Rezension: Ein Mann – eine Frau – Véronique Olmi – Klaus Wagenbach Verlag

Sie erwartete keinen Trost

Ein Mann – eine Frau – Véronique Olmi (Autorin), Claudia Steinitz (Übersetzerin),128 Seiten, Klaus Wagenbach Verlag (28. April 2017), 10 €, ISBN-13: 978-3803127785

Ein 18. August in Paris, leer und verlassen. Ein Sturm in der Nähe. Wind, Regen. Ein Mann und eine Frau treffen sich, sie scheinen verabredet. Diese Frau ist sehr blass und zu dünn. Er hat blaue Augen, die Haarsträhne über die Stirn. Sie machen einen Spaziergang durch den jardin de luxembourg. Er lädt sie in ein Hotel ein. Sehr schnell öffnet sie sich durch die Sprache des Körpers, jenseits aller Worte, die das Schweigen und das Leid nicht zu erklären brauchen. So wird beiden gegeben, es ist ein Freihandel, sind sie nicht zwei, sind sie zusammen. Die Frau bietet und gibt frei, erhält aber ebenso viel Freude wie Schmerz. Sie lernen das Sanfte und das Schroffe. Diese Linie zwischen Lust und Schmerz ist sehr fein gezeichnet.

Doch diese Frau ist gebrochen, geschwächt und hat eine eindringliche geheime Vergangenheit, eine offene Wunde. Sie scheint ihm zu vertrauen, indem sie ihm ihren Körper anbietet.  Wer oder was hat sie betrogen? Wohin sind ihre weiblichen Formen verschwunden? Wird sie sich ihm anvertrauen können?

Ein starker Mann, eine fragile Frau. Wir erfahren nicht viel über diese beiden Charaktere, genau das, was sie zulassen, Genau das, was wir brauchen. Sie treffen sich, Lust und Liebe. Das ist, was zählt

Véronique Olmi legt einen sehr intimen, sinnlichen Roman vor, voller Emotionen, Liebe und Verletzungen. Und über den Regen, der in der ganzen Geschichte vorhanden ist.

Der Schreibstil ist, wie immer bei Véronique Olmi umwerfend schön, manchmal roh, manchmal sehr grob, aber ohne Vulgarität. Wenn sie sich über eineinhalb Seiten der Farbe Blau seiner Augen zu nähern versucht. (Seite 25/26) Oder, wenn Sie Sätze schreibt wie diesen: „… und sein Blick war neu. Im Blau seiner Augen, direkt über der schwarzen Iris war ein gelber Glanz, wie ein Goldkörnchen. […] Kam dieser Glanz vom Sonnenlicht oder aus seiner eigenen Wahrheit, das Stückchen Sonne im uralten Blau seiner Augen, dieses offenbarte Anderswo, dieser kleine gelbe Punkt, für alle Ewigkeit, eine Überraschung, eine Verrücktheit dieser beiden Lichtspäne, das Unerwartete in seinem Blick.“ (Seite 63/64) Sehr lange Sätze, oft ohne Interpunktion, haben einen tiefen Rhythmus, ändern das Tempo und lassen sich gut lesen und vor allem bringen sie einen näher an die Geschichte und sogar in die Gedanken der Charaktere hinein.

Dieses intime Buch erzählt die Begegnung von zwei verwundeten Wesen, die für einen Nachmittag den Geschmack der Unschuld, der Nachsicht und der Vergebung finden.

Es ist ein Text, der sich ganz vorzüglich zum Vorlesen eignet. Wäre doch mal eine Idee: Lesen Sie diese Geschichte einmal ihrem Partner, ihrer Partnerin vor. Es wird beide nicht unberührt lassen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1098-ein-mann-eine-frau.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

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