Rezension: Uhren gibt es nicht mehr – André Heller – Paul Zsolnay Verlag

Willst du sterben? – Falsch wäre es nicht.

Uhren gibt es nicht mehr: Gespräche mit meiner Mutter in ihrem 102. Lebensjahr – André Heller (Autor), 112 Seiten, Paul Zsolnay Verlag (13. März 2017), 18 €, ISBN-13: 978-3552058316

Mancher denkt über das Alter, sein Altwerden nach. Manch einer verdrängt das Thema, dass das Leben jeden Augenblick vorbei sein kann. Martin Heidegger zeigte in seinem Hauptwerk „Sein und Zeit“ die Bedeutung des Todes für die eigene Lebensgestaltung auf. Durch die gedankliche Vorwegnahme des Todes würde dem Einzelnen seine Endlichkeit bewusst und so würde er die verbliebene Zeit sinnvoll nutzen und sich auf das konzentrieren, was ihm wichtig erschiene. Hat er Recht?

André Heller legt in diesem Buch ein beeindruckendes Beispiel vor, das Beispiel seiner 102 Jahre alten Mutter Elisabeth Heller. Was denkt ein Mensch, eine Frau, die zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914 geboren wurde?

In 18 Gesprächen nähern wir uns dieser außergewöhnlichen Frau und dem Alter. In den Gesprächen streifen die Beiden Erinnerungen, reden über Musik, über Ehe, Freundschaften und über Alltägliches. Es sind originelle, innige Gespräche von beeindruckender Klarheit, mit entwaffnenden Aussagen und einem tiefen Humor:

Über Menschen: „sie sind vielleicht fähiger, als sie glauben, aber unwichtiger als sie denken.“ (Seite 90)

Über das Beten: …die Frauen beten um Vernunft und Frieden und die Männer um Erfolge und Siege.“ (Seite 95)

Über Altersheime: „Das ist eine Art von grauslichem Selbstmord.“ (Seite 42)

Über sich selber: „Ich bin konfliktscheu, aber sonst nicht feige. (Seite 30)

Über ihren Ehemann: „Er konnte nett sein.“ … „So nett war er auch wieder nicht, er konnte schrecklich sein.“ (Seite 18

Über Männer: „Es gibt ja noch was Anderes als Männer.“ (Seite 19)

Über die eigene Erinnerung: „Unglaublich, was es alles gibt, das es nicht mehr gibt in meinem Hirn.“ (Seite 22

In diesem kleinen Büchlein wird Alter nicht aus der Sicht der Gesellschaft und damit unter Kosten-Nutzen-Aspekten gesehen, sondern aus einer Innenperspektive heraus, die die Würde des Alters und des Alterns in den Vordergrund stellt.

Eine bereichernde Lektüre, vor allem für diejenigen, die die ewige Jugend für sich reklamieren.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Zsolnay Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/uhren-gibt-es-nicht-mehr/978-3-552-05831-6/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

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