Essay: Change it, love it or leave it

Change it, love it or leave it

… oder wie unser Leben lebenswerter wird

Jeder von uns lebt in vielen Spannungsfeldern. Hohe Arbeitsanforderungen, widersprüchliche gesellschaftliche Erwartungen, Freizeitaktivitäten und Familie. Und oft klaffen Wunsch und Wirklichkeit auseinander. Das führt zu Konflikten; besonders dann, wenn wir unsere Lösungswünsche nicht realisieren können, wollen oder dürfen.

In der heutigen Gesellschaft ist die Arbeitssituation vieler Menschen durch eine zunehmende Isolation gekennzeichnet. Nicht die Arbeit in der Gruppe herrscht vor, sondern das eigenständige, isolierte Abarbeiten von Aufgaben. Gefördert wird diese „Vereinsamung“ auch und vor allem durch die Arbeit am Bildschirm. Kommunikation und Kontakt mit anderen erfolgen meist nur in kritischen Situationen, bei Schwierigkeiten im Ablauf und bei mangelhaften Ergebnissen.

Zunehmend entstehen spannungsreiche Situationen durch den steigenden Leistungsdruck. Wer den Anforderungen nicht gewachsen ist, wird schnellst möglich ausgewechselt. Es sind allerdings nicht nur die Vorgesetzten, welche Spannungen verursachen, sondern auch die Kollegen. Das Konkurrenzdenken und Handeln belebt sicherlich so manches Geschäft steigert, allerdings auch das Konfliktpotenzial.

Diese Tendenz der Vereinsamung setzt sich in der Freizeit fort. Vielfach werden Einzelaktivitäten bevorzugt, da diese dem Wunsch nach Unabhängigkeit und Individualisierung entgegenkommen. Alle Ausdauersportarten sind hierfür ganz typische Beispiele.

Weiterhin leben viele Partner oft isoliert aneinander vorbei. Keiner nimmt an den Lebensbereichen des anderen teil. Wenn aber einer der Partner nicht berufstätig ist, dann kommt ein Kontrast zwischen der Müdigkeit des einen und dem daraus resultierenden Wunsch nach Ruhe und Abgeschiedenheit und dem Drang nach Aktivität des „ausgeruhten“ Partners hinzu.

Wer kennt sie nicht, diese Situationen, in denen ein jeder Partner eine absolut unterschiedliche Bedürfnislage hat. Diese unterschiedlichen Wünsche können banale Dinge wie eine Abendgestaltung betreffen. Verursachen dagegen bei unterschiedlicher Urlaubsplanung schon grundlegende Konflikte.

Zusätzlich macht sich in unserer Gesellschaft ein immer stärker werdender Wertewandel bemerkbar. Diskutiert wird über den Wertewandel schon seit 20 bis 25 Jahren. Nur in vielen Unternehmen ist kaum etwas geschehen, um diesen Wandel zu verarbeiten. Korrekt ausgedrückt ändern sich auch nicht die Werte, sondern deren relative Gewichtungen durch den Einzelnen. Traditionelle Werte, wie Gehorsam und Fleiß nehmen in ihrer Bedeutung ab, während bisher vernachlässigte, wie etwa Selbstverwirklichung stärker in den Vordergrund treten. Folgende Trends können wir feststellen: Betonung eigener Selbstentfaltung. Steigende Bedeutung des eigenen Lebensgenusses. Abnehmende Bereitschaft, sich unterzuordnen. Arbeit als Pflicht wird nicht mehr voraussetzungslos akzeptiert. Freizeit wird höher bewertet als Arbeit. Hohe Priorität für den Umweltschutz und unzerstörte Natur. Bewahrung der eigenen körperlichen und seelischen Gesundheit.

So gibt es für jeden von uns drei große Problemfelder:

Einmal ganz individuelle Probleme, wie konträre Rollenerwartung, subjektive Zeitnot und eine zunehmende Verarmungstendenz in Gesellschaft und Kultur.

