Archiv der Kategorie: Allgemein

Wann fängt Weihnachten an?

Wenn der Schwache dem Starken seine Schwäche vergibt.
Wenn der Starke die Kräfte des Schwachen liebt.
Wenn der Habewas mit dem Habenichts teilt.
Wenn der Laute bei dem Stummen verweilt und begreift,
was der Stumme sagen will.
Wenn das Leise laut wird, und das Laute still.
Wenn das Bedeutungsvoll bedeutungslos,
das scheinbar Unwichtige, wichtig und groß.
Wenn mitten im Dunkeln ein winziges Licht,
Geborgenheit und helles Licht verspricht,
und du zögerst nicht, sondern gehst,
so wie du bist, darauf zu:
DANN, JA DANN FÄNGT WEIHNACHTEN AN!

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Rezension: Mailand: Eine literarische Einladung – Henning Klüver – Klaus Wagenbach Verlag

Mailand, chaotisch, vielfältig, voller schöner Klischees

Mailand: Eine literarische Einladung – Henning Klüver (Herausgeber) 144 Seiten, Wagenbach, K (17. Juni 2016), 17 €, ISBN-13: 978-3803113184

Die (Vor)Urteile über Mailand reichen von dem überheblichen „Milano produce, Roma consuma“ (Mailand produziert, Rom konsumiert) bis hin zur süsslichen „O mia bela Madunina che te brillet de lontan“- Verklärung. „Moralische Hauptstadt“ wurde Mailand früher genannt, weil man – so der obige Ausspruch – hier das Geld verdiente, was in Rom ausgegeben wurde. Ja, Mailand erweckt Widersprüche, berechtigte und unberechtigte, vulgäre Verallgemeinerungen sind ebenso an der Tagesordnung wie Stolz und Vorurteile. Und dieses Büchlein wird allem gerecht.

In 39 kürzeren oder längeren Texten, in Gedichten, Meinungen, Beobachtungen und Geschichten von italienischen Schriftstellern, Journalisten, Schauspielern, die allesamt in Mailand geboren wurden oder lange dort gelebt haben, entwirft dieses Buch ein stimmiges Bild von Mailand der letzten 70 Jahre.

Von 1943 an „Die Stadt ist tot, sie ist tot.“ (Seite 25) bis zum jüngsten Freibeuterkapitalismus von Sidona oder Raul Gardini. „Mailand merkte nichts […] auch nicht, dass es zur wahren Hauptstadt der `Ndrangheta geworden ist.“ (Seite 122) geht die Zeitschiene dieses Buches. Und von der Peripherie „Hier mögen sich die Straßen nicht. Man sieht ihnen den Widerwillen an, sich zu begegnen […] diese blutlosen Tentakel, mit denen Mailands Herz lustlos die vernachlässigbare Peripherie an sich bindet.“ (Seite 83) bis ins städtebauliche Herz von Mailand „Palazzi und wieder Palazzi, ein einziges gleißendes Meer aus Marmor, Glas und kostbaren Materialien.“ (Seite 35) reicht der räumliche Querschnitt.

Henning Klüver ist bei dieser Auswahl ein großer Wurf gelungen. Er hat es geschafft, ohne Bilder, ohne Lokalpatriotismus, ohne die Scala, den Mode- und Designzirkus und ohne Inter und Milan zu bemühen, ein ganz treffendes Bild auch von der Entwicklung Mailands zu liefern. Wir erkennen hinter der „moralischen Hauptstadt“, hinter ihrem Geschäftssinn die Toleranz eines offenen Mailands mit einer ungeheuren Kraft der Assimilation.

