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Rezension: Der Sündenfall von Wilmslow – David Lagercrantz – Piper Verlag

Der steinige Weg eines Wissenschaftlers

Der Sündenfall von Wilmslow – David Lagercrantz (Autor), Wolfgang Butt (Übersetzer), 464 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (2. Mai 2017), 11 €, ISBN-13: 978-3492310604

England 1954: Inspiriert von McCarthy in den USA werden Spione, Kommunisten und Homosexuelle gejagt. Niemand ist daher überrascht, als man einen verurteilten Homosexuellen, einen Mathematiker namens Alan Turing in Wilmslow, in seinem Haus in der Adlington Straße tot auffand. Es wird allgemein angenommen, dass er die Demütigung als verurteilter Homosexueller nicht ertragen konnte. Aber der junge Detektiv Constable Leonard Corell, mit einem Hang zum wissenschaftlichen Leben, vor allem zu der höheren Mathematik, stellt eine Reihe von Fragen: Warum der Mann sich mit einem mit Zyankali vergifteten Apfel umgebracht hat? Wofür er einen Orden erhalten hat, den er anscheinend verborgen halten wollte? Und was sind es für seltsame Paradoxien an und mit denen Turing arbeitete und was können diese Widersprüche für sein Leben und seinen Tod bedeuten? Immer mehr beschleichen dem jungen Kriminalisten Zweifel an der Selbstmordtheorie, zumal seine Ermittlungen merkwürdigerweise von höheren Stellen blockiert werden.

„Der Sündenfall von Wilmslow“ beginnt wie ein Krimi. Und obwohl Corell ein Detektiv ist und obwohl sein Bemühen um Erkenntnisse in diesem Fall nicht ohne Erfolg sind, ist es kein Detektivroman. Und obwohl der Verdacht auf Spionage immer mitspielt, ist es kein Spionage-Thriller. Vielmehr handelt es sich um einen historischen und gesellschaftspsychologischen Roman.  Es ist eine gelungene Mischung aus Krimi, Biographie, Psychologie und Wissenschaft. Es ist eine spannende literarische Spurensuche über das Leben des britischen Wissenschaftlers Alan Turing. Brisanz gewinnt das Buch vor allem auch dadurch, dass Turing während des Krieges und danach Mitarbeiter des Geheimdienstes war und der zukunftsweisende Visionen von selbstdenkenden Maschinen entwickelte.

Erzählperspektive des Kriminalisten Corell historische Fakten und literarische Fiktion auf eindrucksvolle Weise zu verweben, um facettenreich das Leben des genialen Britten lebendig werden zu lassen.

Zwei Charaktere bestimmen das Buch: Corell ist ein überzeugender Charakter, der durch ein Gefühl sozialer Unzulänglichkeit gepaart mit vereitelten akademischen Ambitionen behindert wird. Doch der wahre Star des Buches ist Turing, und dieses Buch enthält eine Fülle von Details über sein Leben und seine Theorien. Lagercrantz zeigt uns, wie schlecht Turing von britischem Beamten behandelt wurde, trotz seines entscheidenden Beitrags zum Sieg der Alliierten.

Ein fesselnder und großer Roman über Alan Turing, der Mann, der den Computer mit entwickelt hatte und mithalf den Zweiten Weltkrieg zu verkürzen. Und der in den Tod getrieben wurde, weil er zu unterschiedlich war.

David Lagercrantz, geboren 1962, ist ein anerkannter schwedischer Autor und Journalist, der dokumentargeschichtliche Romane und Biografien über schwedische Erfinder und andere gesellschaftliche Größen verfasste, bevor er sich der Belletristik zugewandte. Deutschen Lesern ist Lagercrantz durch seine Biografie über den Fußballer Zlatan Ibrahimovićs und als Autor des vierten Teils von Stieg Larssons „Millennium“-Serie bekannt.

Hier gelingt ihm eine gekonnte Verschmelzung zweier Erzählformen: die sympathische Biographie einer echten geschichtlichen Figur, die schrecklich von der Einrichtung behandelt wurde, und ein Polizeiprozess, in dem ein hartnäckiger Kriminaler versucht, unnachgiebig ein Geheimnis zu knacken So gelingt ihm eine ungewöhnlich vielschichtige, ausgezeichnete Innenansicht auf einen der einflussreichsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts.

