Rezension: Der Ritter und der Tod. Ein einfacher Fall – Leonardo Sciascia – Klaus Wagenbach Verlag

Eine symbolisch-satirische Erzählung

Der Ritter und der Tod. Ein einfacher Fall – Leonardo Sciascia (Autor), Peter O. Chotjewitz (Übersetzer), 128 Seiten, 9,90 €, ISBN 978-3-8031-2763-1

Eine italienische Geschichte: die Geschichte einer stillen Macht, drückend, bedrohlich, tödlich. Dieses Monster ist schwierig zu bekämpfen. Man braucht eine große Frustrationstoleranz und breite Schultern. Und die hat unsere Hauptfigur, ein Polizeikommissar, der uns nur vorgestellt wird mit dem Namen Vize, das sowohl Stellverstreter bedeutet, als die Andeutung von Sucht, Laster (vizio) enthält.

Der Vize untersucht den Mord an dem prominenten Anwalt Sandoz, einem Freund des einflussreichen Cesare Aurispa, Präsident der Industrievereinigung. Je länger die Untersuchung dauert umso überzeugter ist der Vize von der Schuld des Aurispa. Aber die Mauer der Selbstzufriedenheit ist undurchdringlich, und es scheint unmöglich, ihn zu überführen. Bis ein tragisches Ende den Fall abschließt.

Unser Protagonist wird von einer unheilbaren Krankheit verzehrt, er arbeitet aber trotz der körperlichen Schmerzen und verliert weder seinen Humor, noch seine Sensibilität und seine Intelligenz.

Der Vize hat die Reproduktion eines berühmten Stiches von Albrecht Dürer in seinem Büro hängen, Ritter, Tod und Teufel. Und das scheint mir eine Synthese des verborgenen Sinns dieser Geschichte zu sein. Vize ist wie der von Dürer porträtiert Ritter: zäh und mutig, ohne zu zögern geht er weiter seinen Weg, obwohl er das Böse (den Teufel) und auch das Ende (den Tod) kennt. die Größe des End-Adressierung (Tod) und Böse (der Teufel).

Auch in der kurzen Geschichte „Ein einfacher Fall“ stellt sich heraus, dass er eher kompliziert ist. Mord oder Selbstmord? Daraus entwickelt Sciascia eine breit gefächerte Handlung, in der sowohl die sizilianischen Behörden als auch der Mythos der sizilianischen Familie entzaubert werden.

Sciascia spielt mit den klassischen Zutaten eines Krimis: Mord, Opfer, Untersuchung, Hinweise, Zeugen, Verdächtige, Mörder und schließlich die Wendung. Mir scheint es aber besonders wichtig hier auf den psychologischen Unterton zu achten, den der Autor mit ungeheuren erzählerischen Fähigkeiten, in einer Sprache mit feiner Ironie und doppelter Bedeutung, von interpretierbaren Dialogen filigran durchbrochen, in Vollendung präsentiert, unterbrochen durch unterschiedliche Betrachtungen über die Menschen in einer modernen Gesellschaft

Sciascia Themen, wie in vielen seiner Veröffentlichungen, ist die Macht und ihre kriminellen Seiten, die Ungeschicklichkeit oder Korruption der Strafverfolgung, politische und geheime Finanzverflechtungen, die zivile und moralische Krise Italiens.

Lesen Sie dieses Buch, nicht nur wegen seiner klaren und brillanten Formulierungen, wegen seiner literarischen Qualitäten. Sondern auch und vor allem wegen seines prophetischen Charakters.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/demnaechst-erscheinen/titel/1055–der-ritter-und-der-tod-ein-einfacher-fall.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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