Welcher Wein zu Diana Krall

Welcher Wein zu Diana Krall

… oder warum Puristen nie genießen können

Überall gibt es Puristen. In der Musik, beim Wein. Da gibt es die Polizisten des Jazz, die Akkordgetreuen, für die alles andere nur Hintergrundgesäusel und damit nicht hörenswert ist. Für diese Fundamentalisten muss richtiger Jazz schwierig und anstrengend sein.

Genauso wie Weinpuristen und -kritiker bekanntlich „fordernde“ Weine bevorzugen. Aber um Gottes Willen doch keine Weine nur einfach so zum Trinken.

Jetzt soll es aber wahrhaftig Konsumenten geben, die gern einen Wein trinken, weil er ihnen schmeckt und nicht, weil er angesagt ist. Oder Menschen die Musik hören wollen, die einfach gute Laune macht.

Genau so wie weiche, saftige und zugängliche Weine in der Kritik der puristischen Weinkenner stehen, so wird Smooth Jazz von den Fundamentalisten des Jazz als seichte Kaufhausmusik abgetan.

Nehmen wir als erfolgreichstes Beispiel Diana Krall: Mit ihrem intimen, samtig-verführerischen Klavierspiel und ihrer rauchigen, samtig-dunklen und weichen Stimme haucht die gebürtige Kanadierin altbekannte Jazzstandards unverwechselbar neues Leben ein.

Ja und welchen Wein sollen wir beim Hören von zum Beispiel „The very Best von Diana Krall“ trinken? Was passt zu diesen pianogetränkten Balladen und leichtfüßigen Swing-Momenten? Was passt am besten zu dieser Lady of the Night, die wir uns sinnierend in einer nahezu leeren, kleinen Eckbar am Piano vorstellen – ein wenig verrucht, ein wenig verlebt, doch stets mit Stil und Klasse.

Für mich gibt es hier nur eine Wahl, einen Valpolicella Caterina Zardini Private Reserve Selection – ein Konzentrat, das es in sich hat. Der Wein präsentiert sich in einem tiefen, dunklen Granatrot. Im feingliedrigen, vielschichtigen Bouquet entfalten sich Noten von überreifen Waldbeeren und schwarzen Kirschen und Anklänge von Bittermandeln und Tabak, verbunden mit einem Hauch von Eichenholz. Am Gaumen wuchtig und anschmiegsam, sehr feines Tannin, reif und elegant. Im warmen, würzig-fruchtigen langen Abgang schmeichelt eine wunderbar angenehme Bitternote. Trotz seines dichten Geschmacks wirkt er nie wuchtig oder schwer, sondern fasziniert mit einem feinen Schmelz und seiner Eleganz. Er entwickelt auf dem Gaumen einen ganzen Strauß würziger, fleischiger Frucht.

Die genau passende Ergänzung zum wilden Samt von Diana Krall, zu ihrer raffinierten Tiefe, zu ihrer Coolness, ihrer vollen Stimme und ihrem unglaublichen Swing. Hier begegnen sich mit der Künstlerin und dem Wein zwei mit ganz besonderem Selbstbewusstsein und einer ganz persönlichen Art, einen Song beziehungsweise einen Valpolicella zu interpretieren.

Jetzt könnten wir es natürlich bei diesem Wein belassen, wenn wir die nächste CD von Diana Krall auflegen. Eine CD von der Diana Krall selber sagte: „Ich wollte eine sinnliche, geradezu erotische Platte aufnehmen. Das Album ist wie ein Liebesbrief an meinen Mann. Es ist ein Flüstern ins Ohr deines Geliebten, dass du glücklich bist und hier bis ans Ende der Tage sein möchtest.“ Und wer kennt sie nicht: Quiet Nights. Hier vermählen sich ihre verführerische Stimme und ihr sanftes Klavierspiel zu einem relaxten und sinnlichen Gefühl. Getragen von der Klarheit des Bossa Nova, ohne überflüssige Noten, ohne Ballast. Von allem Überfluss befreit und auf das Wesentliche reduziert. Sozusagen nackt, schlank und schwarz-weiss, der viel Freiraum im Hirn lässt.

Und dazu einen Cerasuolo di Vittoria DOC „Il Cigno Nero“, helles Kirschrot im Glas. Er verfügt über ganz eigene, spannende Noten. Neben Aromen von reifen Granatäpfel von kleinen roten Früchten, Erdbeeren und Kirschen findet man Anklänge von Ingwer und Kaktusfeigen in Duft und Geschmack. Die große Frische und die eher schlanke Konsistenz machen ihn zu einem Alltagsbegleiter auf hohem Niveau, auch und gerade geeignet für laue Sommernächte – leicht gekühlt. Ein alter Klassiker aus Sizilien.

Ja gibt es denn keine modernen Weine? So möchte man fragen. Genauso: Gibt es denn heute keine guten Lieder mehr? Denn die meisten Songs, die Diana Krall singt, haben viele Jahre auf dem Buckel. Natürlich gibt es moderne Weine, die gut trinkbar sind. Natürlich gibt es moderne Songs von Elton John oder van Morrison. Aber aus dem Jazz oder aus dem Geist des Jazz heraus sind Lieder entstanden, wie sie heute eher niemand mehr schreibt. Genauso wie es moderne Weine gibt. Aber die alten, klassischen Weine haben ihren eigenen unnachahmlichen Charakter.

Sie sind freier, entkrampfter, lebendiger, nicht so sehr fokussiert. Irgendwie dringt auch Leben ein, die Außenwelt, die Wirklichkeit., genau wie bei den Interpretationen von Diana Krall.

Übrigens: Beide Weine kannst du auch zu Norah Jones genießen. Zum Beispiel den Cerasuolo di Vittoria zu dem Song „Cold cold heart“. Und mir scheint: Das ist das Rezept, den zweifelnden Geist zu lösen und das kalte Herz zu schmelzen, das wonach Norah Jones in diesem Titel sucht.

Hier treten Menschen nicht der Welt gegenüber und werden so zu Schauspieler auf der Bühne des Kleintheaters ihrer Lebenswelt. Sondern sie zeigen Mut eine Persönlichkeit zu werden und zu bleiben. Hier wird keine Atmosphäre dargestellt. Persönlichkeit ist die Atmosphäre: „Die Frau und der Wein mit Eigenschaften.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s