wird zu deren Direktor befördert. Er schweigt auch über die Flucht seiner Tochter und konzentriert sich ganz auf seine neue Aufgabe.

In hundertvierzig Seiten beschreibt Enquist die schöne und aus Sicht der Außenwelt perfekte Familie. Sie ändert in jedem Kapitel der Perspektive. Einmal aus Sicht von Nico dann aus der Sicht von Loes.Als Leser sind wir daher besser informiert als die Protagonisten selbst. Wir kennen ihre Gefühle, Wünsche und Ängste, die sie kaum zeigen und gegeneinander verbergen.

Es ist eine eine moderne Geschichte. Die Geschichte einer Beziehung, einer problematischen Liebe, die katastrophal endet. Das Ende des Romans ist völlig unerwartet, aber völlig im Einklang mit der Psychologie der Figuren.

Thema der Geschichte sind die Probleme, die daraus folgen, wenn man in einer Beziehung nicht miteinander kommunizieren kann. Sand, der verletzende Sand, kommt immer wieder vor und bald wissen wir, dass er als Symbol für die Unfruchtbarkeit steht

Anna Enquist schreibt sehr direkt und persönlich, scharf und kurz, trotzdem warm und poetisch. Es war sehr leicht, mit den Charakteren mitzufühlen, vor allem, weil die Situation sehr erkennbar ist.

Die Eisträger ist ein sehr überzeugendes Buch. Es beweist, dass ein literarisches Werk nicht langweilig und schon gar nicht schwierig sein muss, sondern sehr spannend und sehr einfach zu verstehen sein kann.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1035-die-eistraeger.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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