Gut, Mailand ist eigentlich nicht schön, weder elegant wie Florenz noch monumental wie Rom und mag auch der Konsum den Alltag bestimmen, aber genau ihre Widersprüche machen sie so anziehend. Denn:

„Mailand ist eine Miesmuschel, wissen Sie, die Stadt ist hässlich wie eine Miesmuschel, aber auch genau so gut wie eine Miesmuschel. Mehr noch, wissen Sie: Mailand ist wie ein Kilo Miesmuschen, von dem man erst eine nimmt, dann noch eine, dann noch eine mehr und dann kann man nicht mehr aufhören.“ (Seite 28)

Für alle Italienliebhaber und für alle die gute Literatur schätzen ist dieses Büchlein ein absolutes Muss. Nehmen Sie die Einladung an.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

Ich mache aus Ihrem guten Roman einen besseren

Lektorat für Autoren und Verlage

Sie haben einen Text verfasst: Eine Geschichte geschrieben? Eine Erzählung? Ihre Biographie oder einen umfangreichen Roman? Sie haben viel Mühe, Zeit, Arbeit und Überlegungen investiert. Vielleicht sind Sie zufrieden mit dem Text. Wird er begeisterte Leser finden? Wird er die Prüfer überzeugen? Wie lesefreundlich ist Ihr Text? Wie verständlich und logisch ist er? Erfüllt er alle sprachlichen und stilistischen Anforderungen? Zeigt Ihr Text einen unverwechselbaren Stil?

Denken Sie daran: Ihre Leser sind anspruchsvoll. Thema, Handlung, Personen und ihr Motive, also die Inhalte müssen nachvollziehbar und spannend sein. Und die Sprache, also die Form, muss stimmig sein. Beides, Inhalt wie Form sollten den Leser wie ein Sog in die Geschichte hineinziehen, bis zum entscheidenden Ende. Ich optimiere Ihre Texte so, dass sie nicht nur fehlerfrei, sondern auch gut und flüssig zu lesen sind. Dabei konzentriere ich mich auf drei Gebiete:

Rechtschreibung – Grammatik – Satzzeichen

Korrekturprogramme erkennen zwar Fehler, aber keine Sinnzusammenhänge. Korrekturlesen ist unerlässlich für fehlerfreie Texte. Ich sorge für:

korrekte Rechtschreibung – fehlerlose Grammatik – richtige Zeichensetzung – einheitliche Schreibweisen – regelkonforme Silbentrennung – typographische Anführungszeichen – Gedanken-/Bindestriche

Sprache – Stil – Verständlichkeit

Ihnen gefällt Ihr Schreibstil. Gefällt er auch dem Leser? Sprechen Sie die Sprache Ihrer Leser? Wie locker lässt er sich lesen? Passt der Sprachstil zur Gattung der Geschichte. Schreiben Sie bildhaft, konkret, lebendig und dynamisch? Sind Vergleiche und Metapher stimmig? Ich prüfe und schlage konkrete Änderungen vor:

Sprache – Stil – Verständlichkeit – treffende Formulierung – gut verständlicher Stil – durchdachter Aufbau – inhaltliche Stimmigkeit – Vereinheitlichen von Wörtern – Prüfen von Ausdrucksweise und Tonalität – sinnlose Phrasen eliminieren – unverständliche Begriffe oder Sätze korrigieren

Aufbau – Spannung – Logik

Ihnen ist Ihre Geschichte vollkommen klar. Stimmt wirklich alles? Ist die Handlung klar und verständlich? Gehen die Handlungsstränge am Ende auf? Kann der Leser die Lösung am Ende klar nachverfolgen? Gibt es lose Handlungsenden, die nicht aufgeklärt wurden? Treiben Ihre Figuren die Handlung genügend und logisch voran oder verwirren einige Szenen den Leser? Begleiten die Nebenhandlungen den hauptsächlichen Handlungsstrang und verhelfen am Ende zur Lösung? Haben Sie auch alle Nebenhandlungen am Ende abgeschlossen und logisch zusammengeführt?

Meine Leistungen für Sie

Wort für Wort lese und prüfe ich Ihren Text. Dabei trenne ich nicht zwischen Korrigieren, Redigieren oder Lektorieren, sondern erledige es zusammen. Warum? Weil ich bei reinem Korrektur lesen vieles, was zum Lektorat gehörte, stillschweigend unter den Tisch fallen lassen müsste.

Ich korrigiere alle Fehler, schlage stilistische Verbesserungen vor und gebe Ihnen eine Orientierung, was Sie an Ihrem Text noch überarbeiten sollten.

