Rezension: Der Optiker von Lampedusa – Emma Jane Kirby – Berlin Verlag

Eine Ode an die Menschlichkeit

Der Optiker von Lampedusa: Die Geschichte einer Rettung – Emma Jane Kirby (Autorin), Paulina Abzieher (Übersetzerin), Hans-Christian Oeser (Übersetzer), 160 Seiten, Berlin Verlag (3. April 2017), 16 €, ISBN-13: 978-3827013460

Oktober bei Lampedusa an einem sonnigen Morgen. Auf See wacht der Optiker in der Morgendämmerung auf. Das Meer ist schön, die Sonne scheint, er ist glücklich. Für einen Moment hat er all seine Sorgen vergessen. Er genießt die Ruhe, die nur von Möwenschreien unterbrochen wird. Ungewöhnlich schrill, fast übernatürlich. Nein, das sind keine Vögel. Das sind Schreie der Angst, der Verzweiflung, des Schmerzens.

Der Optiker von Lampedusa ist ein ganz normaler Mensch, fleißig, ruhig, gewissenhaft. Mit seiner Frau Teresa lebt er auf dieser einzigartige Insel. Sie mögen gegrillte Sardinen, Aperitifs auf der Terrasse und Bootsfahrten auf den ruhigen Gewässern um ihr kleines Inselparadies. Er sieht aus wie wir. Er ist gewissenhaft, sorgt sich um die Zukunft seiner beiden Söhne und kümmert sich um das Überleben seines kleinen Unternehmens.

Er ist kein Held. Und seine Geschichte ist kein Märchen, sondern eine Tragödie: die Entdeckung von Männern, Frauen und Kinder, die im Wasser um ihr Überleben kämpfen. Gesichter, die von den Wellen gefangen sind. „Noch nie hatte ich soviele Menschen im Wasser gesehen. Strampelnde Gliedmaßen, ausgestreckte Hände, schlagende Fäuste, schwarze Gesichter, die erst über, dann unter den Wellen aufblitzten. Schnaufen, Geschrei, Prusten, Gebrüll. Mein Gott, dieses Gebrüll.“ (Seite 7) und nur weil sie aus ihren Länder gefohen sind vor Verfolgung und Tyrannei.

Der Optiker von Lampedusa erzählt die Geschichte von einem, der nicht sehen will.  „Ich wollte Ihnen diese Geschichte nie erzählen. Ich hatte mir geschworen, diese Geschichte nie wieder zu erzählen, weil sie kein Märchen ist.“ (Seite 9) Und nun befindet sich dieser Anti-Held plötzlich in einer Situation, die alles andere als normal ist. Was als gemütliche, ruhige Bootsfahrt mit Freunden begonnen hat, endet damit, dass sie in ihrem kleinen Boot 47 Flüchtlinge gerettet haben.

Eine wahre Geschichte, die die Journalistin Emma-Jane Kirby meisterlich erzählt, ganz nahe an der Realität, hell und prägnant.

Der Optiker von Lampedusa? Das bin ich, das bist du. Ein kleines, ruhiges Leben, mit wenigen Sorgen. Die menschlichen Dramen der Flüchtlinge kennen wir nur aus Fernsehen, aus der Morgenzeitung. Bilder, die uns wenig beeindrucken. Dieses Buch hilft, unsere Augen und Herzen zu öffnen, weil hinter den Zahlen es Menschen aus Fleisch und Blut gibt, die vor der Armut, der Diktatur und dem Krieg geflohen sind.

Das kurze Buch werden Sie in einem Rutsch lesen. Danach werden Sie nicht mehr gleichgültig sein.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages

https://www.piper.de/buecher/der-optiker-von-lampedusa-isbn-978-3-8270-1346-0

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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