Rezension: Der Pygmäe von Obergiesing – Max Bronski – Antje Kunstmann Verlag

Arbeit, Askese oder Alkohol?

Der Pygmäe von Obergiesing – Max Bronski (Autor), 176 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH (28. September 2016), 15 €, ISBN-13: 978-3956141249

Ob das mal gut geht? Diese Frage ist bei Gossec immer angebracht. Er, der Mann ohne Vorname, Urmünchener und Antiquitätenhändler, wobei in seinem Geschäft wohl mehr Krempel als Kunst zu finden ist, lässt keine Gelegenheit aus, sich unbeliebt zu machen oder in Fettnäpfchen zu treten, die er sich selbst aufgestellt hat.

Diesmal lernt er Alois Womack kennen. Einen schwarzen Bayern, schwarz nicht politisch, das wäre nichts Außergewöhnliches, sondern schwarz von der Hautfarbe her. Natürlich ein Guter, denn „seit Eichmann wissen wir, dass die größten Schurken nicht schwarz, schlitzäugig, schlupflidrig oder großnasig sind, sondern wie gute deutsche Beamte aussehen.“ (Seite 15)

Durch Alois kommt er zu einem größeren Auftrag und schon bald ist ihre Kontaktperson Leila Backes tot. Wer war es und was steckt hinter dem Firmengeflecht ihres Auftraggebers, der MCB ImmoInvest?

Irgendwie erinnert mich das Buch an die Serie „Münchener Geschichten“ von Harald Dietl. Immobilienspekulanten versuchen den kleinen Leuten irgendein Viertel zu Entreißen. Merkwürdigerweise scheint kein Satz aus dieser Serie veraltet. Also schreibt Max Bronski ein bisschen vergangenheitsorientiert aber durchaus auf der Höhe der Zeit. Die Münchener Herrlichkeit scheint durch nichts zu ruinieren zu sein. „München zumindest, wo sich Freundeskreise aus Personen bilden, wo jeder die Hand in der Tasche des anderen hat.“ (Seite 95)

Neben Gossec dem Münchener Urtyp, seinem alten Freund Julius und seinem neuen Freund Alois spielt München die zweite Hauptrolle. Lokalkolorit vom Feinsten

Und jetzt entfaltet Max Bronski seine große Gabe des Erzählens und Fabulierens. Geschichten hinter der Geschichte, treffende Beobachtungen, kleine Nebenhandlungen, skurrile Typen reihen sich zu einem wunderbaren Kaleidoskop. Ebenso unübertroffen ist die Formulierungs- und Metapherfähigkeit des Autors, so, wenn er z.B. schreib „dazu mit korrekter Frisur, diesem Hitlerjugend-Undercut, oben wie gemeißelt und seitlich ausrasiert.“ (Seite 41). Sein lakonischer Wortwitz und seine schrägen Bilder bereiten ein ungeheures Vergnügen. Und der Autor nimmt sich und seine Geschichten nicht ganz so ernst.

Ein wahres Lesevergnügen erwartet Sie. Ein Krimi der anderen Art, wo der ästhetische Genuss an Formulierungen, Bildern und Lebensweisheiten mehr im Vordergrund steht als die Handlung. Eine wundervolle Lektüre zum Abschalten und Entspannen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages Verlags

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/der_pygmaee_von_obergiesing-1226/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s