Essay: Produzenten, Profiteure, Parasiten

Produzenten, Profiteure, Parasiten

… oder wer schafft wahre Werte

„Ihr Geld ist nicht weg, mein Freund. Es hat nur ein anderer.“ Ja so was geht doch nicht. Einfach Diebstahl, Betrug oder was? Dieser zynische Satz vom Geld, das nun ein anderer hat, stammt nicht aus den letzten Jahren in der laufenden Bankenkrise, wie man meinen könnte. Nein, der Satz ist schon über 150 Jahre alt und stammt von dem französischen Bankier J. M. de Rothschild. Es scheint also immer schon die Regel gewesen zu sein, dass Banken und ähnliche Institute in erster Linie andere betrügen. Schaffen sie wirklich Werte, gehören sie also zu den Produzenten oder doch nur zu den Profiteuren oder gar Parasiten. Die Banker bringen keinen Gegenwert und Wertschöpfung im eigentlichen Sinne. Also sind Banker im eigentlichen Sinne eine nutzlose Spezies. Sie berauben im Grunde genommen die Volkswirtschaft! Wie sagte die Sekretärin zum Bankdirektor: „Wollen Sie wirklich „Hochachtungsvoll“ schreiben? An diesen Betrüger und Halsabschneider?“ „Sie haben recht, schreiben Sie „Mit kollegialem Gruß“.

Der alte Herr von Boch, genannt der General, mein erster Chef nach meinem Studium, pflegte zu sagen. „Die Arbeiter in der Produktion produzieren und die Mitarbeiter im Verkauf verkaufen unsere Produkte. Alle anderen in meinem Unternehmen sind unproduktiv.“ Recht hat er. Wenn wir heute unsere Wirtschaft, unser politisches System, unsere ganze Gesellschaft kritisch betrachten, dann können wir drei große Klassen von Handelnden unterscheiden: Produzenten, Profiteure, Parasiten

Produzenten sind die eigentlichen Schaffer einer Wertschöpfung. Ob das der Mittelständler ist, der sagen wir mal ein kleines Unternehmen der Metallverarbeitung führt. Ob das der Einzelhandelskaufmann, der Wein und Olivenöl aus Italien importiert und hier seinen Markt macht. Ob das die Mutter ist, die den Haushalt führt und ihre Kinder erzieht. Ob das der Künstler ist, der ein Bild malt, einen Roman schreibt, der Musik komponiert oder sie aufführt. Oder ob es der Kneipier an der Ecke, der seinen Kunden ein gemütliches Lokal bietet, oder der Bistrobetreiber, der immer wieder neue Geschmacksideen in seiner Küche kreiert: Sie alle schaffen etwas. Sie gehören zu den Produzenten.

Jetzt ist Deutschland leider nicht mehr das Land der Dichter und Denker, sondern das Land der Datensammler, Gremienbilder, Verwalter, Steuerberater, Rechtsanwälte, Verbänden, Finanzbeamten, Rundfunkräte, Konkursverwalter, Industrieversteigerer, Bürokraten, Gewerbeaufsichten usw. Sie alle produzieren vor allem eines: Gesetze und Verordnungen. Das deutsche Bundesrecht umfasst 1.924 Gesetze und 3.440 Verordnungen mit insgesamt 76.382 Artikeln und Paragrafen, natürlich ohne Länder- und Kommunalgesetze und Verordnungen.

Politik und Paragrafenreiter blockieren Innovationen und Investitionen, verhindern Arbeitsplätze. Wer eine Bäckerei oder Metzgerei eröffnet, dem schreibt die Berufsgenossenschaft geriffelte Fußbodenkacheln vor – aus Sicherheitsgründen. Die Gewerbeaufsicht verlangt dagegen glatte – für die Hygiene. Egal, welche Fliesen, immer verstößt er gegen Vorschriften.

Das sind die Profiteure unseres Systems. Eigentlich braucht man sie alle nicht, aber da sie nun mal da sind, fordern sie ihren Anteil von den Produzenten und bieten ihm angebliche Gegenleistungen, ohne die sie nicht leben können.