Beeindruckender Schreibstil und eine komplexe Handlung: absolut lesenswert.

 

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https://www.piper.de/buecher/der-suendenfall-von-wilmslow-isbn-978-3-492-31060-4

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

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Rezension: Wir müssen über Kevin reden – Lionel Shriver – Piper Verlag

Der Alptraum eines jeden Elternteils

Wir müssen über Kevin reden – Lionel Shriver (Autorin), Christine Frick-Gerke (Übersetzerin), Gesine Strempel (Übersetzerin), 560 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (2. Mai 2017), 11 €, ISBN-13: 978-3492310512

Eva wollte nie wirklich eine Mutter sein, und sicherlich nicht die Mutter dieses Jungen, der sieben seiner Mitschülern, einen Cafeteria-Arbeiter und einen vielverehrten Lehrer ermordet hatte

Das Buch erzählt die Geschichte eines High-School-Massakers. Dieses Szenario, nicht nur in den USA sondern auch in Deutschland bekannt und gefürchtet, fordert die Frage nach dem „Warum?“ geradezu heraus. Die einen sehen die Ursachen in zu laschen Waffengesetzen, während die andere seite die explizite Gewalt im Fernsehen, Videospiele, Filme und Musik anprangern, die die Grenze zwischen Täuschung und Realität aufhebt.

Doch Kevin benutzte keine Pistole und hatte auch keinen Zugang zu gewalttätigen Medien. Er war auch nicht der gemobbte Ausgestoßene, der nach Rache dürstete  und er war auch nicht irgendein unüberwachtes Schlüsselkind.

Jetzt, zwei Jahre später, ist es Zeit für Eva Khatchadourian, sich mit Ehe, Karriere, Familie, Elternschaft und Kevins schrecklichem Amoklauf in einer Reihe von überraschend direkten Briefen mit ihrem getrennt lebenden Ehemann Franklin auseinander zu setzen. Eva befürchtet, dass ihre Abneigung gegen den eigenen Sohn dafür verantwortlich sein könnte, ihn so aus der Bahn zu werfen.

Lionel Shriver schreibt eine tiefe und kühne Untersuchung des Elternseins, indem uns zeigt, wie viel (oder wie wenig) Eltern dafür verantwortlich gemacht werden können, was aus ihren Kinder wird.

Das Buch erforscht die Anforderungen durch eine Mutterschaft und die traumatischen Auswirkungen, die es auf eine Ehe haben kann. Evas Gefühl der Niederlage bei der Geburt ihres Sohnes Kevin, ihr Versagen zu stillen und die vielfältigen Schwierigkeiten, die sie mit dem schlaflosen, schreienden Kind erlebt, sind vielen vertraut. Doch Shriver schreibt nicht über gewöhnliche Mutterschaft oder einen gewöhnlichen Jungen. Kevin ist ein Monster.

Eva findet keine Antworten, nur Schuld, viel davon auf sich selbst gerichtet. Nur ein schwarzes Loch, das sie langsam in einen unerklärlichen Wirbel zieht.

Ein nachdenklicher und zutiefst beunruhigender Roman über eine Mutter. Ein durchaus schreckliches Buch. Sie können es nicht genießen, aber Sie werden die Dinge anders sehen, und das ist genau das, was ein gutes Buch tun sollte. Deshalb müssen Sie es unbedingt lesen.

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https://www.piper.de/buecher/wir-muessen-ueber-kevin-reden-isbn-978-3-492-31051-2

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Rezension: Maestra – L.S. Hilton – Piper Verlag

Intelligenter Erotikthriller

Maestra – L.S. Hilton (Autorin), Wibke Kuhn (Übersetzerin), 384 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (2. Mai 2017), 9,99 €, ISBN-13: 978-3492311090

Judith Rashleigh hatte eine schwierige Kindheit, die ihre tiefe Wut beeinflußt hatte. Ihre Mutter trank, sie wurde in der Schule gemobbt und aus ihrem Haus vertrieben. Aber sie entdeckte auch Museen und eine Liebe zur Kunst und arbeitete sich durch das Studium. In ihren 20er Jahren erhält sie ihren Traumjob in einem großen Londoner Auktionshaus. Dort merkt sie schnell,  dass ihr Lohn niedrig ist und ihre Chefs sich mehr um Geld als um Kunst kümmern. Nebenbei arbeitet Judith in einem Club, in dem attraktive junge Frauen reiche ältere Männer dazu überreden, überteuerten Champagner zu bestellen.

