Archiv der Kategorie: Schreiben

Alles zum Thema Schreiben

Rezension: Im Rausch des Schreibens – Katharina Manojlovic – Paul Zsolnay Verlag

Sind Kunst und Kreativität ohne Drogen möglich?

Im Rausch des Schreibens: Von Musil bis Bachmann – Katharina Manojlovic (Herausgeber), Kerstin Putz (Herausgeber), 256 Seiten, Paul Zsolnay Verlag (28. April 2017), 27 €, ISBN-13: 978-3552058262

„Dem Alkohol müsste man Tantiemen zahlen“, behauptet Wilfried Schoeller in seinem Artikel „Das letzte Glas“, „er ist der mächtigste Erzeuger von Literatur, der sich denken lässt“, und er untermauert seine Behauptung sogleich mit einer Aufzählung einer ganzen Reihe von Flaschengeistern: Unter den ersten sechs Amerikanern, die den Literaturnobelpreis erhielten, waren nicht weniger als fünf – Sinclair Lewis, William Faulkner, Ernest Hemingway, John Steinbeck und Eugene O`Neill – gestandene Alkoholiker. Der Alkohol führte sie in Tiefen, die sie als Nüchterne wohl nie erreicht hätten. Der Lohn war Weltenruhm, der Preis nicht selten Siechtum.

Alkohol und andere Drogen steigern aber nicht nur Kreativität und Erfindergeist, verleihen nicht nur Charisma, sondern sorgen vor allem für jene permanente Ruhelosigkeit, die Fortschritt, Expansion und Wachstum erst die Wege ebnen – seien diese nun auf Dauer nutzbringend oder destruktiv.

Rausch des Schreibens? Schreiben im Rausch? All diesen Fragen über Treibstoffe des Schreibens, der Literatur und der Rauschkultur geht das Begleitbuch zur Ausstellung im Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek aus der Reihe Profile sehr akribisch nach. Das tut es an ausgewählten Beispielen aus dem Schaffen von:

Ingeborg Bachmann, Georg Trakl, Friedrich Mayröcker, Peter Handke, Gert Jonkes, Ernst Jandl, Ernst Herbeck, Edmund Munch, Peter Hammerschlag, Géza Csàth, Leo Perutz, Wolfgang Bauer, Oswald Wiener, Falco, Rober Musil, Robert Müller, Mela Hartwig, Robert Menasse, Werner Schwab, Werner Kofler, Heimito von Doderer, Franz Kafka, Adalbert Stifter, Hermes Phettberg, Karl Kraus, Günther Anders und Andreas Okopenko.

Der Band ist ein sehr breit angelegtes Werk. 29 Autoren thematisieren in fünf großen Kapiteln die verschiedenen Substanzen und Stimulanzien von Alkohol bis zu harten Drogen, die Ekstase, die Exzesse der Süchte jeder Art, die Trance und die Entrückung, aber auch die Askese und die Schreib- und Selbstdisziplin. Das Buch moralisiert nicht, betreibt auch keinen Voyeurismus auf die ach so verkommenen Künstler, es berichtet einfach. Und dieses Beschreiben findet an Texten, Schriften, Bildern, Zeichnungen, Abbildungen korrigierter Seiten, Fotos von Originalmanuskripten, Tagebüchern, Skizzen und ähnlichem statt. Wie zum Beispiel das Gedicht der jungen Ingeborg Bachmann:

In meiner Trunkenheit kann ich nur Immerwährendes denken / Und über die Tage lächeln und über die Menschen, die sterben … / In meiner Trunkenheit kann ich nur maßlos sein / Und trinken und nehmen und dauern / Drum geh ich so schwindelnd und hoch, / und füll die Krüge der anderen. (Seite 13)

Und nur so können wir uns diesem Thema nähern. Denn wissenschaftliche Untersuchungen über Rauschmittel und Kreativität sind ziemlich selten. Es bleiben nur die Beispiele aus dem realen Leben. Diese Aufgabe erfüllt der vorliegende Band mit viel episodischem Wissen. Was soll dieses Buch? Was kann es leisten? Was nicht? Was können wir mit ihm anfangen?

Zunächst eine Warnung: es geht um eine bestimmte Literatur und nicht um die, über die der französische Dichter Julien Green sagte: „Die Unterhaltungsliteratur wird vom Teufel geschrieben. Und wir werden wohl nie erfahren, was diese Literaturgattung in der Menschheitsgeschichte angerichtet hat.“ (Seite 95)

Für die Behandelte Literatur und ihre Freunde ist es eine wahre Fundgrube von Geschichten und Details aus dem Leben und den Arbeiten der besprochenen Künstler. Wir bekommen einen Einblick in die verschiedenartigen Schreibprozesse und Schreibstile. Wie erfahren, wie die produktive Dynamik des Schreibrausches funktioniert.

Aber es kann auf keinen Fall aus einem Schreiber einen Literaten machen. Literatur kann man nicht erklären, man muss sie erleben, da sie tief im Innersten eines jeden Menschen verborgen ist.

Für alle, die an große Literatur interessiert sind; für alle, die die Illusion hinter unserer bildorientierten Zeit erkennen und ahnen, wieviel mehr das Wort zu leisten im Stande ist; für alle, die wissen, dass die eigene Überzeugung fehlerhaft und höchst unzuverlässig ist; für all diesen Lesern wird es die literarischen Sinne schärfen und erweitern. Passend zum Gedicht von Karl Kraus (Seite 336)

Reflex der Eitelkeit / Die Welt, die im Gewande lebt, / nach Genuß und Gewinn und nach Würden strebt, an der Macht und am Schein, an der Meinung klebt, / ihr Nichts erhebt und vor nichts erbebt / und sich dünkt der Schöpfung Scheitel – / sie sagt, weil ich sah, wie sie, diese Welt, / sich täglich mit sich zufrieden stellt / und sich weitaus besser als mir gefällt, / der sie nicht für die beste der Welten hält: / ich sei eitel.

Das Buch lädt alle Literaturbegeisterten und – besessenen zu einer Entdeckungsreise ein. Der Leser wird dabei am meisten gewinnen, dem deutlich wird, wo die Grenzen seines eigenen Horizonts verlaufen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Paul Zsolnay Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/im-rausch-des-schreibens/978-3-552-05826-2/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

Essay: Einen Gedanken denken …

Einen Gedanken denken oder …

.. ein Gedanke ist erst gedacht, wenn er geschrieben ist.

Es summt und singt. Erst ganz leise. Dann fängt es an zu blubbern, kaum hörbar. Bläschen steigen auf, werden größer, verdichten sich, zerplatzen an der Oberfläche. Es wallt. Es brodelt. Neue Blasen trudeln nach oben. Manche zerfasern kaum dass sie aufgestiegen sind, andere springen regelrecht nach oben, wühlen auf. Sie kommen und gehen – manche schnell und flüchtig, andere beständig und dauerhaft. Kaum gelingt es eine dieser Blasen im Auge zu behalten. Nie steht es still. Dem Gedächtnis, unserem intimsten Gefährten, lassen sich keine Zügel anlegen; seine Einfälle sind unberechenbar. Bilder und Worte, Eindrücke und Gefühle, Begegnungen, Getanes und Nicht getanes, Farben und Töne, Geschichten und Erinnerungen, Erlebtes und Erdachtes, Träume und Pläne … ein heilloses Durcheinander. Nur raus aus den Irrgärten der quälenden Gedanken und der lästigen Erinnerungen

Stille wünsche ich mir – einfach nur Stille im eigenen Gehirn. Ja … arbeiten scheint jetzt das Richtige zu sein – monoton, stumpfsinnig. Egal, was. Hauptsache es wird etwas getan. Hilft nichts … das Getöse wird noch stärker.

Oder nein … doch besser hinausrennen in die laute Öffentlichkeit, die eigenen Gedanken ersäufen in sinnfreiem, anonymem Geschwafel. Keine Chance, sie kehren lauter zurück als je zuvor.

Laufen … ja das ist es … laufen, laufen, laufen. Stunde um Stunde, bis das Herz rast, die Beine lahmen und das Gehirn schmerzhaft im Kopf hämmert. Und beim ersten durchatmenden Stehen bleiben sind sie alle wieder da, die Gedanken von denen ich mich befreit glaubte.

