Rezension: Schwarzes Licht – Harry Mulish – Klaus Wagenbach Verlag

Ein kindlich totalitäres Lachen

Schwarzes Licht – Harry Mulish (Autor), Gregor Seferens (Übersetzer), 144 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach (22. April 2016), 9,90 €, ISBN-13: 978-3803127600

Harry Mulish nennt dieses Buch einen kleinen Roman. In der Tat spielt sich die ganze Geschichte an einem Tag ab. Der 20. August 1953. Der Protagonist Maurits Akelei hat Geburtstag. Er wird 46 Jahre alt und er beschließt ein Fest zu geben. Frau Henkes, seine Zimmerwirtin, eröffnet ihm, dass heute der Tag des Weltunterganges sei. Ein Fest, obwohl Maurits nur wenige Freunde hat, wenn überhaupt? Obwohl er ziemlich ungesellig ist, seit ihn seine Freundin Marjolein vor 23 Jahren verlassen hat? Ja, er begibt sich auf Einladungstour zu seinen wenigen Bekannten, zu den Herren Ketelaar, Splijtstra, Doornspijk und Pollaards.

Ja, ein Jubiläum, das mit einer Art apokalyptischer Vision der Endzeit zusammenfällt. Diese Vorstellungen gehen zusammen mit allen Arten von halluzinatorischen Szenen, in denen die Grenzen zwischen dem Wahnsinn von Maurits und den Wahnsinn der Welt miteinander verwischen. Diese Szenen sind für meinen Geschmack sehr überzeugend geschrieben.

Harry Mulish schreibt einen wunderbaren Roman, voller magischem Realismus mit Symbolik und dunklen Ahnungen über die Magie der Phantasie. Die gewöhnlichen Dinge wie „Realismus“ und „Alltag“ sind ihm zu langweilig, er zielt eher auf die „ganz Andere“.

„Schwarzlicht“ ist ein völlig anderes Licht, das nichts klar stellt, sondern alles ins unbekannte Seltsame transformiert. Alles Bekannte (wie die christliche Religion und die daraus resultierende Musik) wird zerstört, alle Konventionen werden über Bord geworfen. Ergebnis für Maurits und den Leser, ist ein Eintauchen in eine Welt, die völlig unbekannt und unsicher ist, frei von jedem Bezugspunkt und damit von einer erschreckenden, aber auch faszinierenden, hemmungslosen Intensität und Unberechenbarkeit.

Darin steckt natürlich ein Risiko. Denn das Buch stellt Anforderungen an den Leser und ist deshalb nicht für jeden zu empfehlen.

Einer der bekanntesten Aussprüche von Harry Mulish lautete: „Das Beste ist, das Rätsel zu vergrößern.“ Das hat er mit diesem Werk erneut bewiesen: das Paradox ist der Kern seines Lebens.

Für mich ist dieser kleine Roman ein großes Buch.

Der Roman „Schwarzes Licht“ wurde im Original erstmals im Jahr 1956 veröffentlicht, es handelt sich somit um ein Frühwerk Mulischs. Die im Jahr 2016 erschienene Neuauflage wurde vom preisgekrönten Übersetzer Gregor Seferens überzeugend frisch ins Deutsche übertragen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1037-schwarzes-licht.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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