Rezension: Das Kind der Anderen – Bethan Roberts – Antje Kunstmann Verlag

Fesselnder, erstklassiger Psycho-Thriller

Das Kind der Anderen – Bethan Roberts (Autor), Astrid Gravert (Übersetzerin) 320 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH (14. September 2016), 22 €, ISBN-13: 978-3956141218

Der Roman beginnt in der Gegenwart. Maggie, Kindermädchen und Einzelgängerin, plant in Ruhe, wie sie das Baby Samuel stehlen und wie sie sich um es kümmern wird. Samuel ist der Sohn von Maggies Cousine Nula und deren großspurigem Ehemann Greg. Es gibt erschreckende Einblicke, in den tiefen Groll, der seit langer Zeit, seit 16 Jahren in Maggie eiterte.

Nula ist die eher hoch professionelle Mutter, die mit einer kränkelnden Ehe und Depressionen zu kämpfen hat, während Maggie ein junges Kindermädchen ist, das mit allen möglichen Fragen ihrer eigenen Person und Geschichte zu tun hat. Und die beiden Frauen haben eine gemeinsame Vergangenheit, eine Hintergrundgeschichte von Trauma und Verlust.

Die Aktion verschiebt sich immer wieder in die Vergangenheit, und wir gewinnen einen Einblick in die postnatale Depression Nulas, in Maggies Leben, und in einen Sommer, den Nula mit Maggies Familie auf Anglesey verbracht, einem Sommer, in dem Beziehungen entstanden und auch wieder gebrochen wurden.

Bethan Roberts zeichnet ganz ausgezeichnet das Bild von Maggie und ihrer verblendeten Überzeugung, dass Samuel ihr gehört. Sie schreibt fantastisch gut über Mutterschaft und die magische Atmosphäre von Anglesey. Ebenso überzeugend ist sie beim Thema Eifersucht: die Eifersucht einer Mutter bei der Zuneigung ihres Babys für sein Kindermädchen; die Eifersucht  einer Schwester für das Verliebtsein ihres Bruders mit seiner Freundin; die Eifersucht eines Mädchens für die von ihrem Vater ihrer Tante oder Cousine geschenkten Aufmerksamkeit.

Bethan Roberts „Das Kind der Anderen“ ist eine brillante Mischung aus Psychothriller und Familiendrama. Sie kombiniert die Entführung eines Babys, familiäre Eifersüchteleien und Geheimnisse der Kindheit zu einem Paradebeispiel eins noir-Thrillers. Doch die unmittelbare Spannung ist nur die oberste Schicht einer komplizierten Familiengeschichte. Denn die Spannung dieses raffiniert konstruierten Romans kommt nicht in erster Linie aus der geschickten Entwirrung der Ereignisse, sondern vielmehr aus dem feinen Sezieren der inneren Welten und Beziehungen seiner Charaktere.

Der Schreibstil ist einfach und zugänglich, aber kompetent, engagiert und versteht es ganz leise zu überzeugen. Sie schreibt eine vorsichtige, kluge, dezente und bewundernswerte Prosa und gleichzeitig unangenehm, fast schmerzhaft und doch packend.

Ein nachdenklicher Thriller, den Sie nicht mehr aus der Hand legen werden, wenn Sie ihn einmal zu lesen begonnen haben.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/das_kind_der_anderen-1132/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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