Jetzt gibt es aber auch noch die Parasiten. Diese fiesen, kleinen Sauger geben ihrem Wirt nicht nur nichts zurück, sondern fügen ihm am Ende sogar Schaden zu. Der Wirt ist unser Gesellschaftssystem, das Allgemeinwohl.

Was leisten Banken, multinationale Unternehmen und Spekulanten für ihre Länder? Nichts, aber auch rein gar nichts springt raus für das viel gepriesene „Allgemeinwohl“.

Oftmals zahlen die Unternehmen nicht mal Steuern, da ganze Heerscharen gewiefter Berater ihnen Schlupflöcher aus den Steuergeißeln aufzeigen. Die Finanzmafiosi Banken und Spekulanten sind auch nicht besser. Alles, was Banken und Banker leisten, hat mit Geld und deren Zinsen zu tun. Also kein Mehrwert in Arbeitsleistung und Erzeugnis. Die Spekulationen des wild umhervagabundierenden Finanzkapitals sind Ausdruck der allgemeinen Krise, in der sich dieses System befindet – sie sind für jeden erkennbar die Verkörperung des faulenden und parasitären Kapitalismus in seinem imperialistischen Stadium.

Und bei der Spekulation geht es nicht nur um das Geld. Die Auswirkungen der Spekulation auf die Realwirtschaft sind ganz enorm und das weist ihnen eindeutig den Status des Parasiten zu. Wir haben Spekulanten im Energiehandel, in Rohstoffen und Edelmetallen. Und vor allem im Nahrungsmittelsektor. Die Preise der Agrarrohstoffe werden unter anderem von spekulativen Anlegern hochgetrieben, die auf die extremen geldpolitischen Strategien der Zentralbanken, die sehr engen und intransparenten Märkte und alle nur denkbaren Knappheitsthesen wetten. Zu den Anlegern zählen nicht nur Hedgefonds, sondern auch Banken und Fondsgesellschaften drücken immer mehr Rohstoff-Anlageprodukte in den Markt, weil sie auf ihre Weise vom Boom profitieren möchten. Folge: die Nahrungsmittelpreise aus dem Ruder: Erhöhungen in 2010 lagen zwischen 30 % bei Fleisch und 88 % bei Kaffee.

Wenn Profite nicht mehr in die materielle Produktion reinvestiert werden, sondern lieber in die „einfachere“ Finanzanlage gesteckt werden, lassen sich damit schneller riesige Spekulationsgewinne erzielen. Aber eines ist auch klar: Die Summe der Gewinne und die Summe der Verluste werden und müssen immer gleich groß sein. So wie Geld nicht verschwindet, wie es nur den Besitzer wechselt, so wird es insgesamt auch nicht mehr. Wer heute billig kauft und morgen für höhere Preise verkauft, macht einen Spekulationsgewinn. Aber ein anderer muss ja in diesem Moment den gestiegenen Preis bezahlen. Und wenn man für den erhofften höheren Preis keinen Käufer findet, kann man seine Gewinne auch nicht realisieren. Erst der Verkauf bringt den Gewinn. Diesen Preis zahlt ein neuer Spekulant aber nur, wenn er höhere Erwartungen für die Zukunft hat. Aber selbst dann, wenn die Spekulanten sich gegenseitig massiv betrügen, bleibt die Summe allen Geldes in dieser Zirkulationssphäre immer gleich.

Wirklich neue Werte entstehen in diesem Kreislauf eben nicht. Neue Gebrauchswerte, Güter und Waren entstehen eben nur in der materiellen Produktion, durch die Eigenschaft der menschlichen Arbeitskraft, mehr Werte (Mehrwert) zu schaffen, als für ihre eigene Reproduktion notwendig ist.

Spekulanten sind Parasiten, die vom Fleiß anderer Leute leben. Diejenigen, die nichts herstellen, sollten auch kein Geld verdienen. Was wir brauchen, sind gesunde Lebensmittel, eine lebenswerte Umwelt, ein zukunftsreiches Bildungs- und Sozialsystem, demokratische Entscheidungen und fair verteilten Wohlstand in den Regionen. Denn das ist unser Land!

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