Rezension: Die vielen Namen der Liebe – Kim Thúy – Antje Kunstmann Verlag

Eine ruhige und meisterliche Geschichte

Die vielen Namen der Liebe – Kim Thúy (Autor), 150 Seiten, Verlag: Kunstmann, A; Auflage: 1 (8. März 2017), 18 €, ISBN-13: 978-3956141683

 

Vi ist der Name eines kleinen Mädchens, das mit seiner Mutter und sein drei Brüdern während des Krieges aus Vietnam geflohen ist. in einem Flüchtlingslager in Malaysia, zog die Familie weiter, um in der Nähe von Quebec in Kanada zu leben, wo sie eine unauffällige Jugend verbrachte. Sie beginnt dann in Montreal ein Studium des Rechts und der Sprachen und wird als Mitarbeiterin eines Hilfsprojekts nach Vietnam zurückkehren, findet Freunde, verliebt sich in einen französischen Mitarbeiter, arbeitet, reist viel … und lernt, wer sie wirklich ist. Nicht einfach, vor allem, wenn unser Name bedeutet „Winzige Kostbarkeit.“

Erzählt wird aus der Perspektive von Vi, der Jüngsten; und ihre Erzählung umspannt die Familiengeschichte von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart. In ihre Gegenwart, Vi ist eine Einwanderin der zweiten Generation, eine moderne und zunehmend selbstbewusste Frau, die ihren Weg geht und doch permanent zerrissen wird zwischen den Traditionen, des Herkunftslandes und der Familie und den Freiheiten des „westlichen“ Lebens, die sie sich herauszunehmen wagt, um die sein zu können, die sie sein möchte.

Ein schönes und subtiles Buch über Heimat, Flucht und Ankommen, Liebe, Leid und natürlich das zentrale Thema der Arbeit von Kim Thúy: Exil

Die Themen sind sehr weitgespannt, aber Kim Thúy verliert sich nicht in einem großen Roman, sondern hält sich kurz. Der Romanist in kurze Kapitel unterteilt, und schön mit Sorgfalt entworfen bis auf die Detailebene. Sehr fein abgestimmt und ausgewogen poetisch. Ein unglaublich schönes Buch, mit diesem nostalgischen und melancholischen Anflug, den wir aus den anderen Büchern der Autorin kennen.

Mir scheint es ein autobiographischer Roman zu sein. Er zeigt in seinen kurzen Kapiteln alle geographischen und soziologischen Besonderheiten der Reisen, die den Leser auf die ganze Welt führen. Und es ist auch die Geschichte von Vietnam und seine Menschen, ihren Pflichten, und alle seine Traditionen und alle Überzeugungen. Es ist die Geschichte einer Entwurzelung und eine ständige Herausforderung, endlich Teil der neuen Gemeinschaft zu werden. Obwohl im Roman nichts besonders Dramatisches passiert, ist er zugleich doch sehr tragisch. Und einige Momente sind absolut erschütternd.

Kim Thúy schreibt sehr subtil, sensibel und auch sinnlich und empfindsam. Ja weich und geschmeidig, wie mit dem leichten und eleganten Pinsel eines Kalligraphen hingemalt. Ein schönes und zum Nachdenken anregendes Buch. Das vor allem durch Kim Thúys eigener Sprache überzeugt, die sehr schön und atmosphärisch ist und die die Konflikte beschreibt, ohne einen Stand für richtig oder falsch ein zu nehmen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/die_vielen_namen_der_liebe-1249/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Ein Gedanke zu „Rezension: Die vielen Namen der Liebe – Kim Thúy – Antje Kunstmann Verlag

  1. Brigitte Große

    Sehr geehrter Herr Barrois!
    Sie loben die subtile, sinnliche Sprache Kim Thúys, ohne zu erwähnen, dass sie auf Französisch schreibt, und ohne zu erwähnen, dass die deutsche Version, auf die Sie sich beziehen, auf der Arbeit zweiter Übersetzerinnen beruht, Andrea Alvermann und Brigitte Große. Das zu tun, ist eine Frage des Anstands und der intellektuellen Redlichkeit.
    Mit freundlichem Gruß
    Brigitte Große

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