Essay: Leistung – Lust oder Frust?

Leistung: Lust oder Frust?

… oder warum Motivation ganz einfach sein kann

Die Begeisterung der Sechs- bis Siebenjährigen in der G-Jugend von Kleinbutzelbach kannte keine Grenzen. Jubelnd hüpften die Knirpse in der Umkleidekabine hin und her, überschlugen sich in ihren Erzählungen und Berichten, wie das Tor gefallen war. Dabei hatten sie 9:1 verloren. Trotzdem: Stolz, Freude, Spaß, Eifer bei allen, auch bei denen, die nur auf der Bank gesessen hatten. Bisher hatten sie nur zweistellige Niederlagen und immer zu Null eingefahren. Das Schlimmste war ein 17:0 gegen Obertetzlaffshofen.

Die meisten von ihnen hatten noch keine Spielerfahrung und es gab in den ersten Monaten immer wieder Neuzugänge. So musste sich die Mannschaft im Training und in den Spielen erst einmal finden und an die Spielform gewöhnen. Im Training waren alle immer mit großem Eifer und Spaß bei der Sache und so verbesserte man sich stetig. Leider blieb aber ein Erfolgserlebnis bei den Spielen aus. Bis heute: das allererste Tor. Das war eine Superleistung, einfach Spitze. Jetzt ging es aufwärts. Die nächsten Tore und sogar mögliche Siege rückten in greifbare Nähe.

Und da rede noch jemand von mangelnder Begeisterung oder mangelnder Motivation.

Jeder Mensch ist von Natur aus begeistert, neugierig, eifrig und voller Tatendrang. Sei es das kleine Kind, das die Welt zum ersten Mal entdeckt, sei es ein Schüler, wenn er in der Schule anfängt, oder sei es ein Mitarbeiter, der eine neue Arbeitsstelle antritt. Wie kommt es dann, dass schon nach wenigen Monaten die Begeisterung kippt und die Motivation eine Talfahrt beginnt, die sich noch Jahre fortsetzt, bis sie im Keller angelangt ist?

„Entweder können sie nicht oder sie wollen einfach nicht!“ Hinter diesem Satz verstecken viele Eltern, Lehrer, Trainer, Manager ihre eigene Unfähigkeit, die ihnen Anvertrauten zu motivieren, zu aktivieren und zu führen. Kaum ein Begriff ist in den vergangenen Jahren stärker strapaziert worden, als Motivation. Sei es im Sport, in der Politik oder im Geschäft: kein Erfolg ohne entsprechende Motivation. Also reden alle von der Notwendigkeit, Menschen stärker zu motivieren. Kaum jemand hat sich um den Gegenbegriff Gedanken gemacht: Wie entsteht eigentlich Demotivation, Lustlosigkeit, Bequemlichkeit?

Es gibt niemanden, der seine Arme abwehrend verschränkt, wenn er nicht schon mal schlechte Erfahrungen gemacht hat. Motivieren können sich Menschen nur selbst. Aber Trainer, Lehrer, Chefs, Eltern können demotivieren.

Wenn jemand überfordert ist, dann verliert er sehr schnell die Lust. Wenn Kinder, Schüler, Mitarbeiter dauerhaft mit bestimmten Aufgaben überfordert sind, weil sie entweder ihre Möglichkeiten übersteigen oder weil sie keine Chance haben, das nötige Wissen und Können zu erwerben.

Wenn ein Kind, ein Schüler, ein Mitarbeiter weit unterhalb seines Könnens eingesetzt wird und sein vorhandenes Potenzial nicht einsetzen kann, dann verliert er ebenfalls die Lust.

Wenn ein Kind, ein Schüler, ein Mitarbeiter in seiner Entfaltung eingeengt ist und er so keine Möglichkeit hat, die von ihm geforderten Ergebnisse mit den zu ihm passenden Wegen und Mitteln zu erreichen, vor allem weil Eltern, Lehrer, Trainer oder Vorgesetzte oft meinen alles besser zu wissen und zu können, dann braucht sich niemand zu wundern, wenn die Motivation auf der Strecke bleibt. Menschen an der kurzen Leine zu halten, erzeugt nur Frust.

Fühlen sich Menschen, egal in welchem Alter und egal bei welcher Gelegenheit anerkannt? Besitzen sie das Vertrauen von Eltern, Lehrer, Trainer oder Vorgesetzten? Fühlen sie sich geschätzt? Haben sie das Gefühl, dass ihre Meinung und ihre Mitarbeit gefragt sind? Ist das nicht gegeben, wird sich ein vorhandenes Wollen immer mehr in eine Ohne-Mich- oder Null-Bock-Mentalität wandelt.

