Rezension: Tram 83 – Fiston Mwanza Mujila – Paul Zsolnay Verlag

Genial, brillant, ohne Tabus

Tram 83 – Fiston Mwanza Mujila (Autor), Katharina Meyer (Übersetzerin), Lena Müller (Übersetzerin), 208 Seiten, Paul Zsolnay Verlag (25. Juli 2016), 20 €, ISBN-13: 978-3552057975

Requiem und Lucien, zwei Freunde oder zwei Feinde. Lucien, ein edler Dramatiker, keusch wie ein Mönch. Requiem, nicht sehr edel, Verbrecherchef, Soldat, Unternehmer, endlos hungrig. Diese beiden treffen sich in einer unbenannten kongolesischen Bergbaustadt. Ein Ort, an dem Lucien viele Jahre verbracht hat, um zu kämpfen. Kämpfen für sein Schreiben. Bestraft für sein Schreiben. Bestraft zu schreiben?

Zentrum ist Tram 83, das schlagende Herz dieser Bergbaustadt, Auge des Sturms, wo Künstler, Arbeiter, Intellektuelle, Prostituierte, Arbeiter verschmelzen. Eine Bar, ein Bordell, ein Tanzschuppen, eine Jazzkneipe, ein Treffpunkt für Gescheiterte und Hoffnungsvolle, Resignierte und Verzweifelte, gebrochene Existenzen, Elemente des Elends, Korruption und Gelegenheit sammeln sich in einem Dunst von Drogen in betrunkenen Tänzen, durch die Sexualität, Philosophie und Politik wabert. Alle gefangen in einer gesellschaftspolitischen Kultur, in der Bewohner und Besucher gleichermaßen konkurrieren.

Und dann beginnt ein polyphoner Wirbelsturm, der mehr ist als ein Roman. Das ist Rumba, Salsa, Jazz, Klassik, Rock und alle möglichen Fusionen. Das ist ein Theaterstück aus Gesprächen und Gesprächsfragmenten, eines auf das andere geschichtet. Eine schwarze Komödie, obwohl schreckliche Dinge passieren, kommt das Lachen bemerkenswert leicht. Das ist ein Text, gleichzeitig für Augen und Ohren.

Tram 83 ist brillante afrikanische Literatur, ehrlich und erfrischend. Zum großen Teil besteht er aus faszinierenden Dialogen. Diese Sprache entwickelt eine eigentümliche Magie und einen betörenden Rhythmus. Ein frenetischer und bunter Stil. Ehrlich, unerbittlich und intellektuell herausfordernd. Fiston Mwanza Mujila schreibt mit einem siebten Sinn für Tempo und Timing. Ein Epos von Gewalt, Verzweiflung und Ablenkung

Ich habe den Eindruck, dass er versucht, die Wahrheit wieder herzustellen oder besser, zusammenzusetzen. Dabei steigt er tief in ein kollektives Gedächtnis.

Genießen Sie einfach diesen Roman, der daherkommt wie eine literarische Lokomotive, wie ein Vulkan. Genießen Sie diese magnetische Atmosphäre, diese Lava von Wörtern, dieses Stück Freiheit und Unabhängigkeit der Sprache und der Weltanschauung. Machen Sie sich selber ein Bild von diesem afrikanischen Realismus der Hinfälligkeit.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Zsolnay Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/tram-83/978-3-552-05797-5/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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