Rezension: Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam – Yavuz Ekinci – Antje Kunstmann Verlag

Wann? Wann? Eines Tages!

Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam – Yavuz Ekinci (Autor), 192 Seiten, Verlag: Kunstmann, A (8. März 2017), 18 €, ISBN-13: 978-3956141669

 

Was bietet uns Yavuz Ekinci? Ein Märchen, eine Dystopie, ein Drama, eine Erzählung, eine Schöpfungsgeschichte, einen Roman? Es ist etwas von allem und noch viel mehr. Auf jeden Fall betreten wir eine magische Welt.

Der erste Abschnitt „Einer von jenen Tagen“ beginnt mit einer Idylle im Walnusstal am Berg Amar: Wunderbare Tier- und Landschaftsschilderungen. Aber hier gilt das Gesetz des Stärkeren, denn es geht um die archaische Natur, um den Adler, der über allen droht.

Im zweiten Abschnitt „Vor langer Zeit“ erleben wir all die Legenden und Mythen eines Volkes, die Sage von der schönen Sara, Amar und dem schwarzen Hengst Ba. Sie können als einzige und erste vom Walnusstal aufgenommen werden, während vorher Feldherren, Propheten, Herrscher und Könige bei ihrem Bemühen den Berg Amar zu bezwingen scheiterten.

Im Hauptabschnitt „Es war zu einer Zeit“ erleben wir im Walnusstal Menschen, die auf Katastrophe warten, die sich vor dem Augenblick fürchten, an dem es jemandem gelingt, dass Walnusstal einzunehmen und über dessen Bewohner Zerstörung zu bringen. Im Mittelpunkt stehen Opa Eyüp und seine drei Söhne, sowie seine Schiegertochter Peyruze. Im Schlusskapitel „Es war einmal, es war keinmal“ erleben wir die gleichen handelnden Personen. Und hier wird für den Leser auch die Verbindung zum ersten Teil ganz schlüssig. „Niemand hat einen anderen Freund als seinen eigenen Schatten.“ (Seite 142)

Natürlich steckt im Roman des kurdischen Autors Yavuz Ekinci ein Thema, mehr noch, eine Botschaft: Das ständige Warten auf die unausbleibliche Zerstörung der Heimat. „Sie kommen! Alle Dörfer weit und breit sind schon verbrannt. In manchen mussten die Männer splitterfasernackt durchs Dorf paradieren. In manchen haben sie alle Leute ohne Unterschied erschossen.“ (Seite 144)

Wie verhalten sich Menschen in dieser Ausnahmesituation? Stoisch? Schicksalsergeben? Hitzig erregt? Jammern? Klagen? Wildes Geplärre und Geplapper? Ziellos geschäftig? Gottesfürchtiges Beten? Das Dasein im Warten auf die Sichere Vernichtung beschreibt Yavuz Ekinci in kürzeren und längeren Szenen. Er spricht nicht explizit über den Krieg im Kurdengebiet, es ist aber klar, worum es geht. Das macht das Buch so stark. Der Autor erzählt nüchtern aber akkurat absteckt, was passiert, wenn der seinerzeit schon von Heraklit beschworene Vater aller Dinge von allen Seiten als der Weisheit letzter Schluss gesehen wird.

Es gelingt ihm eine ganz und gar zauberhafte, fesselnde und aufrüttelnde Erzählung.

 Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/der_tag_an_dem_ein_mann_vom_berg_amar_kam-1253/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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