Preise und Probelektorat

Jeder Text hat einen anderen Schwierigkeitsgrad und der Arbeitsaufwand kann sehr variieren. Und wenn es sich um sehr lange Texte handelt, ist kaum im Voraus abzusehen, welche – möglichst noch vertrackte – Problemstellungen auf einen zukommen.

Deshalb mein Vorschlag: Sie schicken mir 3 – 6 Manuskriptseite. Dazu fertige ich ein Probelektorat an und Sie entscheiden, ob unsere Arbeit zusammenpasst und Sie meine Vorschläge in Ihrem Text verarbeiten möchten.

Diese Arbeit berechne ich zum Preis von 8,80 € pro Normseite. Das sind etwa 30 Zeilen je Seite und 60 Zeichen je Zeile (= 1.800 Zeichen pro Seite)

Bitte melden Sie sich zuerst per E-Mail bei mir und erläutern Sie mir kurz Ihr Projekt und Ihre Erwartungen an mich. jules@barrois.de

Essay: Das perfekte Chaos

Das perfekte Chaos – Ordnung ohne Herrschaft

… oder gibt es eine Ordnung ohne Gewalt?

Fremdgesteuert und fremdbestimmt – damit hat unsere Gesellschaft Jahrhunderte gelebt. Im Staat herrschten Kaiser, Führer, Kanzler. In der Familie war das Familienoberhaupt das höchste und allein entscheidende Gesetz. In der Schule hatte immer der Lehrer nicht nur das letzte Wort. Und alle beugten sich einer festen Ordnung, die niemand infrage stellte. Das gab Halt und Orientierung. Und heute, in einer Zeit der großen, nicht überschaubaren Freiheit, scheint nichts mehr zu funktionieren. Ein Gefühl der Verlassenheit und Einsamkeit macht sich breit. Kein Wunder das viele nach „law and order“ und nach den alten Werten einer angeblich heilen Welt rufen. Und manch einer wünscht sich den starken Mann an die Spitze unseres Gemeinwesens zurück.

Unsere Welt und unser Leben ist vielfältiger und vielschichtiger geworden. Und verwickelte, soziale Situationen lassen sich nicht durch gezielte Eingriffe von oben verändern. Denn soziale Systeme, wie zum Beispiel Gruppen in der Schule, Teams in Unternehmen entwickeln ein Eigenleben, ebenso wie die schwer durchschaubaren Abhängigkeiten eines Biotops.

Gruppe ist ein Wort aus dem Althochdeutschen und bedeutet „Kropf“, das nicht nur die krankhaft vergrößerte Schilddrüse bezeichnet, sondern auch den „Knoten“ (ital. groppo) bezeichnet.

Überall wo sich Menschen in ihren Lebenslinien miteinander mehr oder minder fest verknoten, entsteht eine Gruppe. Eine einheitliche Definition sucht man vergebens. Allerdings kann man anhand der Begriffsbestimmung charakteristische Merkmale herausfinden. So sind Gruppen ein soziales System, dessen Mitglieder in direkter Beziehung stehen und ihren Verhalten durch sich ergänzende Rolle und gemeinsame Maßstäbe und Ziele bestimmen.

Menschen sind soziale Wesen, die in der Lage sind, ihr Leben zwar gemeinschaftlich, vor allem aber selbstverantwortlich gegenüber sich und ihrer Umwelt zu organisieren. Selbstbestimmt Leben heißt, dass wir über die Ziele und Inhalte, über Formen und Wege, Ergebnisse und Zeiten sowie die Orte ihres Lebens selbst entscheiden, frei von jeder Bevormundung. Also jeder tut das, was er will?

Laissez-faire, alles laufen lassen, wie es läuft? Es kommt sowieso, wie es kommt. Nach den Kölner Grundsätzen: „Et kütt, wie et kütt“ und „Et hätt noch immer jot jejange.“

Um Himmels willen, das ist doch Anarchie. Oder? Und viele erinnern sich sofort an die sogenannte antiautoritäre Erziehung in den 60er und 70er Jahre. Ja wo kämen wir denn da hin? Das ist ja wirklich Anarchie.