Oder doch zum Glas greifen, solange trinken, bis es im Kopf knackt, der Schalter umgelegt ist und Stille einkehrt. Aber nur für einen kurzen Augenblick

Doch kaum glaube ich sie endlich hinter mir gelassen zu haben, da steigen die Gedanken aus ihren Tiefen wieder hoch, stärker, brutaler, heftiger als je zu vor, zwingen mich, die Dosis der Ablenkungen nochmals zu erhöhen, das Hamsterrad immer schneller anzutreiben. Und am Ende weiß ich nicht mehr, treibe ich das Rad an oder bin ich der Getriebenen.

Ein weißes Blatt Papier. Ein Stift. Wort um Wort, Satz um Satz. Absätze um Absätze. Seiten um Seiten. Die Gedanken lösen sich auf. Mein Blick wird frei auf den Zwiespalt, auf die Zweifel und auf die Widersprüche hinter meinen quälenden Gedanken. Machen den Weg frei für mein subjektives autobiographisches Gedächtnis, das wenig mit der Vergangenheit zu tun hat, sondern mir hilft, wie ich mich in der Gegenwart und in der Zukunft orientieren kann.

Die geschriebenen Worte entwickeln ihr eigenes Leben mit ihrer eigenen Dynamik, lassen völlig neue Welten entstehen und bisher ungedachte Gedanken beginnen in mir zu denken. Schreiben zwingt zu konzentriertem Denken – und wer denkt, altert nicht.

Take five am Markusplatz

… oder wo sich das Leben ereignet

Es ist Martedì Grasso. Der letzte Karnevalstag vor der Fastenzeit. Das Ende der zehn Tage des venezianischen Karnevals. Wir kommen gerade vom Abendessen im Bistrot de Venise. Verwöhnt und satt.

Natürlich hatten wir zunächst die Cicchetti versucht, diese leckeren, hausgemachten Kleinigkeiten, die entfernt mit spanischen Tapas zu vergleichen sind. Kleine Brotscheiben sind belegt mit Gemüse oder Salat, darauf gehäuft sind fein aromatisierte Käse- oder Quarkcremes in unterschiedlicher Konsistenz. Es gibt Fischmousse in allen Variationen, dazu Oliven, Kapern, Tomaten, frittierte und eingelegte Gemüsehäppchen, Fleischfrikadellen, Presssack mit Polenta, geröstete Brotscheiben mit Salami oder Schinken.

Wir hatten Tartar vom Thunfisch, Jakobsmuscheln auf rohem Blumenkohlsalat, marinierte Meeräschen und drei Arten von Scampi auf Proseccoschaum. Als primo einen gran risotto di mare und als Hauptgang einen Aal im Ofen gebacken mit Pfeffer und Zimt. Dazu einen trockenen, fruchtigen, ungefilterten Malvasia hier überraschenderweise als korallenfarbiger Roséwein, mit reichem Bukett, üppig und zugleich blumig mit anhaltender Fruchtigkeit. Und zum Nachtisch zum krönenden Abschluss la pasticceria di casa.

Verwöhnt und satt treten wir hinaus auf die enge, schmale Gasse. Es hat geregnet. Die Februarkälte, die uns eine Woche plagte, scheint gebrochen. Kaum noch Menschen auf den Straßen. Auch der Markusplatz ist leer. Hier, wo noch heute Mittag Gestalten wie aus einem Märchenbuch posierten, Figuren mit goldenen, silberfarbenen oder kalkweißen Gesichtern, eingehüllt in fantasievolle Gewänder aus Satin und Tüll, Adelsdamen mit Lockenpracht und üppigen Roben und bunte Harlekine, glänzt jetzt nur noch der regennasse Steinboden, in dem sich weiß und erhaben die Basilika di San Marco spiegelt.

Venedig: Bereits im Namen der Stadt ist ja laut Proust ein Verlangen gespeichert, das sich auf eine aus Träumen gebaute Wirklichkeit richtet. Allen diesen Erlebnissen ist gemeinsam, dass sie im Voraus festlegen, was wir hier sehen und erleben werden.

Die berühmten Cafés sind um diese Stunde fast leer. Lediglich im Café Florian sitzen noch ein paar Unentwegte und plaudern mit den Kellnern. Es ist wohl das älteste italienische Caféhaus. Hinter seinen hohen, eleganten Fenstern haben Gäste wie Goldoni, Goethe, Balzac, Thomas Mann, Hemingway und Proust Platz genommen. Einige haben hinterher aufgeschrieben und der Welt mitgeteilt, was für ein Gefühl es war, hier zu sitzen. Götter aus sagenhaften Zeiten, haben sie Begehrlichkeiten geweckt, die heute, im Zeitalter massenhafter Prosperität und Mobilität, erfüllbar erscheinen. In den Sälen der großen Cafés, wo man gern die Stile des Rokoko, des Empire und des Biedermeiers wiederholt und die Ernst Jünger als „die eigentlichen Paläste der Demokratie“ bezeichnete, hofft man das schmerzlose und seltsam aufgelöste Wohlbehagen zu atmen, das die Luft narkotisch erfüllt.

Nach ein paar Schritten über den Markusplatz beginnen die Glocken vom Campanile, dem berühmten Glockenturm, die Luft mit dunkel-schwerem Klang zu erfüllen; kurz darauf mischen sich die hellen Töne von den Türmen der Basilika San Marco ein. Und dann schwebt die schnellen, wehmütigen Klänge eines Saxofons herüber. Für einen Wimpernschlag bleiben wir wie erstarrt stehen im untrüglichen Gefühl, etwas Wunderbares zu erleben.

Die Musik ist so mühelos anmutig, dass sie auf dem Wasser zu gehen scheint. Die Tonfolgen sind wie eine freundliche alte Nachbarin, die man schon lange kennt, und die auch nach vielen Jahren noch geistreich, witzig und charmant Konversation betreibt. Gerne laden wir sie in unser Wohnzimmer zu einer Tasse Tee ein und lauschen gespannt den – irgendwie nicht langweilig gewordenen – Geschichten aus der guten alten Zeit. In Wehmut und Melancholie versunken.

Die Glockenklänge hören auf und klar und alleine klingt Take five. Irgendjemand hat mal gesagt: Shrimp ist der Fisch für Menschen, die nicht gerne Fisch essen. Dave Brubeck „Take five“ sind die Shrimps des Jazz. Und es stimmt: Selbst Menschen die mit Jazz wenig bis gar nichts anfangen können verlieben sich sehr schnell in die rhythmischen und sehr ungewöhnlichen Taktarten eines „Take Five“.

Hinter einer der Säulen der Arkaden in der Nähe des Café Florian steht er, oder vielmehr sie, eine einsame Saxofonspielerin, im roten Harlekinsköstüm. Weiße Schnabelschuhe, weiße Strumpfhose mit roten Herzen, einen kurzen roten weit abstehenden Rock mit viel Tüll darunter, ein rotes Mieder und einen roten Umhang um die Schulter, eine rote Kappe mit einer großen Schleife unter dem Kinn gebunden. So an eine der Arkadensäulen gelehnt, bläst sie mit Hingabe, wehmütig und ungeheuer sexy ihr „Take Five“. Dominant und verführerisch. Sie trägt keine Maske. Wie die lebenslustige und selbstsichere Colombina, das Sperlingstäubchen aus der Comedia dell`arte, aber das Gesicht ganz lackweiß glänzend bemalt, mit zwei großen roten Tränen auf der linken Wange. Zwischen den tristen, gedämpften Farben, die jetzt in Venedig herrschen, ist das knallige Rot die einzige Farbe, die aus dem grau-braunen Brei hervorsticht.

Die gelungene Mixtur aus Geschichte, Charme, Tradition und Kultur, die Markuskirche mit ihrem Reichtum, ihrer byzantinischen Goldgrundpracht, die prunkvollen Paläste, die verlassenen Gondeln auf glitzerndem Wasser, der Torre dell’Orologio, die langen Fassaden der Procuratie, der Campanile und der Palazzo Ducale, sie scheinen in diesem Augenblick nur eine großartige Kulisse für dieses Saxofonspiel zu sein. Vergänglich, wie ein Traum

Sonne in Venedig zeigt immer auch grausam viel Schäbigkeit und Armut, aber Mondlicht und winterliches Halbdunkel verzaubern die Stadt zu etwas völlig Unwirklichem, einem Abbild unseres Inneren, all unserer Träume und Sehnsüchte. Venedig ist nicht bunt, es ist schwarz-weiß. Ist das der Ort, an dem unsere ewig suchende Seele leben und gesunden kann? Oder aufgeben für immer?

