Rezension: Die Erzählungen der Chassidim – Martin Buber – Manesse Verlag

Das Weisheitsbuch der gläubigen Ostjuden

Die Erzählungen der Chassidim – Martin Buber (Autor), ??? Seiten, Manesse Verlag (10. November 2014), 29,95 €, ISBN-13: 978-3-7175-2368-0

1965 starb Martin Mordechai Buber, ein österreichisch-israelischer jüdischer Religionsphilosoph. Jetzt erscheinen die chassidischen Erzählungen von Martin Buber neu im Zürcher Manesse-Verlag. Mit einem sehr informativen Nachwort des Judaisten Michael Brocke.

Martin Buber war immer ein Vermittler zwischen der bedrohten traditionellen jüdischen Welt im Osten und der westlichen wissenschaftlichen und aufklärerischen Moderne. Unter diesem Aspekt sehe ich vor allem auch seine Erzählungen der Chassiden, an die er eben nicht aus dem Blickwinkel des Forschers oder des Übersetzers herantrat, sondern als Nacherzähler.

Der Begriff Chassidismus umfasst mehrere, voneinander unabhängige Bewegungen im Judentum, denen allen drei Dinge gemeinsam sind: eine strenge Einhaltung der religiösen Regeln, ein hoher moralischer Anspruch und eine besondere Empfindung der Gottesnähe.

Israel Ben Elieser von Mesbiž, genannt Baal Schem Tov (Besitzer des guten Namens) war der Gründer des osteuropäischen Chassidismus. Um ihn ranken sich viele Legenden. Eine stellt Buber direkt an den Anfang seiner Erzählungen: „Am Baum der Erkenntnis – Es heißt, die Seele des Baalschemtow sei einst, als alle Seelen in der Adams versammelt waren, in der Stunde, da er am Baum der Erkenntnis stand, geflohen und habe nicht von der Frucht des Baumes gegessen.“ (Seite 97)

Baalschemtow entging also der Sünde. Im Gegensatz zu Adam blieb nur er eine reine Seele. Diese Geschichte ist symptomatisch für alle weiteren kleineren und größeren Geschichten und Erzählungen von einer idealen Welt. Dort sammeln sich die Chassidim, die Frommen, Begeisterten, um Zaddikim, die Gerechten, Bewährten. Die Zaddikim vermittelten als ekstatische Beter sowie praktisch gesinnte Helfer der Gläubigen zwischen Himmel und Erde, Geist und Natur, Gott und Mensch. Sie trieben keine Askese, sondern wandten sich voller Freude und Begeisterung der von Gottes Licht erhellten Welt zu. Sie erhoben die Gläubigen durch Handlungen und Predigten, und sie unterrichteten Schüler, oft Söhne und Enkel, die ihrerseits Zaddikim wurden und so Dynastien bildeten.

Dieser Struktur der Dynastien folgt auch Martin Buber: Er ordnet die legendären Anekdoten, die von Leben und Lehren jeweils eines Gerechten erzählen, nach den gut 50 Zaddikim, die auf Baal-Schev-Tow folgten.

„Die Erzählungen der Chassidim“ vereinen seltsame, schrullige, anrührende, manchmal unergründliche und auch einige banale Geschichten zusammen mit Anekdoten, Lehrsprüchen, Gleichnissen, Gesprächen über Alltagsereignisse und Auslegungen von Bibelstellen.

Ja, ich möchte diese Erzählungen von Martin Buber als Märchen im besten Sinn bezeichnen, als phantastisch-wunderbare Begebenheiten und Zustände. Das Böse wird bestraft und das Gute wird belohnt. Und Erlösung wird möglich. Getragen wird das Ganze durch Martin Bubers metaphorische Sprache und seine ungemein dichte Erzählweise.

„Die Erzählungen der Chassidim“ sind zwar weltberühmt. Ich habe aber den Verdacht, dass sie wenig gelesen wurden. Ich wünsche ihnen mehr Leser, denn sie können nicht nur für Juden, sondern auch für Anhänger anderer Glaubensrichtungen oder auch für Agnostiker eine reich sprudelnde Quelle der Freude, der Besinnung und der Weisheit sein. Vor allem für jene, die Unterstützung bei ihrer persönlichen Suche nach dem Göttlichen suchen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Manesse Verlages

http://www.randomhouse.de/Buch/Die-Erzaehlungen-der-Chassidim/Martin-Buber/Manesse/e467573.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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