Rezension: Freedom Hospital – Hamid Sulaiman – Hanser Verlag

 

Schockierend, bewegend, düster und optimistisch

Freedom Hospital – Hamid Sulaiman (Autor), Kai Pfeiffer (Übersetzer), 288 Seiten, Verlag: Hanser Berlin (30. Januar 2017), 24 €, ISBN-13: 978-3446255081

Sulaiman, 1986 in Damaskus geboren, hat mit „Freedom Hospital“ ein beeindruckendes Panorama des Konfliktes vorgelegt, der sein Heimatland seit nunmehr fünf Jahren zerreißt. Als im Frühjahr 2011 die Proteste gegen das Assad-Regime ausbrachen, war er von Beginn an dabei. Der junge Künstler, der in Damaskus Architektur studierte und im Begriff war, sich als Maler, Illustrator und Performance-Artist einen Namen zu machen, stammt aus Zabadani, einem Stadtteil in Damaskus, der nicht als Assad-Fanhochburg gilt. Anfang 2011 hatte er einige Bilder gegen die Folter gemalt, die in Assads Gefängnissen an der Tagesordnung ist. Das Regime antwortet prompt – und ließ ihn verhaften. Eine Woche lang steckte man Sulaiman ins Gefängnis. Es war eine deutliche Warnung. Und so entschloss sich Sulaiman nach der Entlassung aus der Haft, sein Land zu verlassen.

Sulaimans Geschichte konzentriert sich auf eine kleine, illegale Klinik im ländlichen Syrien „Freedom Hospital“, das von einem Friedensaktivisten namens Yasmine in einer unbenannten syrischen Stadt gegründet wurde. Zusätzlich zu Yasmine gibt es zehn weitere Charaktere, die im Krankenhaus leben, sowohl die Kranken als auch ihre Betreuer, die verschiedene Segmente der syrischen Gesellschaft widerspiegeln: ein Kurde, ein Alawit, ein französisch-syrischer Journalist, Mitglieder der Freien syrischen Arme, Salafisten und muslimische Brüder, junge Revolutionäre, westliche Aktivisten und sowohl Gegner wie Unterstützer von Assad treffen sich alle im Krankenhaus und eröffnen Raum für den Spiegel des syrischen Konflikts.

Die Zeichnungen scheinen auf den ersten Blick etwas grob und schlicht zu wirken. Doch man sollte sich einfach auf dieses Buch einlassen und die Zeichnungen auf sich wirken lassen. Die Kontraste sind stark, Grautöne existieren nicht. Wir werden konfrontiert mit scharf-konturierten, dynamischen Schwarz-Weiß-Tusche-Zeichnungen von abgetrennten Gliedmaßen, furchterfüllten Gesichtern, Artilleriegeschützen auf Toyota-Pick-up-Trucks, Luftbildern zerstörter Häuserblocks von Menschenmengen, die die Freiheit fordern und dafür niederkartätscht oder mit Fassbomben beworfen werden. Dazwischen immer wieder Menschen, die anderen helfen, sie pflegen und verarzten. Und von Menschen, die versuchen, ihren Alltag auch im Schatten des Krieges zu leben. Die sich im Dunkeln einfach weiter lieben. So entsteht eine eigenwillige, düstere Bildsprache und die Comic-Radikalität untermauert den grausam-realen Inhalt

„Ich habe dieses Buch geschrieben, um die Situation aus meiner Sicht darzustellen, nicht um sie zu erklären.“ So sagt Hamid Sulaiman. Er zeigt einfach das Leben in seinen Gegensätzen und den Krieg in seinem Wahnsinn.

Sulaimans Zeichnungen sind ein Gleichnis über die Normalität des Abnormalen. Unbedingt lesen und sich damit auseinandersetzen: Fünf Jahre Bürgerkrieg in Comics komprimiert, die Gewalt, die Unruhen, die Katastrophen und das ewige Prinzip der Hoffnung.

 Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/freedom-hospital/978-3-446-25508-1/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

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