Rezension: Bologna und Emilia Romagna – Eine literarische Einladung – Carl-Wilhelm Macke

La mia gente che mi vuole bene

Bologna und Emilia Romagna – Eine literarische Einladung – Carl-Wilhelm Macke (Herausgeber), 144 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach; Auflage: 1. (18. August 2009), 17 €, ISBN-13: 978-3803112675

Ich liebe nicht nur die Landschaft, das Essen und die Weine, sondern auch die Romagnoli, die Menschen aus der Romagna. Und nichts kann es besser ausdrücken als das Lied von Casadei:

La mia gente che mi vuole bene, la gente mia che mi sa capir. La mia gente che m’aspetta ancora, la gente mia ce l’ho qui nel cuor.

Meine Leute, die mich mögen, meine Leute, die mich verstehen. Meine Leute, die mich immer erwarten, meine Leute, die ich im Herzen trage.

Die Romagna ist für mich immer ein bisschen, wie nach Hause kommen. Seit über 45 Jahren bereise ich diese Gegend und viele meiner Freunde sind Romagnoli.

So bin ich vorbelastet, wenn ich über dieses schmale Bändchen aus dem Klaus Wagenbach Verlag schreibe. Die Meinung eines Autors beeinflusst natürlich immer den Tenor seines Artikels. Also Vorsicht.

35 Autoren auf 130 Seiten? Manchem mag das zu viel erscheinen. Mir ist es fast zu wenig. Denn bei der Emilia Romagna gibt es so viel zu sehen, zu hören, zu genießen und zu erkunden, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen und wo man aufhören sollte. Insofern ist diese Auswahl eine gelungene Mischung aus:

Den Städten der Emilia-Romagna: Bologna, Parma, Modena, Piacenza, Reggio Emilia, Ferrara, Ravenna, Rimini mit ihren wunderbaren Plätzen und Renaissancepalästen kommen ebenso zu Wort wie kleine, verschlafene Nester mit Gastwirtschaften im Fünfziger-Jahre-Stil in den Hügeln und Bergen des Apennins oder in der Ebene. Wobei nicht nur das alte Italien in unseren Köpfen so heil und so idyllisch sind, sondern auch die Zerstörung und die Zersiedelung der Emilia-Romagna thematisiert werden und vor allem, die langweiligen, kommerzialisierten und hässlichen Vorstädte mit ihren Supermärkten, Outlet-Stores, Autowaschanlagen und Diskotheken nicht ausgespart werden.

Die Straßen der Emilia Romagna: Auch hier, beispielsweise im Beitrag von Banni Celati „Die Lichtverhältnisse auf der Via Emilia“ wird ein lebensnahes Bild gezeichnet. „… fährt man zwischen zwei Kulissen dahin, die aus großen Werbeplakaten, länglichen, flachen Fabriken, Tankstellen, Möbel- und Lampenlagern, Ausstellungsdepots voller neuer Autos, Bars, Restaurants, kleinen Villen in lebhaften Farben oder ganze Stadtvierteln von mitten auf dem Land hochragenden riesigen Wohnblöcken bestehen.“ (Seite 43/44)

Natürlich der Po, der Vater-Fluss Italiens. „Alles was unrein ist, wird von diesem Wasser angezogen werden, das bereit ist zu leiden wie ein Märtyrer aus Fleisch und Blut, und jedes Jahrhundert wird ihm sein Leid anvertrauen.“ (Seite 98)

Das Essen: „Wenn ihr von der Bologneser Küche sprechen hört, verneigt Euch, denn sie verdient es.“ (Seite 116). Bekanntlich ist ja die italienische Küche die Mutter der französischen Küche und unter den italienischen Regionalküchen ist die der Emilia-Romagna die Regina, die Königin. Besonders gelungen der Beitrag von Alberto Savinio „Der Parmesan ist ein Basiskäse“ „Er ist in der Käsefamilie, das was der Kontrabass in der Familie der Saiteninstrumente ist.“ (Seite 115)

Die Menschen der Emilia Romagna: Die ganz unterschiedlichen Typen kommen zu Wort. Die Schriftsteller der Romagna: „Die Wesensart von Schriftstellern der Romagna ist wie der Garbino, der Südwestwind aus den Bergen.“ (Seite 20). Die jungen Leute: und ihr Verhalten: „… es bedarf unermüdlicher Anwesenheit, um sich den Platz in der Bar zu verdienen.“ (Site 104) Oder ihre Gewohnheiten wie in der unvergleichlichen Geschichte Tonia Todisco (Seite 117) von Jessica Franco Carlevero. Trotz aller Unterschiede, die Menschen in der Emilia-Romagna sind offen, herzlich und gastfreundlich.

Lesen Sie dieses kleine Büchlein und verlieben Sie sich in die Emilia-Romagna, in die sanften Hügelketten, die wilden Schluchten, in diese atemberaubenden Landschaften zwischen Meer und Gebirge, in die feinsandigen Strände, in das unverfälschte, ruhige Hinterland, in die dahindämmernden Dörfern, bunt, verschlafen, gleichzeitig lebendig und unglaublich italienisch. in diese Region des Genusses, die so viel mehr zu bieten hat als Sonne, Meer und Strand. Lernen Sie diese Gegenden des Kontrastes einmal aus literarischer Sicht kennen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/401-bologna-und-emilia-romagna.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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