Rezension: Wie es ist und war – David Constantine – Antje Kunstmann Verlag

Das Leben ist chaotisch, mysteriös und durchlässig.

Wie es ist und war – David Constantine (Autor), 320 Seiten, Verlag: Kunstmann, A (20. September 2017), 24 €, ISBN-13: 978-3956141980

Eine beeindruckende Sammlung von 17 Kurzgeschichten, die mich fragen lässt. Warum habe ich von diesem Autor noch nie gehört?

Die Qualität dieses Autors möchte an der ersten Geschichte, die dem Buch auch den Titel gab, deutlich machen:

Eine ältere Frau kommt nach Hause, findet ihren Mann in einem seltsamen Zustand, und fragt ihn in verärgertem Ton: „Was ist jetzt los?“ Ihre Frage öffnet eine alte Wunde, deren Ursache nicht sofort klar wird, auch wenn wir erfahren, dass der Mann gerade herausgefunden hat, dass der Körper einer Frau, die er gekannt hatte, in einem Schweizer Gletscher gefunden wurde, der durch die globale Erwärmung abgeschmolzen die Leiche frei gegeben hat. Wer ist die gefrorene Frau, und warum bedroht ihre Entdeckung, die jahrzehntelange Ehe des Paares?

Die symbolische Verknüpfung des Gedächtnisses mit einem Körper, der in seiner ewigen Jugend durch einen Gletscher bewahrt wurde, der eindringliche Kontrast zwischen den verblassenden Lebensenergien des älteren Protagonisten und seiner romantischen Jugend, das darzustellen ist nicht einfach. Aber David Constantine hat ein bemerkenswertes Gespür für die poetische Prosa und er verbindet geschickt dieses Symbol in der Geschichte mit kaum wahrnehmbaren Klangverschiebungen, als sich die Geschichte entfaltet.

Durch alle Geschichten ziehen sich Felsen, Eis und Wind, wie ein Meilenstein, der hervorragend die Charaktere unterstützt. Constantines Protagonisten neigen dazu, Einzelgänger zu sein, mit insgesamt angespannten und anstrengenden Beziehungen. Seine künstlerische Vision, wie das Land, das er als Hintergrund nimmt, ist düster und schroff; eine harte Seele ist erforderlich, um sich darin zu bewegen.

Zu den verschiedenen Charakteren gehören Ex-Mönche, Prostituierte, Hausbesitzer, erfolgreiche Geschäftsleute und Universitätsprofessoren, die aber alle durch einen gemeinsamen Faden von stillen Leiden und Würde verbunden ist. Das Tragische und das Schöne in jeder ihrer Erfahrungen wird durch die makellose Beredsamkeit und die poetischen Bilder des Autors verstärkt.

Ein Buch, das hoch literarisch ist – in der Art und Weise, wie die Geschichten konventionelle Storytelling-Methoden aussuchen und den Leser herausfordern, auf Nuancen von Technik und Charakter zu achten. Gleichzeitig stürzt diese Mischung aus Phantasie und Allegorie den Leser tief in das grenzenlose Land der menschlichen Psyche.

Mir scheint eine Kernaussage aller Geschichten zu sein: Das Leben ist zu chaotisch, zu mysteriös und durchlässig, um in singuläre Kategorien zu passen. Ein ausgesprochenes Lesevergnügen mit Tiefgang.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/wie_es_ist_und_war-1208/

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