Rezension: Das Zimmer – Jonas Karlsson – Luchterhand Verlag

Kafkaesker Roman über moderne Arbeitswelten

Das Zimmer von Jonas Karlsson (Autor), Paul Berf (Übersetzer), 176 Seiten, Luchterhand Literaturverlag (11. April 2016), 17,99 €, ISBN-13: 978-3630874609

Der Icherzähler Björn wechselt oder wird gewechselt von einer Behörde in eine andere. Diese Behörde scheint neu und groß zu sein, aber auch gesichtslos, unfreundlich, uninteressant und nicht greifbar. An irgendwelchen Beschlüssen wird gearbeitet. Nach kurzer Zeit macht Björn eine seltsame Entdeckung: Zwischen der Toilette und dem Aufzug befindet sich eine Tür, die von seinen Kollegen offenbar gemieden wird. Sie führt in ein kleines, fensterloses Büro. Das ist der Beginn des Romans.

Björn, ein Einzelgänger, strebt etwas an: die Kontrolle übernehmen, über die Abteilung, über seinen Chef, über … ja, eigentlich über jeden. Sehr diszipliniert und ausgeprägter Taktik arbeitet er daran. Aber wieso will niemand einsehen, dass er einfach der Beste ist, der Einzige, der klar denkt. Nur er hat den Überblick. Vollkommen überzeugt von seiner eigenen Überlegenheit, ist Björn ein Alleswisser, mit ausgeprägter fehlender Selbsterkenntnis oder Hybris. Ein flüchtiges Wesen, verwirrenden und perplex, nicht in der Lage, sich zu erklären, unfähig, sich wohl in der Welt zu fühlen, und dazu bestimmt, allein zu sein. Paranoid, schüchtern und unbeholfen hat er für seinen Arbeitsplatz und seine Kollegen eine abgrundtiefe vollständige Verachtung.

Björn ist die Art von nerviger Person, die jedem bekannt ist, der schon einmal einen Fuß in eine Schule, Krankenhaus, Call Center, Kirche, Behörde, Unternehmen oder in der Tat überall dort, wo Menschen zusammenkommen, gesetzt hat. Die sterile Natur des Bürolebens, in der Arbeit als eine Form von Institutionalismus, Totalitarismus und Sozialkontrolle fungiert, wird so gut dargestellt, das der Leser das Gefühl hat, wirklich in einer solchen Institution zu arbeiten.

Das Zimmer ist ein einfaches Buch über fast nichts, ohne Bezug auf etwas außerhalb seiner selbst. Eine bizarre Vision die beängstigend-verwirrende Mischung aus Konformität, Macht, Chaos und Entfremdung in der modernen Arbeitswelt. Aber es bereitet ungeheures Vergnügen dieses Buches zu lesen, das wie eine Art Witz daher kommt, oder als Tragödie oder als Komödie. Es ist einfach nicht zu klassifizieren

Der Schreibstil von Jonas Karlsson ist minimalistisch und kalt; gleichzeitig kunstvoll, intensiv, grotesk und fesselnd. Er versteht es, auch wenn keine wirklichen Ereignisse da sind, eine ungeheure Spannung zu schaffen, die bis hin zum fantastischen Ende anhält.

Ein kurzer, aber aufregender Roman, der den Leser von der ersten Seite an in den Bann einer verwirrenden und chaotischen Welt hineinzieht. Eine Welt, von einer Kultur möchte ich nicht reden, die immer schlimmer zu werden scheint. Lesen Sie dieses Buch und beschäftigen Sie sich mit den Fragen, die offen bleiben.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Luchterhand Verlages

http://www.randomhouse.de/Buch/Das-Zimmer/Jonas-Karlsson/Luchterhand-Literaturverlag/e448522.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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