Rezension: So war Auschwitz – Primo Levi – Hanser Verlag

Ein Ort, wohin man nur ging, um zu verschwinden.

So war Auschwitz: Zeugnisse 1945-1986. – Fabio Levi (Herausgeber), Domenico Scarpa (Herausgeber), Primo Levi (Autor), & 1 mehr, 304 Seiten, Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (13. März 2017), 24 €, ISBN-13: 978-3446254497

Die letzten Zeitzeugen des Holocausts sterben so langsam weg. Umso wichtiger scheint es mir die Originalberichte zu lesen, die kurz nach dem Grauen verfasst wurden.

Zu dieser Gruppe gehört Primo Levi, geboren 1919 und gestorben 1987 in Turin durch einen Sturz in den Treppenschacht seines Wohnhauses.  Obwohl ein definitiver Beweis fehlt, wird heute allgemein angenommen, dass es ein Freitod war. Vielleicht hat ihn die eigene Scham, überlebt zu haben, doch noch eingeholt.

Er wuchs in einer liberalen jüdischen Familie auf. Er war Chemiker und Schriftsteller. Levi verbrachte als Zwangsarbeiter elf Monate in Auschwitz-Monowitz bis zur Befreiung durch die Rote Armee. Da er als Chemiker in den Buna-Werken eingesetzt war, konnte er den schlimmsten Arbeitsbedingungen im Winter 1944/45 entgehen.

Jetzt haben Fabio Levi und Domenico Scarpa zum Teil unveröffentlichte, erst jetzt entdeckte oder wiedergefundene Zeugnisse von Primo Levi und Leonardo De Benedetti von 1945 bis 1986 herausgegeben: Berichte über die hygienisch-medizinische Organisation in Monowitz, Erklärungen und Aussagen für den Prozess Höß, Aussagen für die Anklage gegen Dr. Josef Mengele, Aussagen für den Prozess Eichmann, Erklärungen und Aussagen für den Prozess Boßhammer, direkter Mitarbeiter von Eichmann: insgesamt Aussagen, Erklärungen, Fragebögen, Briefe, Zeitungsartikel, in chronologischer Reihenfolge zwischen 1945 und 1986.

„So war Auschwitz“ ist eine Sammlung von Schriften, meist nicht veröffentlicht: Es ist nicht als einfacher Hintergrund eines endgültigen Buchs zu sehen, sondern als ein neues Werk in der Tat innovativ und unabhängig. Levi ist als einer der Wenigen in der Lage, die Fakten zu Auschwitz über vierzig Jahre lang zu untersuchen.

Levi neigt dazu, das Phänomen des Vernichtungslagers im Wesentlichen als einzigartig zu betrachten, zumindest so weit wie es sich durch die Art der Organisation der Fabriken des Todes, von anderen Lagern und anderen allgemeinen Monstern des Totalitarismus unterscheidet.

Levi ist nicht nur ein Analyst von Auschwitz, war nicht nur ein Zeuge, sondern übernahm auch die Rolle des Forschers. Das zeigt sich für mich vor allem auch in seiner neutralen, leidenschaftslosen Sprache, die das Grauen noch deutlicher macht.

Es ist nicht nur ein Buch von Historikern für Historiker, sondern darüber hinaus ein Wegweiser für ein vertiefendes Nachdenken über diese Zeit.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/so-war-auschwitz/978-3-446-25449-7/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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