Rezension: Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen – Tim Parks – Antje Kunstmann Verlag

So viele Bücher, so wenig Zeit

Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen – Tim Parks (Autor), 240 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH (24. August 2016), 20,00 €, ISBN-13: 978-3956141300

Wer wäre berufener als Tim Parks über das Reden über Bücher zu sprechen?

Er, ein Engländer, der seit über dreißig Jahren in Italien lebt, hat einen ziemlich beeindruckenden und vielfältigen Lebenslauf: mehrfach preisgekrönter Romancier, Autor von Romanen und erzählenden Sachbüchern, Essayist, Rezensent bei der New York Review of Books und anderswo, und ein Übersetzer, der Bücher aus dem Italienischen ins Englische wie z.B. Calvino, Moravia und Machiavelli und er lebt als Professor für Literarisches Übersetzen in Mailand.

Wie man aus diesem breit angelegten Hintergrund erwarten könnte, hat er viele interessante Dinge über die Welt der Bücher zu sagen. Obwohl es schon viele Bücher zu diesen Themen gibt, Bücher über Bücher, Bücher über Autoren, Bücher über das Schreiben, Bücher über das Lesen: die Buchlisten sind voll davon. Diese Sammlung von Aufsätzen verbindet alle vier Bereiche.

In 33 Essays und Aufsätzen berührt er so gut wie alle Themen aus dem Bereich Literatur: Über die Bücher selber. Über die Bedeutung des Buches in der Welt. Über die Arbeit und Denkwelt von Schriftstellern. Über das Schreiben rund um die Welt.

Warum brauchen wir Fiktion? Warum müssen Bücher auf Papier gedruckt sein? Warum sollten sie urheberrechtlich geschützt sein? Sollen wir Bücher bis zum Ende lesen? Lesen wir um unsere Vision von der Welt herausfordern oder sie zu bestätigen? Ist das Schreiben von Romanen zu einem Job wie jeder andere geworden? Verändern die Bücher, die sie schreiben auch die Autoren? Warum wollen Menschen Schriftsteller werden? Gibt es Bücher, die gut sind, aber nicht gut für alle in jedem Augenblick? Gibt es den globalen Roman? Verschwinden literarische Stile?

Sein lebenslanges, kritisches Lesen von Leopardi, Dickens, und Tschechow, Woolf, Lawrence, und Bernhard, Gide, Beckett, oder Nietzsche und auf die zeitgenössische Arbeit von James Joyce, Jonathan Franzen, Peter Stamm, Stieg Larsson und viele andere sind die Basis seiner Erläuterungen.

Seine Antworten sind faszinierend, obwohl sie nicht unbedingt für alles und jeden gelten, was das Wort „Wir“ im Titel impliziert. Mir scheint der Leser im Vordergrund zu stehen: wer liest was und warum? Wie verstehen die unterschiedlichen Leser einander? Wie sehen wir die Dinge und können darüber reden, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind, wenn wir das Gleiche lesen?

Diese feine Sammlung von Essay sind seine persönlichen Erfahrungsberichte, die zeigen, wie wir mit Büchern umgehen und welche Bedeutung unsere Erziehung hat. So gelingt ihm, vielleicht etwas Licht auf die unterschiedlichen Meinungen zu werfen.

Tim Parks schreibt in einer fröhlichen Respektlosigkeit, trocken, mit messerscharfer Beweisführung, oft selbstironisch, in einem skeptischen Ton, in dem manch einer auch einen gewissen Zynismus entdecken kann. Er hat einen ganz erstaunlichen Geist, der Fragen aufwirft, die viele von uns wahrscheinlich nie denken würden.

Auf jeden Fall lesenswert, in einer sich ständig verändernden Welt der Bücher. Vielleicht werden Sie ihre lang gehegten Annahmen über Literatur und ihre Zwecke umkippen. All jene werden dies Buch genießen, die lesen und sich vor allem darum Gedanken machen, was sie lesen. Es ist eine Herausforderung. Nicht umsonst heißt sein erster Satz. „Es wird Zeit, alles zu überdenken.“ (Seite 7) Gönnen Sie sich das Vergnügen, sie anzunehmen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/worueber_wir_sprechen_wenn_wir_ueber_buecher_sprechen-1174/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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2 Gedanken zu „Rezension: Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen – Tim Parks – Antje Kunstmann Verlag

  1. Pingback: Wozu brauchen wir Romane? | brasch & buch

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