Die Colombina setzt ihr Saxofon ab. Lächelt. Wie stark die Leidenschaften sind und wie schwach die Vernunft. Ein weiches Bild der Liebe. Oder des Todes. Venedig und Tod – wie oft fallen diese beiden Worte zusammen, nicht nur im Titel von Thomas Manns berühmter Erzählung. Wasser ist Ursprung allen Lebens, aber Wasser ist auch Fäulnis und Tod. Millionen Eichenpfähle modern seit Jahrhunderten unter den Häusern, und der Verfall ist sichtbar.

Hier begreifen wir vielleicht mehr als irgendwo sonst, wie endlich, wie vergänglich wir sind. Wie sagte August von Platen in seinen Versen: „Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, ist dem Tode schon anheimgegeben.“

Ich mache aus Ihrem guten Roman einen besseren

Lektorat für Autoren und Verlage

Sie haben einen Text verfasst: Eine Geschichte geschrieben? Eine Erzählung? Ihre Biographie oder einen umfangreichen Roman? Sie haben viel Mühe, Zeit, Arbeit und Überlegungen investiert. Vielleicht sind Sie zufrieden mit dem Text. Wird er begeisterte Leser finden? Wird er die Prüfer überzeugen? Wie lesefreundlich ist Ihr Text? Wie verständlich und logisch ist er? Erfüllt er alle sprachlichen und stilistischen Anforderungen? Zeigt Ihr Text einen unverwechselbaren Stil?

Denken Sie daran: Ihre Leser sind anspruchsvoll. Thema, Handlung, Personen und ihr Motive, also die Inhalte müssen nachvollziehbar und spannend sein. Und die Sprache, also die Form, muss stimmig sein. Beides, Inhalt wie Form sollten den Leser wie ein Sog in die Geschichte hineinziehen, bis zum entscheidenden Ende. Ich optimiere Ihre Texte so, dass sie nicht nur fehlerfrei, sondern auch gut und flüssig zu lesen sind. Dabei konzentriere ich mich auf drei Gebiete:

Rechtschreibung – Grammatik – Satzzeichen

Korrekturprogramme erkennen zwar Fehler, aber keine Sinnzusammenhänge. Korrekturlesen ist unerlässlich für fehlerfreie Texte. Ich sorge für:

korrekte Rechtschreibung – fehlerlose Grammatik – richtige Zeichensetzung – einheitliche Schreibweisen – regelkonforme Silbentrennung – typographische Anführungszeichen – Gedanken-/Bindestriche

Sprache – Stil – Verständlichkeit

Ihnen gefällt Ihr Schreibstil. Gefällt er auch dem Leser? Sprechen Sie die Sprache Ihrer Leser? Wie locker lässt er sich lesen? Passt der Sprachstil zur Gattung der Geschichte. Schreiben Sie bildhaft, konkret, lebendig und dynamisch? Sind Vergleiche und Metapher stimmig? Ich prüfe und schlage konkrete Änderungen vor:

Sprache – Stil – Verständlichkeit – treffende Formulierung – gut verständlicher Stil – durchdachter Aufbau – inhaltliche Stimmigkeit – Vereinheitlichen von Wörtern – Prüfen von Ausdrucksweise und Tonalität – sinnlose Phrasen eliminieren – unverständliche Begriffe oder Sätze korrigieren

Aufbau – Spannung – Logik

Ihnen ist Ihre Geschichte vollkommen klar. Stimmt wirklich alles? Ist die Handlung klar und verständlich? Gehen die Handlungsstränge am Ende auf? Kann der Leser die Lösung am Ende klar nachverfolgen? Gibt es lose Handlungsenden, die nicht aufgeklärt wurden? Treiben Ihre Figuren die Handlung genügend und logisch voran oder verwirren einige Szenen den Leser? Begleiten die Nebenhandlungen den hauptsächlichen Handlungsstrang und verhelfen am Ende zur Lösung? Haben Sie auch alle Nebenhandlungen am Ende abgeschlossen und logisch zusammengeführt?

Meine Leistungen für Sie

Wort für Wort lese und prüfe ich Ihren Text. Dabei trenne ich nicht zwischen Korrigieren, Redigieren oder Lektorieren, sondern erledige es zusammen. Warum? Weil ich bei reinem Korrektur lesen vieles, was zum Lektorat gehörte, stillschweigend unter den Tisch fallen lassen müsste.

Ich korrigiere alle Fehler, schlage stilistische Verbesserungen vor und gebe Ihnen eine Orientierung, was Sie an Ihrem Text noch überarbeiten sollten.

Preise und Probelektorat

Jeder Text hat einen anderen Schwierigkeitsgrad und der Arbeitsaufwand kann sehr variieren. Und wenn es sich um sehr lange Texte handelt, ist kaum im Voraus abzusehen, welche – möglichst noch vertrackte – Problemstellungen auf einen zukommen.

Deshalb mein Vorschlag: Sie schicken mir 3 – 6 Manuskriptseite. Dazu fertige ich ein Probelektorat an und Sie entscheiden, ob unsere Arbeit zusammenpasst und Sie meine Vorschläge in Ihrem Text verarbeiten möchten.

Diese Arbeit berechne ich zum Preis von 8,80 € pro Normseite. Das sind etwa 30 Zeilen je Seite und 60 Zeichen je Zeile (= 1.800 Zeichen pro Seite)

Bitte melden Sie sich zuerst per E-Mail bei mir und erläutern Sie mir kurz Ihr Projekt und Ihre Erwartungen an mich. jules@barrois.de

Workshop: Kreatives Schreiben

Kreatives Schreiben – Der Weg zu eigenen Geschichte

Worum geht es?

Jedes Leben ist randvoll mit Geschichten, deren Verlust ein Jammer wäre. Selbsterlebtes. Miterlebtes. Gehörtes und auch Gefundenes und Erfundenes. Und jede Geschichte hat ihr eigenes Leben. Und wie jedes Leben seinen unschätzbaren Wert hat, so hat auch jede Geschichte ihren Wert. Jeder kann gute Geschichten schreiben. Und jeder lebt in seinen Geschichten weiter. So wird Geschichte aus unseren Geschichten.

Menschen sind natürliche Geschichtenerzähler. Wenn es aber darum geht, eine gute Geschichte zu schreiben, musst du inspiriert sein, deinen Inhalt entwickeln und dann deine Arbeit überprüfen, bis du die beste Geschichte geschrieben hast, die du zustande bringst.

Nur Mut. Das Leben steckt nun einmal voller Geschichten. Alles, was du brauchst, liegt in dir. Mein Workshop vermittelt dir das notwendige Handwerkszeug:

Welche Themen behandeln wir?

• Thema finden und formulieren

• Plot entwickeln – Aufbau der Geschichte

• Charaktere – Personen lebendig werden lassen

• Dialoge – Wie du Figuren reden lässt

• Geschichte schreiben – Wie werden Texte leichter lesbar

• Geschichte überarbeiten – Kürzen, streichen, weglassen

• Text überarbeiten – Verbessern und den letzten Schliff geben

Wie arbeiten wir

Jeder schreibt eine oder mehrere Geschichten, entweder nach Vorgabe oder nach eigenen Ideen. Jede Geschichte wird:

Vorgelesen

Kommentiert von den Teilnehmern

Kommentiert und verbessert vom Referenten

Auf mögliche Veröffentlichung überarbeitet

Verlagssuche vorbereitet

Kursdauer: 3 Tage

Kurstermin: 08. – 10. August 2016 (Nr. 3) oder

Kurstermin: 11. – 13. August 2016 (Nr. 4)

Kurszeit: 10:00 – 17:00 Uhr

Kursort: Ellerschule, Riegelsberg, Ellerstraße 7

Dozent: Dipl. rer. pol. Jules Barrois

Kursgebühr: 3 Tage: 114,– Euro

Direkt anmelden unter

http://www.sommerakademie-riegelsberg.de/herzlich-willkommen-zur-neuen-sommerakademie-im-saarland-2016/anmeldung/

Das neue Projekt … oder von der Schwierigkeit des Anfangens

Das neue Projekt

…. oder von der Schwierigkeit des Anfangens

7.15 Uhr So. Eine letzte Tasse Kaffee und dann erst mal in Ruhe die Zeitung lesen. Vielleicht finde ich ja dort eine gute Formulierung, mit der ich beginnen kann, oder eine interessante Nachricht, aus der was zu machen ist.