Dabei ist Anarchist nur derjenige, der freiwillig darauf verzichtet andere beherrschen und unterdrücken zu wollen. Im Gegensatz zu den autoritären Systemen, wie wir sie noch immer erleben, wo der Stärkere gewinnt und wo die Grenzen zur Strafe werden.

Richtig: Ohne Halt und Sinn und ohne Grenzen wären wir gefühlsmäßig und intellektuell überfordert. Aber einen starken „Führer“ brauchen wir wirklich nicht, obwohl das bequem ist, denn wir haben im Nachhinein immer einen Schuldigen.

Was wir brauchen, sind funktionierende Gruppen, ob in der Familie, den Vereinen oder in den Gemeinden.

Die Mitglieder einer Gruppe sind in ihrem Verhalten wechselseitig voneinander abhängig. Die Mitglieder beeinflussen sich in ihrem Denken und Handeln gegenseitig: Was jedes einzelne Mitglied der Gruppe tut, beeinflusst das Verhalten aller anderen und ist seinerseits auf das Verhalten dieser anderen bezogen.

Die Mitglieder erleben sich als zusammengehörig und sprechen deshalb von der Gruppe als „wir“ im Gegensatz zu den „anderen“, die nicht zu der Gruppe gehören.

In jeder Gruppe entwickeln sich bestimmte allgemein anerkannte Erwartungen darüber, wie man in bestimmten Situationen denken und handeln sollte.

Die Gruppe hat eine Ordnung, in der jedes Mitglied eine bestimmte Position einnimmt. Daran sind entsprechende Bündel von Erwartungen geknüpft. Die Rollen sind wechselseitig aufeinander bezogen und ergänzen sich gegenseitig.

Unter den Mitgliedern einer Gruppe herrscht Übereinstimmung über Ziele, die erreicht werden sollen. Das Verhalten der verschiedenen Gruppenmitglieder ist miteinander verknüpft und auf dieses gemeinsame Ziel ausgerichtet oder besser gesagt gleichgerichtet.

Gruppen brauchen einfach einen Konsens. Das bedeutet die Übereinstimmung von Menschen hinsichtlich einer bestimmten Thematik ohne verdeckten oder offenen Widerspruch. Und da es nicht mehr den alleinigen Steuermann gibt, aber Teilsysteme verhandlungsfähig sind, müssen und können die Besatzung und die Passagiere das Steuer übernehmen. So entstehen überschaubare Einheiten.

Gruppen stehen nicht in einem Über- und Unterordnungsverhältnis, sondern existieren mehr oder weniger gleichberechtigt nebeneinander. Nur daraus ergeben sich Selbststeuerung und Selbstbestimmung sowie dezentrale und Von-Unten-Nach-Oben-Entscheidungen. Viele dezentrale Gruppen und Initiativen können sich miteinander vernetzt und so zu kooperativen Einheiten werden, ohne dass sie ihre Eigenständigkeit an ein übergeordnetes System abgeben müssen.

Unser aller „Mutti“ redet zwar davon mit so wunderschönen Floskeln wie: „verlässlicher innerer Kompass“, „verantwortlicher Freiheit“ oder „Gesellschaft mit einem menschlichen Gesicht“. „Ohne Grundsätze, Werte, Leitbilder, ohne dass wir Halt und Orientierung haben“, könne man den Herausforderungen dieser Tage nicht begegnen.“ sagte Merkel. Gut gebrüllt Löwe. Aber wo bleibt das „Wie“?

Niemand hat ihn je gesehen, doch alle spüren, wenn er da ist … der Gruppengeist. Ein guter Gruppengeist lässt sich nicht erzwingen noch herbeizaubern und schon gar nicht herbeireden. Aber er kann wachsen, wenn sich die Gruppenmitglieder kennen, gerne zusammen sind und gemeinsame Erlebnisse haben. Alle brauchen die Sicherheit, von allen anderen akzeptiert zu werden.

