Rezension: Ein Sommer – Vincent Almendros – Klaus Wagenbach Verlag

Subtil und delikat mit unerwartetem Ende

Ein Sommer – Vincent Almendros (Autor), 96 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach, (13. März 2017), 15 €, ISBN-13: 978-3803113245

Jean lädt seinen Bruder Pierre mit dessen neuer, skandinavischer Freundin Lone zu einer Mittelmeer-Kreuzfahrt auf seiner Segelyacht ein. Mit an Bord ist Jeanne, die Lebensgefährtin von Jean, die einmal mit Peter zusammen war.

Ist es wirklich eine gute Idee, diese wenigen Tage Urlaub in auf kleinen, intimem Raum? „Ich hatte für einen Moment den Eindruck, dass unsere Reise zu Ende ging. In Wahrheit begann sie gerade.“ (Seite 17) Noch kann sich Pierre nicht vorstellen, dass diese wenigen Tage mit dem Boot in der Nähe der italienischen Küste, sein Leben ändern würden.

Peter, Erzähler dieser Geschichte, versucht Gegenwart und Vergangenheit zu verstehen. Es entwickelt sich eine einfache Geschichte von komplizierten Beziehungen zwischen Geschwistern, von im Entstehen begriffener neuer Liebe, alter Liebe und Lust.

Eine kleine Bootsfahrt unter anstrengender italienischer Sonne, ein Mitternachtsbad. Ist die Liebesgeschichte zwischen Peter und Jeanne vollständig abgeschlossen? Alles sieht aus wie ein Spiel, aber welches? Wer manipuliert wen und warum? Lone scheint viel mehr Dinge, als ihr Begleiter zu erkennen. Aber für den Leser bleibt die Überraschung intakt bis zur letzten Seite.

Ein kleiner Roman voller Wärme und Sinnlichkeit in der engen, intimen Abgeschiedenheit an Bord einer kleinen Yacht. Weniger als 100 Seiten, aber ein Konzentrat von Wärme und duftenden Empfindungen, voller Begierde, Stille und Zweideutigkeiten, voller Fieber. Eine Geschichte von präziser Konstruktion.

Es passiert nicht viel in diesem Roman. Aber mich begeistern die ganz fein artikulierten Empfindungen: Unterdrückung, Langeweile, drückende Hitze, Ersticken, die banalen Gespräche, ein wenig Wehmut, viel Resignation.

Vincent Almendros beschreibt in einer schönen, sinnlichen und konzentrierten Sprache auf sehr subtile Weise die Gefühle und die Gerüche der Vergangenheit. Der Autor schreibt fast im Stil eines begnadeten Aquarellmalers, minimalistisch und flüssig.

Der Reiz dieses Textes liegt vor allem im Unausgesprochenen der Charakterzeichnungen, ihren Fantasien und Frustrationen. Vincent Almendros spielt mit Bildern, Objekten, Ahnungen und er beherrscht sowohl das Schreiben als auch den Aufbau dramatischer Spannung.

Nehmen Sie sich die Zeit, diesen hypnotischen Text zu genießen, so wie Sie den Wein eines großen Jahrganges genießen. Nachdem Sie in einem ersten Durchgang die Grundtöne ermittelt haben, gießen Sie sich ein zweites Glas ein, lesen Sie das Büchlein nochmal und konzentrieren Sie sich auf die bis dahin unentdeckten Feinheiten.

Ausgesprochen lesenswert dieser kurze, aber dichte poetische Roman.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1087-ein-sommer.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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