Dazu kommen Arbeitsprobleme. Einmal gibt es einen zunehmenden Gleichlauf von Fach- und Führungsaufgaben und die heute vorherrschenden Organisationsformen fördern nicht die Persönlichkeit, sondern zwingen zu uniformierter Typenbildung.

Im Freizeitbereich wünschen sich viele eine stärkere Hinwendung zur Familie aber auch ein stärkeres Engagement im gesellschaftspolitischen Bereich.

Was sollen wir tun, damit wir diesen Fallen entgehen können?

Der erste Schritt heißt „Klarheit verschaffen“. Klarheit über die Motive unseres Handelns und das heißt: Was sind unsere für uns persönlich bedeutsamen Werte. Aber auch Klarheit über die individuellen Rollen, in die wir uns hineindrängen oder hineindrängen lassen und über die Verhaltensnormen, zu denen wir in diesen Rollen neigen. Und besonders wichtig scheint mir als Drittes die Akzeptanz unseres Selbst zu sein, das transparent werden unseres individuellen Handelns.

Erst wenn wir uns klar sind über uns, unser Umfeld und unsere Beteiligung an den Zuständen, können wir an den dreifachen Ansatz möglicher Lösungen herangehen: Change it – Love it – Leave it

Change it – Verändern: Das Ändern ist in erster Linie einen Appell an uns selbst. Können wir uns selbst, unsere Haltung und Einstellung, unsere Sicht auf die Dinge so bessern, dass wir z. B. eine konstruktivere Position einnehmen, von der alle, aber letztlich auch wir selbst nur profitieren? Oder können wir, indem wir die Verhältnisse anders gestalten, das Stör- und Konfliktpotenzial irgendwie entschärfen?

Mir scheint, dass die innere Bereitschaft, die eigene Haltung zu bedenken und zu ändern, sehr schnell auch für die Umgebung spürbar wird und zu einer positiven und wohlwollenden Beantwortung führt, zu einer anderen Art, einander zu begegnen. Auf teils unerklärliche Weise scheinen Umstände, die bisher als riesiges Problem aufgefasst wurden, dann eine andere Dimension zu gewinnen. So können wir die Harmonie zwischen uns und unserer Situation dadurch herstellen, dass wir uns und dadurch auch die Situation in unserem Sinne verändern. „Es lohnt sich Brücken zu sehen, wo mancher nur Fallgruben befürchtet“

Love it – Akzeptieren: Sie können sich selbst ändern und die Situation als gegeben hinnehmen. „Wir bringen es zwar nicht fertig, die Dinge unseren Wünschen entsprechend zu ändern, doch ändern sich mit der Zeit unsere Wünsche.“ sagte Marcel Proust.

Leave it – Verlassen: Wenn wir beides nicht ändern können oder nicht ändern wollen, dann und erst dann bleibt uns die letzte Alternative, die Situation zu verlassen und eine subjektiv harmonischere zu suchen. Denken Sie beim Verlassen einer Situation nicht gleich an ein Auswandern, sondern eher an die kleineren, schrittweiseren Lösungen.

Auf den ersten Blick klingt das vielleicht nach einem Simplify-your-life-Tipp aus dem Abreißkalender vom Freitag. Aber 1988. Doch es stimmt. Egal, was einem gegen den Strich geht – im Beruf, im Privatleben: Es bleiben nur diese drei Alternativen. Ändern Sie Ursachen oder Sie sich selbst, lernen Sie die Sache zu lieben – oder ziehen Sie weiter. Können wir alles ändern? Wir können es zumindest versuchen. “Leiden ist leichter als handeln”, aber nur handeln kann sie glücklich machen. Also, beginnen sie zu handeln. Nur meckern gilt nicht. So oder so: Treffen Sie eine Entscheidung! Denn das ist das eigentliche Geheimnis des Glücklichseins.

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