Gruppen-Geist, das ist der Geist oder die Intelligenz, welchen eine Mehrzahl von Menschen gemeinsam haben. Der Gruppen-Geist bzw. die Gruppen-Intelligenz ist der entscheidende Faktor für die Fortentwicklung einer Zivilisation.

Nur verträgt sich das mit unseren individualistischen Ansprüchen? Schwer, sehr schwer. Wenn die soziale Identität fehlt und nur die individuelle Identität herrscht, dann bleibt der Konsens auf der Strecke und der gute Geist einer Gruppe macht sich auf und davon.

Fangen wir einfach mal klein an: In der Familie, in der Hausgemeinschaft, in unserer Straße oder in unserem Viertel

Setzen wir uns auf den Stuhl des anderen. Was denkt er? Was fühlt er? Wo sind seine Sorgen und Nöte?

Lernen wir, aus vielen Gläsern zu trinken. Und lernen wir, so zu schweigen, dass andere Zeit zum Reden haben.

Workshop: Kreatives Schreiben

Kreatives Schreiben – Der Weg zu eigenen Geschichte

Worum geht es?

Jedes Leben ist randvoll mit Geschichten, deren Verlust ein Jammer wäre. Selbsterlebtes. Miterlebtes. Gehörtes und auch Gefundenes und Erfundenes. Und jede Geschichte hat ihr eigenes Leben. Und wie jedes Leben seinen unschätzbaren Wert hat, so hat auch jede Geschichte ihren Wert. Jeder kann gute Geschichten schreiben. Und jeder lebt in seinen Geschichten weiter. So wird Geschichte aus unseren Geschichten.

Menschen sind natürliche Geschichtenerzähler. Wenn es aber darum geht, eine gute Geschichte zu schreiben, musst du inspiriert sein, deinen Inhalt entwickeln und dann deine Arbeit überprüfen, bis du die beste Geschichte geschrieben hast, die du zustande bringst.

Nur Mut. Das Leben steckt nun einmal voller Geschichten. Alles, was du brauchst, liegt in dir. Mein Workshop vermittelt dir das notwendige Handwerkszeug:

Welche Themen behandeln wir?

• Thema finden und formulieren

• Plot entwickeln – Aufbau der Geschichte

• Charaktere – Personen lebendig werden lassen

• Dialoge – Wie du Figuren reden lässt

• Geschichte schreiben – Wie werden Texte leichter lesbar

• Geschichte überarbeiten – Kürzen, streichen, weglassen

• Text überarbeiten – Verbessern und den letzten Schliff geben

Wie arbeiten wir

Jeder schreibt eine oder mehrere Geschichten, entweder nach Vorgabe oder nach eigenen Ideen. Jede Geschichte wird:

Vorgelesen

Kommentiert von den Teilnehmern

Kommentiert und verbessert vom Referenten

Auf mögliche Veröffentlichung überarbeitet

Verlagssuche vorbereitet

Kursdauer: 3 Tage

Kurstermin: 08. – 10. August 2016 (Nr. 3) oder

Kurstermin: 11. – 13. August 2016 (Nr. 4)

Kurszeit: 10:00 – 17:00 Uhr

Kursort: Ellerschule, Riegelsberg, Ellerstraße 7

Dozent: Dipl. rer. pol. Jules Barrois

Kursgebühr: 3 Tage: 114,– Euro

Direkt anmelden unter

http://www.sommerakademie-riegelsberg.de/herzlich-willkommen-zur-neuen-sommerakademie-im-saarland-2016/anmeldung/

Rezension: Die Fotografin – William Boyd – Berlin Verlag

Eine faszinierende schillernde Frauenfigur

Die Fotografin: Die vielen Leben der Amory Clay von William Boyd (Autor), Patricia Klobusiczky (Übersetzer), Ulrike Thiesmeyer (Übersetzer), 560 Seiten, Berlin Verlag (1. Februar 2016), 24 €, ISBN-13: 978-3827012876

William Boyd erzählt uns die fiktive Biographie, die Abenteuer einer idealtypischen Figur, die so nie existiert hat, aber für ihre Erlebnisse eine hohe historische Wirklichkeit bieten kann.

