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Rezension: Die Taufe – Ann Patchett – Berlin Verlag

Familien und ihre Geheimnisse

Die Taufe – Ann Patchett (Autorin), Ulrike Thiesmeyer (Übersetzerin), 400 Seiten, Berlin Verlag (2. Mai 2017), 22 €, ISBN-13: 978-3827013446

Die Geschichte beginnt in den frühen 1960er Jahren. Fix Keating, ein Polizist, verheiratet mit der wunderschönen und verführerischen Beverly. Ihre Tochter Franny wird getauft und sie haben zu einer Party eingeladen. Dort erscheint uneingeladen auch Albert Cousins, stellvertretender Bezirksstaatsanwalt. Er wollte bloß der Langeweile mit heulenden Kleinkindern und seiner müden schwangeren Frau Teresa an einem Sonntagnachmittag entkommen. Er bringt eine große Flasche Gin mit. Der Inhalt wird eine ganze Familie auflösen.

Die Geschichte entfaltet sich zwischen dem Leben der Familien Keating und Cousins in den nächsten fünf Jahrzehnten.

Als sie 30 Jahre alt ist beginnt Franny Keating eine Beziehung mit dem renommierten Schriftsteller Leon Posen, ein viel älterer Mann, der dringenden Inspirationen für ein neues Buch braucht. Die Geschichten, die Franny ihm von ihrer Kindheit erzählt, bilden die Basis für sein Bestseller-Comeback. Die Auswirkungen dieses Romans, und die Geheimnisse, die er enthüllt, verwendet Ann Patchett, um uns die Geschichten von 10 Personen zu erzählen: die sechs Keating-Cousins Kinder und ihre vier Eltern.

Das klingt zunächst wie eine große Familiensaga mit all ihren Verwicklungen, Tragödien und Momenten des Glücks. Ist sie auch. Aber sie ist noch mehr: Wie die Familien sich erinnern und sich selbst beurteilen, wird zu einem der wichtigsten Themen des Romans. Welche Familiengeschichten gehören uns allein? Wer bringt falsche Teile in unsere Geschichte? Wie entwickeln sich Schuld und Vergebung über die Generationen? Und vor allem gibt uns die Autorin tiefe Einblicke in die realen und emotionalen Auswirkungen der Entwurzelung von Familien.

Patchett wählt eine episodische Struktur, indem sie zwischen den Charakteren und Jahrzehnten wechselt und Details herauszieht. So gelingt es ihr, wie in einem überreichen Teppich eine faszinierende Geschichte zu weben.

Um eine Geschichte mit 10 Protagonisten zu schaffen, die sich über 50 Jahre erstreckt – und viele Orte verteilt ist, das ist schon ein Balanceakt, der große Erzählkunst erfordert. Und Ann Patchett ist eine meisterliche Geschichtenerzählerin. Vor allem versteht sie es perfekt etwas zu zeigen, anstatt nur zu beschreiben. Sie schreibt voller Witz und Wärme, nuanciert, sehr komplex und vor allem authentisch.

Ein kluger, aufregender Roman, ernst und anspruchsvoll, dabei von einer erfrischenden Ehrlichkeit, durch die er besonders vergnüglich zu lesen ist. Ein Genuss, den Sie sich nicht entgehen lassen sollten.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages

https://www.piper.de/buecher/die-taufe-isbn-978-3-8270-1344-6

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

Rezension: Die Perlenfrauen – Katie Agnew – Heyne Verlag

Perfekte Urlaubslektüre

Die Perlenfrauen – Katie Agnew (Autorin), Jens Plassmann (Übersetzer), 560 Seiten Heyne Verlag (13. Februar 2017); 9,99 €, ISBN-13: 978-3453420298

Sophia Beaumont-Brown war ein IT-Girl. Sie hat ein privilegiertes Leben geführt. Jetzt befindet sie sich in einer Abwärtsspirale mit Alkohol und Drogen. Von ihrer Familie entfremdet lebt sie zusammen mit ihrem Freund Hugo. Nur ihre Großmutter Tilly Beaumont schickt ihr vom Krankenbett Briefe über die Kriegszeiten, über Familiengeheimnisse und auch über das Schönste, was sie jemals besaß – eine Kette der unglaublichsten Perlen.

Ist Sophia bereit ihr zuzuhören? Wird sie die geheime Geschichte von Generationen unglaublicher Frauen, von den Perlen-Tauchern von Japan bis zur High Society im Vorkriegs-England begreifen und verstehen, dass die Halskette das Leben von allen verändert hat, die sie getragen haben.

Diese kostbare Perlenkette, die Tilly Beaumont von ihrem Vater zum 18. Geburtstag erhalten hat. Eine Halskette, die Sophias Mutter zum 18. Geburtstag übergeben wurde, aber jetzt verschwunden ist. Es ist der Wunsch der sterbenden Tilly, dass sie mit ihrer kostbaren Halskette vereint ist und Sophia macht es zu ihrer Mission, den Wunsch ihrer Oma zu erfüllen.

Das Buch berührt die Themen Familie, Leben, Liebe und Hingabe. Kann sich Sophia von ihrer einsamen und leeren Existenz befreien und für sich selber eine Lösung finden? Es ist eine weitläufige, abwechslungsreiche Saga, die sich nicht nur über Jahrzehnte erstreckt, sondern auch über die ganze Welt, eine Geschichte, die uns nach London, New York und Tokio bringt.

Ein aufregender, ja fast atemberaubender Roman über Sophias Suche nach den Perlen. Gleichzeitig lernen wir viel über die Geschichte der Perlen selbst. Die klare chronologische Ordnung macht es dem Leser einfach, der Handlung zu folgen und Katie Agnew findet immer neue, überraschende Wendungen.

Katie Agnew versteht es meisterhaft, drei Geschichten über drei bemerkenswerte Frauen zu einem perfekt abgestimmten Puzzle zu verknüpfen. Sie schildert uns die Beziehung zwischen drei Generationen von Frauen aus der gleichen Familie mit emotionalen Kraft und mit einem scharfen Auge für die dunklen Realitäten der Berühmtheit. Die Autorin liefert uns überaus lebendige Beschreibungen von Einstellungen, Hauptfiguren und Objekte, die blendenden Lebensstile, die komplexen Familienbeziehungen, und mit einem Schuss süßer Romantik wird diese Geschichte ganz perfekt.

Diese angenehm zu lesende und faszinierende Familiensage wird Sie fesseln und bis zu ihrem dramatischen Ende begeistern. Ein bezauberndes Buch.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Heyne Verlages

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Perlenfrauen/Katie-Agnew/Heyne/e504781.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de