8.13 Verdammt, man müsste früher aufstehen. In der Zeitung??? Keine Spur einer Anregung. Na ja … macht nichts. Da ist doch am Samstag das neue Textverarbeitungsprogramm von Ewald gekommen. Soll gut sein. Werde ich gleich mal installieren. Denn wenn ich schon die neue Woche mit einem neuen Plan fürs Schreiben beginne, 70 Seiten sollen es in dieser Woche werden, 10 Seiten am Tag, in 5 Stunden, von 7 Uhr bis Mittag. Also, wenn schon denn schon, dann gleich mit dem richtigen Schreibprogramm.

9.32 Es ist wie verhext. Alles richtig gemacht und trotzdem funktioniert dieses verflixte Programm nicht. Ich ruf mal Ewald an. Besetzt. Neu wählen. Wieder besetzt. Neu wählen wieder besetzt. Mit wem redet der bloß so lange? Wahlwiederholung einschalten? Tüt Tüt Tüt

9.46 Endlich … Ewalds Frau ist dran. – „Wo ist denn Ewald?“ – „Der schreibt, darf nicht gestört werden.“ – „Ich melde` mich dann später.“ … Dieser eingebildete Schnösel. Noch nicht mal auf die besten Freunde ist Verlass. Wie soll man da zu was kommen. Na dann muss es eben diese Woche noch das alte Schreibprogramm tun. Außerdem, am Telefon so ne schwierige Sache zu behandeln. Am besten ich geh heute Nachmittag zu Ewald rüber und lass es mir erklären. Oder Morgen. Oder, wenn Ewald wieder hier ist. Wollten wir nicht am Donnerstag … Wo ist denn mein Terminkalender. Ich wühle den Stoß an Zeitungen, Papieren, Büchern auf meinem Arbeitstisch um … ach da ist ja noch die Literarische Monatsschau. Wieso Ausgabe Januar? Jetzt haben wir Mai? Wieso hab ich die noch nicht gelesen. Nur mal schnell einen kurzen Blick rein werfen …

10.51 Na, was die wieder an Themen haben. Eigentlich müsste man sie abbestellen. Aber wer weiß, von Ewald haben sie schließlich auch mal was veröffentlicht. So jetzt aber … Ist ja auch ein schwieriges Thema, das ich mir vorgenommen habe. Kein Wunder, dass ich keinen Anfang finde. Gut … Ewald hatte mich auch vor der Vielschichtigkeit des Stoffes gewarnt. Aber der sieht ja eh alles schwarz und ist ein hoffnungsloser Pessimist. Obwohl im Herbst … da hat er auch Recht behalten … nach 6 Monaten Recherche und vergeblichen Ansätzen hatte ich eine hoffnungsvolle Idee begraben, im buchstäblichen Sinn, ganz unten begraben in den alten Aktenschrank unter die drei Ordner von Opa. Opas Ordner? Da waren doch diese Haushaltsnotizen über Ein- und Ausgaben drin. Das gab doch immer gute Ansätze, wenn man von früher erzählt und damit anfängt.

11.28 Wo waren nur diese blöden Aufzeichnungen. Ich hätte schwören können, sie waren immer in einem dieser drei Ordner. Hatte Hilde bestimmt raus genommen. Ich muss nochmals mit ihr ein ernstes Wort reden, dass sie nicht immer in meine Ordnung eingreifen sollte. Das Telefon schrillt. „Jaaa???? …“ Ewald ist dran, sagte“ meine Frau, „du hättest vorhin angerufen“. „Nee, das hat sich erledigt, ist zu schwierig am Telefon. Außerdem, ich bin mittendrin in einer äußerst kreativen Phase, du weißt, dass du mich nicht stören solltest. Sag Ewald ich käme auf ihn zu, aber heute bestimmt nicht mehr, ich bin gerade mittendrin und das will ich ausnutzen.“

11.47 Welchen Titel sollte mein neues Werk überhaupt haben? Schwierige Frage. Aber entscheidend. So ein guter Titel gab ja direkt richtigen Schwung. Wenn man ihn denn hätte. Vielleicht wäre es auch besser, den Titel ganz am Schluss zu suchen. Dann würde er mit Sicherheit viel treffender. Bis dahin müsste nur ein Arbeitstitel her. Wie wäre es mit Projekt 007. „Ha hä … Du kleiner Plagiator du …“ Am besten … ja es ist ja das erste Projekt dieses Jahres … also Projekt No. 1 … oder doch Projekt No. 01. Es könnte ja sein, dass man mehr als 10 Projekte in diesem Jahr begänne und dann bräuchte man ja eine zweistellige Projektnummer. Oder ich könnte ein B vorne dran setzen B für Belletristik, dann K für Kurzgeschichten, S für Sachbuch. Das muss ich direkt festhalten … guter Gedanke. Ich greife mir ein Blatt, einen Bleistift … ohhh, den Bleistift erst mal spitzen.

12.00 Was? Schon Mittag. Na ja … Punkt 12 hatte Konsalik auch immer Schluss mit Schreiben gemacht. So hatte ich es wenigstens mal gelesen. War ja auch einleuchtend. Morgens schreiben von 7 bis 12 und dann am Nachmittag: Genießen, neue Ideen tanken, gedanklich vorbereiten für den neuen Tag. Austausch suchen. Außerdem ist das ein herrliches Wetter draußen. Und ganz zart zieht doch der Duft eines schönen Schweinebratens in mein Arbeitszimmer.

Na, so schlecht ist der erste Tag für mein neues Projekt doch gar nicht gelaufen.

Wer Schmetterlinge lachen hört …

Wer Schmetterlinge lachen hört …

Geschichten leben, erleben und erzählen

Wer Schmetterlinge lachen hört, weiß wie Wolken schmecken. Der sieht und erkennt auch die kleinen, feinen Dinge, die wir sonst nicht sehen und erkennen. Dieser Mensch lebt positiv und weiß die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Das ist jemand, der auch dann noch lächeln kann, wenn die Welt zusammen bricht und der sich seiner Tränen nicht schämt. Jemand der ein Herz aus Gold hat und die Fähigkeit besitzt, anderen Menschen ein gutes Gefühl zu vermitteln. Jemand der Wärme und Schutz gibt, ohne sich dabei zu verlieren und der ungehindert durch den Tag träumen kann und dennoch die Realität sieht … das ist ein Mensch der Schmetterlinge lachen hört und auch weiß, wie die Wolken riechen.

Und ein solcher Mensch sieht, hört, schmeckt, riecht, erfährt sein Leben mit allen seinen Sinnen. Und all die Geschichten, die jedes Leben bis zum Überlaufen füllen, drängen sich ihm auf. Egal, wo wir sind, egal, mit wem wir sprechen – überall begegnen uns Geschichten. Meine, deine, Ihre, unsere. Manche ganz kurz, andere eher ausgedehnt. Selbsterlebtes. Miterlebtes. Gehörtes und Gesehenes. Gefundenes und Erfundenes. Empfundenes und Gedachtes. Einige hanebüchen, viele atemberaubend. Sie schillern in allen Farben und Formen und die meisten davon brennen nur darauf, endlich erzählt zu werden, aufgeschrieben zu werden. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind einzigartig. Jede Geschichte hat ihr eigenes Leben. Und wie jedes Leben seinen unschätzbaren Wert hat, so hat auch jede Geschichte ihren Wert. Ihr Verlust wäre ein Jammer. Sobald sie aufgeschrieben sind, werden sie für andere sichtbar und nacherlebbar.

Betrachte, erfahre, erlebe dein Leben mit allen Sinnen. Tauche ein in die Rhythmen der inneren und äußeren Natur. Horche nach innen. Nimm die Empfindungen, Bilder und Gefühle, die aus deinem Inneren kommen einfach nur wahr – ohne sie zu bewerten. Begegne dem wahren wirklichen Leben, den Bedrohungen, den geheimen Sehnsüchten, dem Rätselhaftem im vermeintlich Unscheinbaren. Nähere dich an den geheimen, unerschließbaren Wesenskern der Menschen an und in jenen rätselhaft-dunklen Bereich, wo Selbstbetrug, Lebenslügen und gefährliche Illusionen in den tiefen Schichten menschlichen Erlebens warten. Einfach unter die Oberfläche dringen. Aber Vorsicht: Wer unter die Oberfläche geht, ob Schreiber oder Leser, tut das auf eigene Gefahr.