Kreuzfahrten, reiche Männer, heftigen Sex, teure Kunst, rücksichtslose Ehrgeiz, Morde und unersättlicher sexueller Appetit, so bewegt sich Judith durch Europa auf der Spur eines großen Kunstbetrugs. Eine gekonnte Mischung aus Krimi, Thriller und „Fifty-shades-of Grey.“ Aber es ist mehr.

Mir scheint es eher ein Porträt einer soziopathischen Frau mit einem unersättlichen Appetit auf sexuelle Abenteuer zu sein. Das Portät einer Frau, die einfallsreich, ehrgeizig, intelligent, sogar amoralisch und sadistisch ist, ja manchmal auch bösartig.

L.S. Hilton schreibt nicht nur gut über Sex, sie schreibt gut über alles andere. Sie könnten die Sex-Szenen schneiden und „Maestra“ wäre noch immer ein faszinierender Roman über eine junge Frau. Sie schreibt über Judiths Liebe zur Kunst und teure Kleidung mit der gleichen Leidenschaft, die sie auf ihren Orgien verwendet. Die Kunstwelt ist gut dargestellt, ebenso wie die verschiedenen Orte der Handlung.

Mich hat das Buch etwas schockiert, weil die Welt, die es porträtiert, sich so deprimierend rückständig anfühlt. Männer haben Geld, Macht, Yachten und Hedgefonds. Frauen sind Einwegzubehör. Sie können zwar die Männer überlisten oder sie zu ihrem eigenen Vorteil manipulieren, aber das wesentliche Gleichgewicht der Macht bleibt unverändert. Frauen in diesem Roman haben keine Macht und keinen Status, der nicht durch Sex verliehen wird.

Trotzdem allem, ein außergewöhnliches und unterhaltsames Buch, eine gute Mischung aus Sex, Verbrechen und Kunst.

Hervorragend geeignet für Leser, die eine gut geschriebene Geschichte wollen, die eine Heldin mit Profil wollen, die aussagekräftige Sexszenen wollen, die nichts der Phantasie überlassen.

Insgesamt eine gute Urlaubslektüre.

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Rezension: Die Hatz – J.M. Peace – Piper Verlag

Die Jagd ist eröffnet: ein Rennen gegen die Zeit

Die Hatz: Thriller – J.M. Peace (Autorin), Sina Hoffmann (Übersetzerin), 320 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (3. April 2017), 9,99 €, ISBN-13: 978-3492310475

Sammi (Samantha Willis) ist Polizistin in der Kleinstadt Angel’s Crossing. Nach einem Streit mit ihrem Freund Gavin, nimmt sie sich eine kurze Auszeit von einer Nacht in Brisbane um mit ihrer Freundin Candy um die Häuser zu ziehen. In der letzten Bar will Candy noch bleiben. Sammi macht sich zufuss auf den Weg zu Candy Wohnung. Da verliert sich ihre Spur. Ihr Freund Gavin meldet sie als vermisst.

Wie sich herausstellt, ist etwas Unheimliches passiert. Sammi wurde von einem Verrückten entführt, der sie in den unversöhnlichen australischen Busch bringt, um sie quasi als Sport zu jagen. Er will ein schreckliches Spiel spielen, in dem sie die Beute ist und er der Jäger. Er weiß nicht, dass sie Polizistin ist

Detective Senior Constable Janine Postlewaite und ihre Kollegen können bald Sammis Verschwinden mit ähnlichen Fälle verknüpfen.

