Rezension: Der Mann, der Luft zum Frühstück aß – Radek Knapp – Deuticke Verlag

Such dir eine eigene Heimat

Der Mann, der Luft zum Frühstück aß – Radek Knapp, 128 Seiten, Deuticke Verlag (20. Februar 2017), 16 €, ISBN-13: 978-3552063365

Der zwölfjährige Walerian emigriert unfreiwillig von Polen nach Wien. Schule und Mutter setzen ihn nach kurzer Zeit auf die Straße. Er gerät in eine völlig andere Welt mit anderer Sprache, anderen Typen, anderen Mentalitäten.

Auf seinem Weg zum Erwachsenwerden begegnet er vielen Menschen, vielen Berufen und manch heiklen Situationen, die ihn prägen, verändern. Walerian sucht seine Heimat, versucht in der fremden Welt seine eigene Identität zu finden und zu entwickeln. Das Thema ist also mehr als zeitgemäß

Radek Knapp schreibt unaufgeregt, fast lapidar mit distanzierter Ironie, kurzweilig. Gleichzeitig sind seine Texte subtil und feinsinnig. Vieles wird nur angedeutet. Typisch für Radeks Erzählstil, für eine Gabe Bilder mit Worten zu malen ist schon der erste Satz des Buches: „“Niemand wusste so richtig, was im Kopf meiner Mutter vorging. Leute, die sie kannten, behaupteten, dass dort eine entzückende Leere herrschte, andere wiederum konnten geradezu den Donner hören, den der eingeschlossene Geist beim Nachdenken erzeugte.“ (Seite 7)

Es ist eine Erzählung, nein, es sind vierzehn kleine Erzählungen, die sich zu einem veritablen Roman verdichten.

„Ab jetzt wirst du viele Grenzen überschreiten. Sie werden aus dir etwas machen, was ich nie geschafft hätte. Einen Mann.“ (Seite 9) Diese Aussage von Walerians Mutter zeigt die Richtung der Geschichte. Eine wunderschöne Erzählung voller Elan, die jungen Menschen zu eigen ist, die an der Grenze zum Erwachsensein stehen. Gleichzeitig macht Radek Knapp diese innere Zerrissenheit eines Kindes deutlich, dem die Verbindungen zu seinen Wurzeln durchtrennt wurden. Was will es wissen? Was soll es tun? Was darf es hoffen?

Das Buch hat für mich einen verhaltenen Charme, dem sich der Leser nur schwer entziehen kann. Und es ist ein engagiertes Buch mit einer klaren Haltung wider die Menschenverachtung. Eine sehr lebensbejahende intensive Geschichte über das Erwachsen werden und über die Suche nach Heimat.

Das kürze Büchlein lässt sich leicht in einem Rutsch lesen. Nehmen Sie es anschließend noch einmal zur Hand und genießen Sie es häppchenweise. So entdecken Sie immer mehr tiefsinniger, versteckter Botschaften. Sie entdecken die Ermutigung, sich der planvollen Entmündigung in unserer Zeit zu entziehen und die Ungewissheit anzuerkennen, die unser Leben durchzieht.

So gilt für uns alle das Motto: „Such dir deine eigene Heimat. Koste es was es wolle.“ (Seite 97) Und so können Sie sich in diesem Buch auf die eigene Suche begeben, mal lustig, mal nachdenklich und manchmal auch verwirrend.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Deuticke Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/der-mann-der-luft-zum-fruehstueck-ass/978-3-552-06336-5/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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