Nur wenn du siehst, kannst du verstehen. Und nur was du verstehst, intuitiv verstehst, darüber kannst du gut schreiben. Also lasse dich auf neue Wahrnehmungsprozesse ein und entwickle eine achtsame Sinnestätigkeit. Nur Wahrnehmen schafft Realität. Denn dein Schreiben orientiert sich nicht daran, wie die Welt ist, sondern daran, wie du sie wahrnimmst. Und vor allem, löse dich ganz von einengenden Vorstellungen, von Klischees und Denkmustern. Schreiben heißt nicht Kopieren von Stilen, nicht Abklatsch von Vorstellungen, von Begriffen, von Ideen; es ist nicht Nachahmen, sondern bedeutet: Neue geheimnisvolle Wege finden und gehen. Freiheit statt Gefälligkeit. Risiko statt Konformität. Intuition statt Analyse. Wechsle oft und immer wieder die Perspektive

Du wirst erstaunt sein, welches Detail du bemerkst oder welche Idee dich nicht loslässt, wenn du die Welt um dich herum betrachtest und dir die außergewöhnliche Vielfalt alltäglicher Dinge auffallen, die Themen für deine Geschichte ergeben.

Fühlen, Denken und Sprache sind deine Werkzeuge. Hier führt der beste Weg über die Intuition, ein unmittelbares arationales Verstehen, Erkennen oder Einsehen, das unmittelbar und ohne rationale Schlussfolgerung, einfach durch Anschauung zustande kommt.

Laster und Tugenden, dieses tanzende Paar, das sich umeinander dreht, sich abstößt, sich eng umschlingt und ohne einander nicht sein kann, das sind deine Materialien. All die glücklichen, lustigen, tragischen oder traurigen Situationen. Konflikte mit Nahestehenden. Üble Gefühle, unerfüllte Wünsche, eigene Schwächen, verworrene psychische Zustände, Krankheiten, finstere Aspekte der eigenen Vergangenheit: Vater, Mutter, das Geschlechterverhältnis. Allerlei Süchte und Unfähigkeiten. All die vielen Male, wo dich der Teufel reitet.

Führe einen Dialog mit deinem Inneren. Lass dich führen zu deinen Ängsten, Zweifeln, Ungewissheiten und sprich dich mit ihnen aus. Und steige aus den Schubladen aus, in denen du steckst und in die du gesteckt wirst. Jegliches Beurteilen, jedes Sortieren in „angesagt“ oder „unmöglich!“ verstellt die Sicht, verzerrt und verfälscht die Wahrnehmung. Lasse einfach die äußeren und vor allem deine inneren Bilder sprechen

Jeder kann gute Geschichten schreiben. Und jeder lebt in seinen Geschichten weiter. So wird Geschichte aus unseren Geschichten. Nur Mut. Das Leben steckt nun einmal voller Geschichten. Alles, was du brauchst, liegt in dir.

Warum die Amsel singt …

Warum die Amsel singt …

oder warum wir Kunst nicht zu verstehen brauchen

„Jeder möchte die Kunst verstehen. Warum versucht man nicht, die Lieder eines Vogels zu verstehen? Warum liebt man die Nacht, die Blumen, alles um uns herum, ohne es durchaus verstehen zu wollen? Aber wenn es um ein Bild geht, denken die Leute, sie müssen es ‚verstehen‘.“ (Pablo Picasso)

Kunst muss man nicht verstehen. Kunst muss man nicht mögen. Genauso wenig wie man Wissen, Erkennen, Erkenntnisse und Einsichten unserer Mitmenschen verstehen, mögen und teil muss. Kunst ist der Gegensatz zur Natur, künstlich ist alles, was nicht natürlich ist.

Kunst kann man nicht erklären, man muss sie erleben, da sie tief im Innersten eines jeden Menschen verborgen ist.

Kunst ist, den Verstand auszuschalten, dass innere Auge mit Gefühlen und Gedanken koppeln, dann dem entstehenden sichtbaren Ausdruck verleihen, ohne das Ergebnis erklären zu müssen!

Kunst heißt hinsehen, Kitsch und heile Welt heißt wegsehen. Fernsehen ist Wegsehen. Warum Fernsehen, wo doch soviel interessantes und aufregendes außerhalb der vier Wände passiert. Und das ist der entscheidende Unterschied. Dinge aus einer anderen Perspektive sehen, den Blick für die Widersprüche des Lebens schärfen. Er misstraut dem ersten Eindruck misstrauen und den Sinn hinter den Dingen suchen.

Der eine schwärmt vom grandiosen Ausblick auf das Meer, der andere sieht den Schmutz am Strand. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gegensätzlich Personen vom gleichen Ereignis oder über die gleiche Situation berichten und doch jeder von der Richtigkeit seiner Version überzeugt ist.

Kunst ist der Gegenentwurf zur Realität. Realität geht immer wieder den Weg des geringsten Widerstandes, um nicht die Hosen runter lassen zu müssen. Und da nichts so ist, wie es scheint, müssen wir dahinter schauen auch wenn die Angst, dass alles zerbricht, unermesslich wird

Kunst ist Ausdrucksmittel für die eigenen Gefühle und die eigene Sichtweise

Etwas spricht ein oder mehrere meiner Sinne an und bewegt es im Herz, Kunst ist die Möglichkeit, Emotionen für andere lesbar zu machen. Kunst ist Inspiration, eine Einladung jenseits der gewohnten Pfade zu kommunizieren und unendlich vieles mehr.

Maler nehmen den Pinsel in die Hand und lassen ihre Bilder aus sich heraus. Beim Malen lagern sich die Farben Schicht um Schicht übereinander. Dabei wird kein vorgefasster Plan realisiert – es vollzieht sich vielmehr ein allmählicher Wachstumsprozess mit spontanen bildnerischen Entscheidungen bei jedem Schritt.

Wie der Maler mit Farben experimentiert, so der Musiker mit den Tönen, der Lyriker mit Worten

Kunst bietet uns die Pause, in der Zeit stillsteht. Kunst verlangt Mut zu bekennen, Kraft zum Ausdruck. Sie ist die Grundlage mit der wir uns in der Welt orientieren. Und nur mit Kunst sind wir in der Welt

Niemand schreibt uns vor, ob welche Art Kunst wir machen. Niemand! Wer auf Fördergelder scharf ist, muss mit den Wölfen heulen.

Wer als Künstler ernst genommen werden will, der macht SEINE Kunst – Hauptsache, sie ist authentisch und er kann sich zu 100% hinter sein Werk stellen. Er kümmert sich keinen Deut um Moden oder Trends. Er macht sein Ding und achtet nicht darauf, was andere sagen, wenn er nicht zum massen-kompatiblen Gefälligkeits-Künstler werden möchte.

»Kunst ist schön, macht aber auch viel Arbeit«, wusste schon Karl Valentin. Natürlich gehört ein Stück Handwerk zum künstlerischen Ausdruck. Aber es ist nicht der wichtigste Teil. Wer das Handwerk des Zeichnens, Malens, Komponierens, Musizierens und Schreibens beherrscht, dem fällt manches leichter. Aber aus dem Handwerk alleine entsteht keine Kunst. Kunst entsteht nur aus der Kreativität. Und Kreativ sein heißt, auf der Suche sein.

Jeder Mensch ist immer auf seiner persönlichen Suche, auf der Suche nach Erklärungen, auf der Suche nach Freiräumen. Freiräume zu Improvisation und zum Experiment. Zum Finden der richtigen Balance von Struktur und Chaos. Mancher findet nie das, was er sucht, gibt auf, resigniert und lebt stumpfsinnig seine Tage, einfach weil er sich nicht traut, sich mit den unterschiedlichsten Materialien auszudrücken

Das Kunstleben ist ein bunter, vielseitiger Bilderbogen – frei im Klang, in der Farbe, in der Form im Wort. Und es gibt kaum einen direkteren Weg, sich selbst umfassend kennen zu lernen, die eigene Persönlichkeit zu entdecken und auszudrücken als kreatives Gestalten.

Trotz allem: Ich weiß nicht, warum wir Kunst machen. Vielleicht für uns selber, vielleicht für die Betrachter, Hörer und Leser … nein. Vielleicht für die wenigen, die uns für stärker halten, obwohl wir schwach sind.