Der Roman bietet uns im Wesentlichen zwei Blickwinkeln: wir haben die Gelegenheit, der Polizei-Untersuchung zu folgen und auch Sammis Kampf ums Überleben in den Händen eines Serienmörders zu erleben. Sammi kämpft, um im Busch zu überleben, und spiegelt sich genau in der Entschlossenheit der Detektivin Janine Postlewaite wieder, sie lebendig zu finden.

Beide Charaktere sind sehr realistisch, stark und sympathisch. Die Kontraste der verschiedenen Persönlichkeiten und verschiedene polizeiliche Erfahrungen, halten die Geschichte frisch am Laufen.Und wir bekommen auch einen Einblick in unseren Wahnsinnigen, einen kühlen Charakter, für den die Jagd ein Sport ist.

Der Debütroman „Die Hatz“ ist geschrieben von einer noch aktiven australischen Polizeibeamtin. Sie weiss wovon sie redet. Und das merkt man diesem sehr autenthischen Roman an, der überaus überzeugend gelungen ist. Im Unterschied zu manch anderem, auch von Polizisten geschriebene Kriminalromane, die mich eher an einen Polizeibericht erinnern

Es ist ein rauer und glaubwürdiger Roman, hart und aufregend, mit perfektem Tempo. Empfehlenswert für alle, die einen straffen, zügigen Thriller lieben, der ohne großes psychologisches Brimborium um das Seelenleben des Serienmörders auskommt. Ein atemberaubender Thriller.

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https://www.piper.de/buecher/die-hatz-isbn-978-3-492-31047-5

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Rezension. Ein Weinberg zum Verlieben – Kayte Nunn – Piper Verlag

Wie ein leichter, prickelnder Sommerwein

Ein Weinberg zum Verlieben – Kayte Nunn (Autorin), Ursula C. Sturm (Übersetzerin), 384 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (3. April 2017), 9,99 €, ISBN-13: 978-3492309691

Das ist ein Roman über Wein, Essen, Romanzen und Freundschaften. Angesiedelt im Weingebiet Shingle Valley.

Das Buch kommt mir vor wie ein leichter prickelnder Sommerwein. Nicht zu sehr komplex, aber sehr angenehm zu trinken.

Worum geht’s? Rose Bennett, eine Engländerin nimmt einen Job als Haushälterin auf dem Weingut von Mark Cameron in Australien an. Ihr Bruder hat das vermittelt und er verfolgt dabei auch eigene Interessen. Er, selbst in Weingeschäften tätig, will mehr über dieses Weingut herausfinden.

Was folgt ist eine warmherzige und sehr gut lesbare zeitgenössische Romanze in einem australischen Weinberg. Rose in der Mitte einer Reihe von liebenswerten, exzentrischen Charaktere, darunter zwei goldige Kinder und ihre etwas schwieriger Vater.

Die Hauptperson Rose ist perfekt dargestellt, ein runder Charakter, abergläubisch, impulsiv und gelegentlich mürrisch, aber auch großzügig, loyal, freundlich und geduldig. Und alle kleineren Charaktere haben ihre eigene Geschichte zu erzählen, die schön mit Roses Geschichte verbunden ist.

Genießen Sie die Reise von Rose, die ihre Liebe zum Kochen wiederentdeckte und ihren Weg durch eine Vielzahl von Schwierigkeiten geht, um endlich die wahre Liebe zu finden. Entdecken Sie heidnische Feuerstellen, bizarre Weinproben und ein Tal voller exzentrischer Einheimischer, Rose wünscht nur, dass sie irgendwo hingegangen wäre, wo es ein bisschen wärmer wäre. Aber als sich das Wetter bessert, zeigt das Tal seine Schönheit, und Rose beginnt sich zu verlieben: in das Tal, in die Weine, in die beiden Kindern, um die sie zu kümmert, und in einen der Männer dort. Wird Rose eine Zukunft in Shingle Valley finden, oder wird sie gezwungen sein, zu gehen?

Eine schöne Geschichte mit vielen Wendungen und darin eingeflochten eine perfekte Beschreibung der australischen Landschaft und viele Informationen über die Weinherstellung.

Es ist der erste Roman von Kayte Nunn. Sie war Herausgeberin des Gourmet Traveller WINE und ist heute freie Redakteurin für die Gebiete Kayte Reise, Gesundheit, Balance, Elternschaft und Lifestyle. Man merkt deutlich, dass sie weiß, worüber sie schreibt.

