Rezension: Porträt einer Ehe – Robin Black – Luchterhand Verlag

Die Wahrheit liegt im Ungesagten

Porträt einer Ehe von Robin Black (Autorin), Brigitte Heinrich (Übersetzerin), 320 Seiten, Luchterhand Literaturverlag (24. Mai 2016), 19,99 €, ISBN-13: 978-3630873220

Die Partner in langjährigen Ehen sind allesamt Experten für Zwischentöne, für das nicht Gesagte und schließlich fürs Unaussprechliche. „In einer Ehe laufen oft zwei Gespräche nebeneinander ab. Das, das man gerade führt, und das, das man gerade nicht führt. Manchmal weiß man nicht einmal, wann dieses zweite, stillschweigende, begonnen hat.“ (Seite 54)

Gus (Augusta) als Malerin und Owen als Schriftsteller haben sich in die Einsamkeit einer ländlichen Idylle zurückgezogen. Owen steckt in einer kreativen Krise und es gibt, nicht nur deshalb, Spannungen in ihrer Ehe. Dann mietet die schöne und charmante Alison Hemmings das benachbarte Bauernhaus. Sie ist eine geschieden und Mutter einer Tochter, Nora. Jetzt mögen Sie denken „Alles klar, ich weiß wie es weitergeht.“ Es wird anders weitergehen, als Sie denken. Ich muss ehrlich sagen, dass in den meisten Fällen – bis auf den explosiven Schluss, nicht viel passiert. Die Handlung des Romans ist die altehrwürdige Ehe selbst. Aber wie jämmerlich ungenau eine solche Beschreibung wäre, sehen Sie, wenn Sie das Buch lesen. Es geht um mehr.

Es entsteht vom ersten Satz an ein Gefühl der Bedrohung: „In den letzten Tagen vor seinem Tod besuchte mein Mann Alison jeden Tag.“ (Seite 9) Was passiert mit Owen? Diese Spannung hält bis zum furiosen Ende.

Gus als durchgehende Icherzählerin schildert die Ereignisse, die sich im Laufe von mehreren Monaten abspielen. Sie schaut zurück auf ihre Ehe mit Owen und ihren jüngsten Umzug in das ländlichen Pennsylvania.

Robin Black hat eine unheimliche Fähigkeit, ihre Figuren in einer solch fein abgegrenzten Art und Weise zu beschreiben, dass die Leser sicher sind, diese Personen auf der Straße erkennen zu können. Zu den drei Hauptfiguren kommen Nora, die Tochter von Alison ins Spiel und auch der demenzkranke Vater von Gus spielt eine Rolle.

Robin Black wirft in diesem angespannten, eng gestrickten Roman viele Fragen auf: Wert der Isolation gegenüber Interaktion; Strafe und Buße für eheliche Untreue; Entstehen und Abläufe kreativer Prozesse; Blockaden des künstlerischen Arbeitens; Verlust von geliebten Menschen; Unfähigkeit ein Kind zu zeugen; Einfluss des Gemütszustandes auf die Kreativität des Künstlers

Es ist ein fast lyrisches, unbeschreiblich schön geschriebenes Buch, das bedrückend ehrlich ist, klar und direkt, detailreich und beobachtungsstark. Es ist nicht immer leicht, Gus zu mögen, noch ist es Owen. Mich beeindruckt die authentische und trotzdem elegante Prosa. Robin Black hat die seltene Gabe Atmosphäre zu vermitteln: diese unsichtbare, aber fühlbare Qualität der Luft, die Stimmungen und die Gefühle, die zwischen Menschen entstehen, fließen und vergehen. Sie ist eine Schriftstellerin von großer Weisheit und beleuchtet, ohne übermäßige Betonung, die schillernde Komplexität der einzelnen Geschichten.

Robin Black nimmt uns mit unter die Oberfläche der schon viel erzählten Midlife-Geschichten, der oft analysierten Ehekrisen und macht so aus all dem ein Leseerlebnis, das atemberaubend, glänzend und neu ist. Ein brillanter Roman, den Sie nicht versäumen sollten.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Luchterhand Verlages

http://www.randomhouse.de/Buch/Portraet-einer-Ehe/Robin-Black/Luchterhand-Literaturverlag/e308502.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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2 Gedanken zu „Rezension: Porträt einer Ehe – Robin Black – Luchterhand Verlag

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