Auf jeden Fall hat jeder Künstler „ein Reich für sich.“

Abschied von Helden und der guten, alten Zeit

Abschied von Helden und der guten, alten Zeit

… oder was Leser von Romanen erwarten sollen

Was soll denn auf den restlichen 400 Seiten erzählt werden? Seine Beerdigung?“ Mit dieser lapidaren Aussage beschied meine Mutter mein Betteln um noch weitere zehn Minuten Lesezeit, weil es gerade so spannend wäre und sich jetzt entscheiden würde, ob mein Held überleben würde.

Wie alle Kinder hatte auch ich meine Helden. Sie verkörperten Mut, List, Stärke, Abenteuerlust, Improvisationstalent und Fantasie. Sie dienten mir als Spiegel für Wünsche und Träume. Hier fand ich, was der Alltag nicht oder nur in Grenzen zuließ, was ich mich selbst nicht trauten, wie ich sein wollte – oder die Figuren stellten auf liebenswürdige Weise meine eigenen Schwächen vor. Sie lebten mir etwas vor. Sie machten sich auf den Weg, zogen aus, mussten sich in der Fremde bewähren, mit Angst und Aggression umgehen. Was wären Kindheit und Jugend ohne Idole?

Es gibt Romanfiguren, die wir bewundern und lieben, weil sie das Bild eines wirklichen Menschen bewahren: Ja, so war er, so muss er wirklich gewesen sein. Und dann gibt es Figuren, die wir lieben, weil es sie nie und nimmer geben kann, weil sie im Roman aber so erscheinen, als seien solche gelungenen, vollständigen, schönen, klugen, liebevollen Menschen ohne Arg und Falsch eben doch möglich, als könne man ihnen eben doch eines Tages begegnen, weil man ihnen im Roman gerade so glaubwürdig begegnet ist.

Der klassische, romantische Held ist immer vorbildhaft. Er hat feste Werte. Sein Bild vom Menschen und von der Welt, ist auf eine klare Ordnung, mit eindeutigen Werten begründet und auf bestimmte Inhalte reduziert. Die Handlung entwickelt sich nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung und wir können vom Charakter einer Figur auf ihre Handlungen schließen und umgekehrt. Der Held bestreitet Kämpfe, löst Aufgaben, besiegt seine Feinde und erlebt seine Abenteuer. Seine Abenteuer werden benutzt um Lehren zu verbreiten und egal ob es nur Metaphern sind oder der Inhalt für bare Münze genommen werden muss, unterhaltsam sind sie allemal. Bei fast jeder dieser Geschichten entdecken wir den immer gleichen Ablauf.

Das ist verständlich, denn Heldengeschichten und Heldenreisen haben immer auch und vor allem eine moralische Botschaft. Es geht immer um die Fragen: Was ist der Ursprung des Bösen? Was ist ein glückliches Leben? Was ist ein tugendhaftes Leben? So liefern diese klassischen Romane Anschauungsmaterial für tugendhaftes Handeln und zeigen die Auswirkungen von Verantwortlichkeit, Leichtsinn und Boshaftigkeit auf andere Menschen und das eigene Lebensglück.

Das vielleicht beste Beispiel eines romantischen Helden ist Karl Mays Winnetou: Reinheit der Seele, Aufrichtigkeit des Herzens, Unwandelbarkeit des Charakters und stete Wahrheit des Gefühls. Aber auch „Herr der Ringe“ von Tolkien, wo ganz gewöhnliche Helden uns Tugenden und Werte vorleben so wie Frodo, Sam, Merry, Pippin, Aragorn, Gandalf oder Legolas. Hier ist Sam die wichtigste Gestalt der Geschichte, denn nur durch seine Treue und Loyalität wurde letztendlich das gesamte Abenteuer getragen. Sam besitzt mehr heroische Eigenschaften, als auf den ersten Blick sichtbar sind und seine Bedürfnisse sind viel einfacher und nicht so edel wie die von anderen, aber dadurch wirken sie auch um einiges wertvoller.

Helden, in all ihrer übermenschlichen Größe werden aber auch schnell langweilig. Deshalb brauchen wir auch den tragischen Anti-Helden dessen Schwächen und Probleme ihn von dem Dasein eines Helden abhalten. Diese Charaktere haben mehr Tiefe als klassische Helden, oft sind diese Figuren deshalb sogar interessanter. Eines der ersten Beispiele ist Don Quijote von Miguel de Cervantes, dessen Abenteuer und Missgeschicke ungemein erheitern und bewegen, vor allem Don Quijotes geradezu legendärer Kampf gegen die Windmühlen als Allegorie auf den Konflikt zwischen Träume und der allzu harten Realität. Forrest Gump, ein moderner Don Quichotte, zeigt, dass der Held keineswegs ein Krieger sein muss, der seine Prüfungen mit dem Schwert oder zumindest mit seiner Intelligenz meistert. Seine Waffen sind die des unschuldigen Toren – gerade deshalb lieben wir ihn so.

Antihelden liegen wahrscheinlich gar nicht irgendwo zwischen “Wahrer Held” und “Elementarer Bösewicht”, vielmehr ist der Antiheld genau die Grenze zwischen beiden Kategorien. Eine Grenze die zusehends verschwimmt. Einfache Helden, edel und rein langweilen, ebenso die einfachen Schurken und Halunken. Sie sind zu oberflächlich für unsere Gesellschaft geworden und reißen nicht mehr mit.

Natürlich können wir mit dem Konzept des klassischen Helden und seiner Heldenreise gute Unterhaltungsliteratur schreiben. Aber reicht das in der heutigen Zeit noch aus?

Weltbilder verändern sich stetig. Unser Blick auf Identität, Demokratie und Geschlechterrollen ist ein anderer, als der von vergangenen Generationen. Und gerade in Zeiten, die immer komplexer werden, suchen Menschen nach Figuren und Geschichten, in denen sie eine Struktur zu finden hoffen. Wer kann das Rätsel des menschlichen Bewusstseins und der Zeit genau auf den Punkt bringen?

In welcher Situation lebt der Menschen heute? Er wird sich selber immer fragwürdiger und fremder. Er ist unsicher und ohne Orientierungen. Die Kluft zwischen der Welt des schönen Scheins und dem wahren Sein wird stetig größer. Verwahrlosung, Vergnügungssucht, Langeweile, Neugier, Verwilderung der Sitten nehmen zu. Das Streben nach Erhaltung der materiellen Existenz ist das beherrschende Thema und damit auch die Proletarisierung. Geschützt in der Anonymität der Masse, geben Menschen ihre persönliche Verantwortung auf. Die Individualität versinkt in einer Gleichschaltung und versucht sich nur noch in der Tristesse des modernen Freizeitlebens zu unterscheiden.

Diese Zeit braucht neue Geschichten und andere Helden.

Eine Geschichte von heute braucht nicht mehr unbedingt eine stimmige Handlung im klassischen Sinn. Sie kann auch auf den üblichen Spannungsbogen, der auf einen Höhepunkt zuläuft, verzichten. Die beobachtbaren und sinnlichen Wahrnehmungen der äußeren Handlung treten in den Hintergrund. Statt des chronologisch und kausal angelegten Handlungsgefüges des traditionellen Romans überwiegt im modernen Roman das Unverbundene, Zufällige, Sprunghafte. Nicht ein kausal geordnetes Geschehen steht im Mittelpunkt, sondern das im Bewusstsein der Figuren sich spiegelnde Geschehen.

Vorrang hat die innere Handlung, Vorgänge, die sich im Bewusstsein der Figuren abspielen. Oft gibt es einen Widerspruch von innerer und äußerer Handlung.An die Stelle geschlossener Werte- und Moralsysteme traten Uneindeutigkeiten und Pluralismus.

Handlungen sind nicht mehr Zweck und Ziel sondern lediglich ein Transportmittel, ein Vehikel, das das Thema ausreichend trägt. Hier hat der Autor heute alle Freiheiten: von Krimi bis Sciencefiction, vom Historienroman bis zum Gegenwartsdrama, von satirischer Komödie bis zu autobiographisch gefärbten Essays. Die Bandbreite ist unerschöpflich.

Und nun zu den Helden des modernen Romans.

Es gibt keine detaillierte und komplette Beschreibung der Figuren, keine fertigen, abgerundeten Persönlichkeiten. Die Figuren entstehen aus ihren manchmal unglaublichen Handlungen. Missstände, offene Fragen, Unsicherheit, Zweifel haben Vorrang vor der Unterhaltung des Lesers. Metaphysisches Puzzle wäre ein passender Ausdruck.

