Rezension: Moorbruch – Peter May – Paul Zsolnay Verlag

Komplexes Mordgeheimnis

Moorbruch – Peter May (Autor), Silvia Morawetz (Übersetzerin), 336 Seiten, Paul Zsolnay Verlag (30. Januar 2017), 20,00 €, ISBN-13: 978-3552058170

Der ehemalige Edinburgher Detektiv-Inspektor Finlay (Fin) Macleod ist wieder zurück in seiner Heimat auf der Insel Lewis, die zu der Gruppe der äußeren Hebriden gehört. An diesem Ort hatte Fin eine oft schwierige Vergangenheit und hier sucht er eine sinnvolle Zukunft.

Er ist Chef des Sicherheitsdienstes eines weitläufigen Anwesens der Jagd und der Lachsfischerei. Besitzer ist Jamie Wooldridge und sein direkter Vorgesetzter ist ein guter Bekannter aus Schülerzeiten, Kenny John, genannt Big Kenny.

Und da ist auch sein alter Weggefährte, John Agnus Macaskill, genannt Whistler. Beide entdecken im unwegsamen Bergland ein kleines einmotoriges Flugzeug, es scheint mehr oder weniger intakt zu sein, auf dem Grund eines Sees, der infolge eines Moorbruchs leergelaufen ist. Am Steuer, erschlagen Roddy Mackenzie, vor 17 Jahren der talentierteste und erfolgreichste keltische Rockstar seiner Generation und damals mit seinem Flugzeug als verschollen gemeldet. Mehr will ich über den Fortgang der Geschichte nicht verraten.

Auf jeden Fall bringt diese Entdeckung Fin dazu, über die Menschen und Erfahrungen nachzudenken, die die Männer zusammen als Teenager hatten, die Frau, die sie geliebt hatten, die Faustkämpfe, die engen Gespräche und – am allermeisten – die Insel selbst. Als Teenager war die Gruppe in ihrem Wunsch vereint, die Insel zu verlassen. Im mittleren waren alle zurückgekommen, einige waren noch nie weggegangen.

Um die genannten Personen, zu denen auch Donald Murray, Pfarrer und früher Manager der Band, Anna Macaskill, Tochter des Whistlers, Marsaili, die Jugendliebe von Fin und ihrem gemeinsamen Sohn Fionnlagh gehören, spinnt Peter May ein Netz von Geschichten und Geschichtchen, Erinnerungen, Geheimnissen aus der Vergangenheit. Ein Netz, das sich immer enger zuzieht und einen ungeheur spannenden Sog auf den Leser ausübt. Mit eingewebt ist die Geschichte der Iolaire-Schiffskatastrophe am Ende des Ersten Weltkrieges.

Darüber hinaus spielen die düstere und unwirtliche Landschaft der Hibriden-Inseln vor der nordwestlichen Küste von Schottland eine weitere Hauptrolle. Und der Leser bekommt einen wirklich tiefen Eindruck von der Landschaft, ihren Menschen und ihrer Denkweise. Diese schroffe Insel ist eine ideale Kulisse, mit seinen unfruchtbaren Landschaften, dem grausamen Wetter und dem tiefen Einfluss der Kirche für diese etwas melancholische Geschichte, in der es keine Sonne und keine Sieger zu geben scheint. Es ist faszinierend zu sehen, wie das Leben aller Figuren ineinandergreifen kann, und wie jedes Geheimnis eine dauerhafte Spur auf ihnen hinterlassen hat.

Mich beeindruckt am meisten natürlich Fin, ein unruhiger Charakter. Obwohl sein Leben sich grundlegend verändert hat, bekommen wir ein Gefühl für die ewige Unruhe diese Menschen und für ein Leben, das von der Tragödie berührt wird. Und dann liebe ich insbesondere die Überschneidungen der Ebenen und Untergeschichten, aus denen die Handlung besteht und wie sie sich zu unterschiedlichen Zeiträumen entfalten.

Aus meiner Sicht ist es ein sehr kluger Roman, ein hochliterarischer Krimi, voller Geheimnisse und Verbrechen, mit einem wirklich atemberaubenden Ende. Leider ist es laut Autor das letzte Buch seiner Trilogie, die auf der Insel Lewis spielt. Aber vielleicht überlegt er es sich noch einmal. Auf jeden Fall sollten Sie sich dieses wahre Lesevergnügen gönnen. Die Atmosphäre, die Charaktere und die Geschichte selber werden Sie nicht ruhen lassen, bis Sie das Buch zu Ende gelesen haben.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Paul Zsolnay Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/suche?q=moorbruch

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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