Hochinteressant ist für mich die letzte Seite des Buches, sein „Dank“. Statt den üblichen Quatsch über Lektoren, Agenten und tapfere Ehepartner wieder zu geben, listet Boyd 32 der renommiertesten weiblichen Reporterinnen und Fotografinnen des 20. Jahrhunderts, Pioniere, die sich ihre Namen in einem von Männern dominiert Gebiet machten. Aber nicht alles ist, was es scheint. Denn auch in dieser Liste erscheinen mehrere fiktive Personen. Zum Beispiel gibt es bei Google keine Informationen über eine Renata Alabama oder eine Mary Poundstone. Und doch erscheinen beide in Boyds Roman mit so überzeugenden Realismus, dass der Leser einfach wollen muss, dass sie existierten.

Ebenso ist die Dokumentarfotografin Amory Clay, diese offene, komplizierte, bahnbrechende Heldin und Icherzählerin von „Die Fotografin“, eine reine Fiktion. Am 7. März 1908 geboren ist und gestorben am 23. Juni 1983 (durch eigene Hand) wird ihr komplettes Leben in einem erzählerischen Patchwork dargestellt: Zeitungsausschnitte, detaillierte Beschreibung ihres alltäglichen Lebens und Rückblenden aus ihrer Jugendzeit, ihr Trinken, ihre Geselligkeit, ihre Aufenthaltsorte von Berliner Striptease-Clubs, den 1920er Jahren, den faschistischen Unruhen in London in den 1930er Jahren, dem zweiten Weltkrieg in Frankreich und dann, später, nach Vietnam; ihre Liebe zu einer Handvoll Männer, ihre Freundschaften, die vielen unerwarteten Wendungen ihres Lebens vermischt William Boyd zu einem großartigen Werk. Es geht um Glauben und Verrat, um die menschliche Art und Weise ein Leben zu führen, das von den Kriegen des 20. Jahrhunderts und ihren Traumata geprägt ist.

Mit Amory Clay hat William Boyd einen faszinierenden Charakter geformt: tückisch, widersprüchlich und impulsiv, aber auch gerundet, komplex und höllisch betörend. Sie ist in jeder Beziehung echt.

William Boyd ist ein brillanter Romancier und was wirklich überzeugt, ist seine strukturelle Leistung in diesem Buch, an der die meisten Schriftsteller scheitern würde. Er mischt die Welten der Reportage, der Geschichte und der Fiktion mit großer Wirkung. Und er hat die Fähigkeit, die Unmittelbarkeit einer Situation mit präziser Prosa zu vermitteln. Ein Beispiel mag genügen: „Im perlweißen Morgenlicht, mit Nebelschleiern, die aus gewundenen Flüssen und kleinen Bächen aufsteigen, und einem Himmel, der sich allmählich blau tönt, sieht Vietnam sehr schön aus. Nur gewisse Narben, der ziegelrote Schorf, den Bulldozer auf den Hügelkuppen hinterlassen haben, und die Überreste verlassener Artilleriestützpunkte und Beobachtungsposten beeinträchtigen die üppig wuchernde, saftig grüne Landschaft.“ (Seite 460)

Und einfach fantastisch wie William Boyd die Grenze zwischen Fakt und Fiktion verwischt. Unterstützt wird das mit einer Auswahl von „Amorys“ Fotos, die durch das ganze Buch verstreut sind. (Offenbar fand er sie auf Flohmärkten und Auktionen.)

„Die Fotografin“ ist ein kühnes Buch und die mitreißende Geschichte eines gut gelebtes Leben. Das ist Literatur im besten Sinne. Und es beweist, dass William Boyd für Vergnügen, für sehr viel Spaß beim Lesen sorgen kann. Ein überaus zufriedenstellendes Buch in höchstem Maße unterhaltsam.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages

http://www.berlinverlag.de/buecher/die-fotografin-isbn-978-3-8270-1287-6

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de