Statt des sich in allen Lebenslagen und Konflikten behauptenden großen Individuums, des im Positiven wie im Negativen überragenden Menschen kennt der moderne Roman als „Helden“ nur den Durchschnittsmenschen mit allen Schwächen und Gebrechlichkeiten: geängstigt, zerrissen, mittelmäßig, oft verzagend. Figuren sind komplexer, vielschichtiger und unverwechselbarer geworden. Sie werden menschlicher und schwächer.

So dient die Gestaltung der Heldenfigur in zunehmendem Maße der Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen des Menschen in seiner gegenwärtigen Zeitsituation, in seinen Krisengebieten, in seinem Selbstmitleid, seiner Hybris, seiner Jämmerlichkeit, seiner Brillanz, seiner Glücklosigkeit.

Die Autoren stellen sich fundamentalen und existentiellen Fragen, wie Tod, Sinn, Freiheit, Isolation. Hier gibt es kein „richtig“ und „falsch“. Konflikte, Dilemma, Ungereimtes, Groteskes oder Paradoxien sind die Quellen für ihre Geschichten. Darstellung von Kommunikationslosigkeit und eine sich daraus andeutenden Beziehungsunfähigkeit. Unterkühlte und distanzierte Beziehungen, Fremdheit, Erfahrungs- und Identitätskrise: Ausdruck einer unerfüllten Sehnsucht der heutigen Menschen nach Liebe und Geborgenheit. Suche nach der eigenen Identität, Aufarbeiten der eigene Vergangenheit, aber auch Ironie und Vergnügen.

All diese Themen durchschaubar zu machen, ist Aufgabe der Literatur. Es kann nicht ihre Aufgabe sein, verlorene Sinnhaftigkeit wiederherstellen. Begreifbar zu machen, dass Fehler nicht das Ende der Welt bedeuten, wäre eine der wichtigsten Aufgaben der Literatur.

Die besondere Kunst besteht darin, diese Themen in den Texten so zu behandeln, dass sie sowohl für den einfachen als auch für den universellen Leser interessant sind. Denn Romane sollen den Leser unterhalten, im besten Sinn des Wortes. Dabei geht es nicht um ein Loblied auf die Mittelmäßigkeit, oder alberne, populistische Phrasen vom „kleinen Mann“ der als einziger wirklich die Welt versteht, sondern vielmehr darum, eine Vielzahl von Lebenswirklichkeiten darzustellen. Grenzen sind der Kunst nur durch die Kreativität der Künstler gesetzt. Der Erzähler selbst hat eine unsichere Identität und das Dilemma einer brüchigen Selbst- und Weltwahrnehmung.

Das Erzählen, das Schreiben wird zu einer Suche mit völlig ungewissem Ausgang und das ist vor allem auch eine Suche nach der geeigneten Ausdrucksform. In ästhetischer Hinsicht ist der zeitgenössische Roman gekennzeichnet durch den tiefen Zweifel, der Welt mittels Sprache habhaft zu werden. Permanente Selbstreflexionen über seinen Status als Sprachkunstwerk und Fiktion sowie über die Krise des Erzählens gehören zu den Kernpunkten seiner immanenten Poetik. Sie ist verbunden mit erzähltechnischen Experimenten, die das narrative Formenarsenal erweitern – sei es bei der Wahl der Erzählperspektive, der Darstellung von Zeit und Raum oder von Rede- und Bewusstseinsvorgängen. Im Vorgang des Schreibens wie des Lesens entstehen gleichzeitig verschiedene Geschichten, die alle gleichermaßen gültig sind.

So wird die Erzählweise des modernen Romans komplizierter. Es wird nicht chronologisch und nicht linear erzählt, sondern eher fragmentarisch: Das Geschehen muss oft vom Leser rekonstruiert werden. Durch Rückblenden, Erinnerungsmonologe, Assoziationen etc. wird Vergangenes oft in den Fortgang der Handlung eingebaut. Und vor allem wird der Roman nicht mehr vom allwissenden Erzähler aus der Distanz, sondern personal aus der Sicht einer oder mehrerer Figuren. Reflexion tritt an die Stelle von Handlung. Das Erzählen entwickelt sich aus Montage, Collage, Perspektivenwechseln, dem Spiel mit überlieferten Texten der Literatur sowie Wechsel der Erzählsituationen und Redeformen.

Der ständige Wechsel von Erwartung und Enttäuschung, Illusion und Desillusion strukturiert den außerordentlich unterhaltsamen und intelligenten Roman. Ironische Schilderung zwischen Erwartung und Enttäuschung tragen zum Lesevergnügen bei.

Die Sprache selber erfüllt viele Aspekte: ästhetisch und poetisch soll sie sein, aber auch komisch, respektlos und vulgär. Und das alles zugleich. Das Wie ist in der Literatur immer wichtiger als das Was.

Das erscheint schwierig. Und wenn etwas schwierig erscheint, dann macht es Schwierigkeiten. Meistens dem Leser. Die meisten Genussleser suchen im Buch weniger den Lebenslehrmeister als vielmehr ein Leben in der Möglichkeitsform; sie wollen spielerisch in fremde, andere, aufregendere Lebens- und Weltverhältnisse eintauchen, als sie ihnen ihr banaler Alltag bieten kann. Das Spiel, das Vergnügen am sprachlichen Gedankenspiel, am phantastischen Kopf-Kino steht bei diesen Lesern eindeutig im Vordergrund.

Der Leser zeitgenössischer Literatur muss die logischen Verknüpfungen selbst herstellen. Er muss die komplexen Deutungsangebote des Textes erfassen. Er wird gezwungen, kritisch zu lesen. Er wird gezwungen, selber zu denken. So wird er zu einer Art Mit-Autor: Er konstruiert sich seinen eigenen Sinngehalt. Statt ihn mit Theorien und Welterklärungen zu befriedigen, erzählt sie ununterbrochen Spielvorschläge, die variiert, abgebrochen, aber auch erweitert werden können. Das setzt natürlich den universellen Leser voraus, der auf solche Zumutung selbst die Antwort geben muss.

Für mich eines der besten Beispiele ist „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco: Auf schalkhafte, raffinierte und geistreiche Weise parodiert der auch für sein enormes kulturgeschichtliches Wissen bekannte Semiotik-Professor die Hermeneutik und führt vor, dass sich immer und überall scheinlogische Zusammenhänge konstruieren lassen, mit denen sich dann auch alles plausibel erklären lässt. Indem er historische Ereignisse in einen neuen Kontext stellt, erzählt er die Weltgeschichte neu. Der Schein trügt! Das begreifen wir spätestens nach der Lektüre dieses ebenso dicken wie amüsanten Romans.

Dieses Buch hat alles was Romane heute brauchen: Überraschungs-, Provokations- und Irritationspotenzial, das den Leser zwingt, die vielschichtigen und sich eindeutigen Interpretationen entziehenden Texte zu entschlüsseln, Texte deren Dramaturgie statt um ein zentrales Moment um mehrere kreisen. Themen, Bilder und Ausdrucksformen, die möglicherweise auch befremden. Es sind Bücher oder Texte, die ein zweites Mal zu lesen unbedingt reizvoll ist, denn man sieht es dann mit anderen Augen.

Und da erhebt sich die Frage, Wozu ist Literatur noch gut in Zeiten, in denen Belehrung und Aufklärung und das Vermitteln von Ideen, Programmen oder Informationen besser durch andere Medien geleistet werden? Was erwarten wir von Literatur? Was soll sie? Aufarbeiten, anklagen, plädieren, therapieren? Oder soll sie etwas aus und über uns erzählen, was wir selbst vielleicht noch nicht wussten, jedenfalls noch nicht so? Soll sie etwas in Sprache fassen, was als individueller oder gesellschaftlicher Zustand präsent, in Schwingungen spürbar, aber noch nicht formuliert ist? Ein Bewusstsein, eine Angst, eine Bedrängung?

Ich erwarten heute von der Gegenwartsliteratur, dass sie dem Nichtdarstellbaren eine sichtbare Darstellung verleiht, dass sie Geschichten erzählt, die ständig parallel verlaufen, chaotisch sind. Die in den Vordergrund treten, sich verstecken und sich gegenseitig ins Wort fallen. Die sich verknüpfen und sich durchbrechen, sich umgehen, sich überschneiden und sich gegenseitig bespitzeln, sich verraten und in die Irre führen. Geschichten die Spuren legen und sie wieder verwischen, und vor allem Geschichten die in sich noch Abertausende von anderen Geschichten bergen. Und das in einer Form, die mich gut unterhält.

