Rezension: Knabenzeit – Andreas Burnier – Klaus Wagenbach Verlag

Mitteilungen einer Desillusionierten

Knabenzeit – Andreas Burnier (Autor), Waltraud Hüsmert (Übersetzerin), 112 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach (22. April 2016), 9,90 €, ISBN-13: 978-3803127594

Der Titel Knabenzeit bezieht sich auf die Zeit, als es getrennte Schwimmzeiten für Jungen und Mädchen gab. Die Hauptfigur Simone hat einmal während der Knabenzeit geschwommen und bekam alle nur möglichen Probleme. Das ist eines der Erlebnisse, die Catharina Irma Dessaur unter dem Pseudonym Andreas Burnier in diesem Buch mit autobiographischen Bezügen beschreibt.

Das Buch handelt von dem jüdischen Mädchen, Simone Baling. Sie ist 9 Jahre. Es ist im Zweiten Weltkrieg, deshalb muss sie sich, von ihren Eltern getrennt, verstecken. Sie beschreibt fünf Verstecke. Es sind alle unterschiedliche Geschichten, weil der Übergang von einem Versteck zum anderen nicht gezeigt wird. Jedes Kapitel beschreibt, wo sie sich aufhält und was sie erlebt. Das Buch wird nicht chronologisch erzählt. Und es hat einen offenen Ausgang. Sie ist nicht wirklich zu Ende. Diese Geschichte endet mit ihrem Beginn.

Es sind die Geschichten eines Mädchen, dass oft isoliert und alleine ist und viel zu sich selber spricht. Was sie von anderen Menschen unterscheidet? Sie fühlt sich in ihrem Körper als Mädchens nicht wohl. Der Kampf mit ihrer sexuellen Orientierung ist für die meisten Jugendlichen schon in einer Zeit des Friedens schwierig, aber wie kann man die in der Zeit des Krieges bestimmen?

Das Buch ist ein psychologischer Roman. Die Themen Krieg, Verfolgung, Individualität, Repressionen durch die Gemeinschaft, Erfahrungen in der Kindheit, Transsexualismus werden in den einzelnen Kapiteln in ihren Widersprüchen reflektiert, vor allem die Unterschiede zwischen Jungen zu Mädchen, Juden gegen Nichtjuden und Reformierte gegenüber Katholiken.

Andreas Burnier schreibt in einer klaren Sprache: keine vagen, schwierige Wörter und keine Menge von Bildern oder Adjektive, ähnlich wie ein junges Mädchen, das ein Tagebuch schreiben würde. Es besteht aus kurzen, realistisch Sätze. Es gibt eine gewisse Art von Humor, Sarkasmus.

Mir scheint, er hat das Buch für junge Menschen gedacht, auf der Suche nach Identität, beim langsamen Erwachsenwerden im Verborgenen, auf ihrem mühsamen Weg durch die dunklen Verliese.

Entdecken Sie dieses Buch neu. Den gerade heute, wo Transgender auch im Mainstream vertreten ist, gewinnt dieses Buch aktuelle Aspekte und kann grundsätzlich anderes gelesen werden. Andreas Burnier war schon immer ihrer Zeit voraus.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1036-knabenzeit.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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