Ist unklar, wer wofür zuständig ist und wer welche Kompetenzen hat, verschärft sich das Ganze noch zusätzlich.

Geringschätzende Aussagen, Kritik, abfällige Handbewegungen, zweideutige Bemerkungen verunsichern nicht nur, sie zerstören die Motivation und erschüttern die Beziehungsebene.

Lob gebührt den Menschen, Kritik bleibt beim Chef. Das gilt offenbar längst nicht mehr. Herausstellen der eigenen Fachkompetenz gegenüber den Mitarbeitern durch eine Führungskraft ist deren Motivation nicht unbedingt förderlich.

Wem Erfolgserlebnisse fehlen, der kündigt innerlich. Überall werden nicht nur Freude, sondern auch Sorgen erlebt. Um emotional ausgeglichen zu bleiben, sind vor allem genügend Gelegenheiten wichtig, in denen Freude oder Erfolgserlebnisse erfahren werden. Wer Freude empfindet, kann auch mit Niederlagen, Stress oder anderen Unannehmlichkeiten besser umgehen.

Motivation können wir in drei Begriffen umreißen: Wollen, Können, Dürfen Und eines steht fest: Mitarbeiter können viel mehr als wir glauben, wenn man sie nur lässt. Wie viel Freiheit haben Ihre Mitarbeiter?

Das Wollen ist die erste und wichtigste Voraussetzung für jede Art von Leistungen. „Der will nicht!“ Vielleicht kann er in Wirklichkeit nicht und traut sich nicht so richtig, dies zuzugeben. Das Wollen ist zwar letztlich vom Menschen selbst abhängig, doch lässt sich dieses günstig beeinflussen.

Das Wollen allein genügt jedoch nicht. Das Wollen kann noch so groß sein, wenn er etwas gar nicht kann. Vielleicht fehlt ihm einfach ein bestimmtes Wissen? Oder er hat ganz einfach keine Zeit. Bekommt er überhaupt die Möglichkeit seinen Fertigkeiten und Fähigkeiten weiter zu entwickeln?

Das dritte Element im Bunde ist das Dürfen. Menschen, die ein bestimmtes Leistungsvermögen haben, möchten es in der Regel auch gerne einsetzen. Dabei handelt es nicht nur um die Erlaubnis, etwas Bestimmtes tun zu dürfen, sondern es braucht ein Klima, das eigenständiges Handeln fördert und Fehler zulässt. Wer aufgrund seiner Fähigkeiten etwas tun kann, es jedoch nie tun darf, wird es irgendwann einmal auch nicht mehr tun wollen. Erst wenn er individuelle Handlungsspielräume bekommt, kann er sein Wollen und sein Können einsetzen.

Es wird so viel geredet über Taktik, Technik, Management und andere mehr oder weniger hohle Begriffe, die uns vorgaukeln, dass alles machbar sei. Aber: Ein Pferd können Sie auch nicht zur Tränke managen. Sie können es zur Tränke führen. Und im Bereich Führung gibt es keine immer und überall gültigen Führungstechniken. Es gibt Führungsverhalten, die mehr oder weniger nützlich sind.

Führungsverhalten muss glaubwürdig sein, da heißt, zu Ihrer Persönlichkeit passen. Führungsverhalten muss klar sein, das heißt, von Mitarbeitern und Partnern verstanden und angenommen werden. Und Führungsverhalten müssen angemessen sein, das heißt, sie müssen der jeweils unterschiedlichen Situation angepasst sein.

Aber vor allem muss Leistung Spaß machen. Und Spaß macht es, wenn jemand heute etwas erfolgreich tun kann, zu dem er gestern noch nicht in der Lage war und von dem er nie geglaubt hätte, es jemals fertigbringen zu können. Das ist Leistung, die Freude macht.

Irgendwo habe ich den schönen Satz eines unbekannten Autors gefunden:

Wenn einer nur darf, wenn er soll aber nie kann, wenn er will, dann mag er auch nicht, wenn er muss. Wenn er aber darf, wenn er will dann mag er auch, wenn er soll, und dann kann er auch, wenn er muss. Daraus folgt: Diejenigen, die können sollen, müssen wollen dürfen!

Und eines steht fest: Menschen, ob kleine Kinder oder alte Greise können viel mehr als wir glauben, wenn wir sie nur lassen.

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