Seelenarbeit – Kopfarbeit – Arscharbeit

Seelenarbeit – Kopfarbeit – Arscharbeit

oder was ist besser: spontanes oder konzeptionelles Schreiben

Fast jeder Zweite in Deutschland glaubt, dass in ihm ein verhinderter Autor steckt. So auch ein bekannter Herzchirurg, der auf einer Veranstaltung einen ebenso bekannten Autor traf:

Ah, Sie sind Autor, das ist interessant. Ich werde auch ein Buch schreiben. Irgendwann nehme ich mir mal sechs Wochen Urlaub und dann schreibe ich meinen Roman“ „Sehr gut“ antwortete der Autor. „Geben Sie mir dann Bescheid. Während Sie Ihren Roman schreiben, übernehme ich Ihre anstehenden Herzoperationen.“

Vielleicht schreibt der Chirurg sein Buch. Es wird dann eines sein unter rund einer Million Manuskripte, die bei deutschen Verlagen pro Jahr eingereicht werden und von denen über 920.000 abgelehnt werden.

Das Leben sei eine Anstrengung, die einer besseren Sache Wert wäre, meinte der Aphoristiker Karl Kraus. Dem füge ich hinzu, dass auch manche Lektüre eine Anstrengung bereitet, die eines besseren Buches Wert wäre. Ja, manche Lektüre wird sogar zur Zwangsarbeit.

Viele, die am Schreiben Interesse haben beginnen mit spontanem, impulsiven, kreativen Schreiben. Das bedeutet, Schreiben, bevor man denkt. Dieses spontane Schreiben eignet sich nicht nur für Menschen, die gerne schreiben, sondern für alle, die mit ihren Themen oder Fragen oder Problemen weiter kommen oder die aus einem Stau in Fluss kommen möchten. Das ist Seelenarbeit:

Darauflos schreiben – munter oder mutig, manchmal auch missmutig, freimütig oder mühsam. Ohne Zensur, ohne Ziel, am besten ohne Erwartung – einfach schreiben, was in den Sinn kommt. Und wenn nichts kommt, dann einfach spüren, wie sich dies anfühlt, und dies beschreiben.

Kreatives Schreiben erhöht die Ausdrucksfähigkeit der Schreibenden, d. h. sprachlose Zustände werden entschärft. Durch das Formulieren persönlicher Ansichten und Gefühle wird Erlebtes und Erfahrenes be- und verarbeitet.

Was dabei herauskommt, ist nicht unbedingt ein Werk, das man für sich und seine Nachkommen aufbewahren muss. Aber eines ist sicher: Sprachlosigkeit und Unfähigkeit sich und seine Gefühle verständlich zu machen, wird überwunden.

Viele haben gute Erfahrungen mit einem Schreibjournal, einer Art Tagebuch gemacht. Hier ist alles erlaubt: Sie dürfen Fehler machen, Sie dürfen kritzeln, Sie dürfen durch- und unterstreichen, Sie dürfen ganz klein und ganz groß schreiben, Sie können Seiten leer lassen oder proppenvoll schreiben. Einfach schreiben, so wie es Ihnen gefällt.

Zusätzlich entsteht ein riesiger Schatz an Ideen, Personen, Situation, Orten, Beschreibungen und Formulierungen, die alle für konzeptionelles Schreiben verwendet werden können.

Es gibt viele Anleitungen zum kreativen, zum impulsiven Schreiben. Sie suggerieren, habe man einmal begonnen, dann sprudelten die Worte und Sätze nur so aus einem heraus. Man müsse einfach nur beginnen. Das stimmt, wenn man es beim spontanen Schreiben belässt. Ein Irrglaube, wenn es an das konzeptionelle Schreiben, an die Kopfarbeit geht. Alle verschweigen eines, Ernst und die Mühen des Schreibens.

Ist auch kein Wunder, dass die meisten dieser Ratgeber das mühelose Schreiben predigen, das jeder könne. Denn immerhin sind große Teile der Menschen, die sich für einen verhinderten Autor halten, auch bereit nicht unerhebliche Beträge, als Druckkostenzuschuss oder Ähnliches getarnt zu zahlen, damit sie IHR Buch gedruckt in Händen halten. Die Umsätze und Gewinne von all diesen Verlagen, die Books on Demand (Buchdruck auf Nachfrage) anbieten, steigen und steigen.

Für manche ist das thematische, konzeptionelle Schreiben mit unangenehmen Gefühlen und mit Widerstand besetzt. Diese erleben durch spontanes Schreiben eine Befreiung. Sie finden den kreativen Fluss, der ja auch für das konzeptionelle Schreiben notwendig ist.

Aber für jeden kommt früher oder später der Punkt, wo er sich sagt: „Eigentlich könnte ich ja mal an ein richtiges Buch denken, veröffentlicht in einem seriösen Verlag. Dann beginnt die Kopfarbeit:

Wenn jemand mit einer Geschichte, einer Romanidee „schwanger“ geht, dann muss er sich Zeit lassen und die Geschichte von allen Seiten betrachten, bis sich der Kern der Geschichte herauskristallisiert hat. Wenn er jetzt in einem drei – bis vierseitigen Exposé die Hauptereignisse der Handlung festlegt, die wichtigen Eigenschaften der handelnden Personen zusammenfasst, wie z. B. Alter, Beruf, äußere Erscheinung, Stärken und Schwächen, sodass ihre Charaktere zu alten Bekannten werden, dann hat er eine gute Grundlage.

Anhand dieses Exposés stellt er auch fest, welches Material er noch braucht. Wer nie ein Polizeirevier von innen gesehen hat, kann nur schwerlich über die Polizeiarbeit z. B. bei einem Krimi schreiben. Wer noch nie den Nachtdienst in einer Klinik, die Arbeit in einer Unfallstation gesehen hat, kann sich kaum in die Köpfe von Mitarbeitern hineinversetzen.

Wenn er dann noch die Fragen klärt: „Mit was beginnen? Welche Konflikte ansprechen? An welchen Personen und Situationen die Konflikte sichtbar werden lassen? Welche Lösungen anbieten? Wo die Höhepunkte setzen?“ Dann hat er eine solide Vorarbeit und das Grundgerüst der Geschichte steht,

Und jetzt kann er sich auf den „Arsch“ setzen und mit dem eigentlichen Schreiben beginnen. Schreiben, ohne groß an die perfekte Formulierung zu denken. Einfach runter schreiben, so wie es einem einfällt. Schreiben muss auch nicht immer heißen, vollständige Sätze zu verfassen. Manchmal fallen zu einem Kapitel einfach nur Stichworte ein, einzelne Begriffe, Fragmente und Satzteile: Einfach notieren so, wie sie gerade in den Sinn kommen.

Dann den Text liegen lassen. Eine Woche, zwei Wochen. Und den Text von einem guten Freund lesen lassen. Und dann beginnt das Überarbeiten, der zweite Teil der „Arscharbeit“:

Wort für Wort das treffendere Wort suchen. Satz für Satz die bessere Formulierung, den passenderen Vergleich finden. Verdichten. Streichen. Und so braucht es oft viele Stunden und vielleicht zehn oder zwanzig Manuskriptseiten, bis eine perfekte Seite geschrieben ist.

Egal ob spontan und impulsiv, oder konzeptionell und strukturiert, Schreiben sollte immer ambitioniert sein. Und das bedeutet nicht, dass der Wert des Schreibers durch einen empirisch fragwürdigen Beweis belegt wird, etwa in der Spiegel-Bestseller-Liste aufgetaucht zu sein.

Wenn der Autor seinem Publikum Wissen, neue Ideen, neue Perspektiven und Freude schenkt, dann reicht das. Ja und wer ist denn nun dieses Publikum? Es sind mit Sicherheit mehr als eine Person. Ob Texte von zwei Personen oder von zwei Millionen gelesen werden ist egal. Wenn dieses Publikum, diese Personen etwas vom Autor bekommen, das ihnen wichtig erscheint und woran sie sich erfreuen, dann kann jeder zufrieden sein.

Ich schreibe, um Freude zu bereiten” sagte Thomas Mann und Max Frisch bemerkte “Ich schreibe, um etwas festzuhalten, das ich miterlebt habe; sonst wäre es verloren.”

Sind das nicht Gründe genug, um zu schreiben?