Rezension: Clara Rilke-Westhoff – Marina Bohlmann-Modersohn – btb Verlag

Die Frau im Schatten

Clara Rilke-Westhoff: Eine Biografie Marina Bohlmann-Modersohn (Autorin), 384 Seiten, btb Verlag (19. Oktober 2015), 21,99 €, ISBN-13: 978-3442754328

„Wer ist sie, in was drückt sie sich aus, an welchen Freuden, Wünschen, Hoffnungen erkennt sie sich?“, fragte Rilke, um seine Ehefrau Clara Henriette Sophie Rilke, geb. Westhoff zu verstehen. Gelungen ist es ihm nicht.

Clara Rilke-Westhoff, geboren am 21. November 1878 in Bremen und gestorben am 9. März 1954 in Fischerhude) war eine deutsche Bildhauerin und Malerin. Sie wurde zu einer der Vorreiterinnen der Frauen in der Kunst. Wie ihre enge Freundin und Weggefährtin Paula Modersohn-Becker brach sie mit den Konventionen ihrer Zeit und wählte eine Domäne, die bis dahin vor allem Männern vorbehalten war: die Bildhauerei, dieses schwere Handwerk mit hartem Marmor, Kalk- oder Sandstein, festem Lehm, flüssiger Bronze.

Jetzt nähert sich Marina Bohlmann-Modersohn (verheiratet mit dem Enkel des Malers Otto Modersohn) in einer ebenso spannenden wie aufschlussreichen Biographie dieser faszinierenden Persönlichkeit aus einer ebenso faszinierenden Zeit mit all ihren Prägungen. „Sehen Sie, Fräulein, es gibt zwei Arten von Malerinnen: die einen möchten heiraten und die anderen haben auch kein Talent.“ (Seite 9)

So zeichnet die Autorin nicht nur den Lebensweg der Künstlerin nach, sondern bringt uns tiefe Einblicke in das Leben der damaligen Künstler wie Rainer Maria Rilke, Paula Becker-Modersohn, Otto Modersohn, Rodin und viele andere. Und sie zeigt uns die Denk- und Arbeitsweise wie auch die Lebensumstände dieser Menschen und ihrer damaligen Zeit. Sie beleuchtet alle Lebensstationen: Die ertrotzte Ausbildung unter anderem in München, Leipzig und Paris, die Freundschaft mit Paula Modersohn-Becker, die Ehe mit Rainer Maria Rilke, die Trennung sowie die künstlerischen und menschlichen Krisen. Es ist der Kampf einer ehrgeizigen Künstlerin, die mit großen Zielen gestartet ist, aber schlussendlich doch an den Umständen scheiterte.

Entstanden ist ein stilles Porträt, ohne Klischees, sensibel und diskret. Vor allem gefällt mir, dass Marina Bohlmann-Modersohn nicht urteilt, sondern durch ihr sehr gut recherchiertes Material den Leser sich sein eigenes Bild machen lässt. Sie zitiert aus den verschiedenen Briefwechseln von Clara Westhoff: mit den Eltern, mit Paula Modersohn-Becker, Briefe des Ehepaars Rilke untereinander und auch die Briefe Rilkes an seine Mutter. Dadurch kommt man Clara Westhoff sehr nahe und erkennt unter welchen Bedingungen sich die künstlerische Entwicklung von Clara Westhoff-Rilke vollzog und welche Schwierigkeiten sie dabei als Frau, Ehefrau und Künstlerin zu bewältigen hatte.

Diese Biographie ist nicht nur für Kunstinteressierte interessant. Ich kann diese ungemein kenntnisreiche, hoch spannende und sehr differenzierte Biografie jedem empfehlen, der diese Zeit und ihr Leben besser kennen lernen möchte.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des btb Verlages

http://www.randomhouse.de/Buch/Clara-Rilke-Westhoff/Marina-Bohlmann-Modersohn/btb-Hardcover/e421853.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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