Perfekte Lektüre für einen faulen, bequemen Sommer-Sonntag-Nachmittag. Ein unterhaltsames Lesevergnügen für Romantikfans, mit einer charmant normalen Heldin und eine köstliche Weinkellerei.

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https://www.piper.de/buecher/ein-weinberg-zum-verlieben-isbn-978-3-492-30969-1

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Rezension: Das stille Gift – Nicola Förg – Piper Verlag

Kranke Kühe, gierige Menschen

Das stille Gift: Ein Alpen-Krimi – Nicola Förg (Autorin), 320 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (3. April 2017), 9,99 €, ISBN-13: 978-3492311052

Ein Metallteil fliegt zwei Touristen aus einem Güllefass wie ein Katapult um die Ohren Das ist der Auslöser für die Suche nach einem seit vier Jahren verschwundenen Mann. Irmi Mangold und Kathi Reindl finden heraus, zu wem das Metallstück, Teil einer künstlichen Hüfte gehörte. Die Geschichte des Bauern ist ein Albtraum. All seine Kühe verenden an einer rätselhaften, schleichenden Krankheit, und schließlich gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihm selbst.

Und so geht es hier nicht nur um Mord, sondern um Botulismus, das Herbizid Glyphosat, Biogas-Anlagen, Monokulturen, Subventionen und vieles mehr. Nicola Förg hat offensichtlich gut recherchiert, und man spürt bei der Lektüre, wie sehr der Autorin das Thema am Herzen liegt.

Das Buch „Das stille Gift“ ist nicht nur eine packende Kriminal-Geschichte, sondern eher noch ein fesselnder und informativer Wirtschafts- oder Politthriller, politische Streitschrift.

Das Buch steckt voller Fakten, ist äußerst gut recherchiert. Ein aktuelles, realitätsnahes und brisantes Thema aus der Politik.

Mir gefallen die beiden Ermittlercharaktere besonders gut. Irmi Mangold hat eine angenehme trocken-spröde Ausstrahlung, unverheiratet, bei ihrem Bruder auf dem Bauernhof lebend entspricht sie nicht den allgemeinen Klischees. Und die grundverschiedene Kathi Reindl setzt einen Gegenpol. Trotzdem funktioniert ihre Zusammenarbeit hervorragend. Und natürlich gibt es viele weiter treffende Charaktere wie zum Beispiel den Rupert Urban, unsympathisch, großspurig oder den Severin Jörg, Bilderbuchbürgermeister. Und was wäre ein bayrischer Krimi ohne einen echten „Preiß“.

Nicola Förg schreibt unkompliziert, kurzweilig und trotzdem anspruchsvoll. Sie trifft dieses gemischte Genre, Krimi, Wirtschaft- und Politik, Lokalkolorit und ein kleines Stück Heimatroman ganz hervorragend.

Das Buch hat Suchtfaktor nach mehr von Nicola Förg. Ideale Bett- und Urlaubslektüre. Auf jeden Fall ist es wie ein bilderreicher Urlaub in Oberbayern.

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https://www.piper.de/buecher/das-stille-gift-isbn-978-3-86612-345-8

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Rezension: Die Toten, die dich suchen – Gisa Klönne – Pendo Verlag

Wer die Vergangenheit nicht kennt, wiederholt sie.

Die Toten, die dich suchen – Gisa Klönne (Autor), 432 Seiten, Verlag: Pendo (4. Oktober 2016), 20 €, ISBN-13: 978-3866124004

Hauptkommissarin Judith Krieger will keine Toten mehr sehen. Deshalb hat sie auch eine einjährige Auszeit in Kolumbien genommen. Jetzt kehrt die ehemalige Mordermittlerin nach Köln zurück, als Chefin der Vermisstenfahndung.

Aber gleich der erste Arbeitstag führte sie zum Schauplatz eines grausamen Mordes in einem Keller, fensterlos, hoffnungslos, trostlos. Dort liegt die Leiche des seit Wochen spurlos verschwundenen Kolumbianers Angelo Jaramillo.

Aus der Sicht von vier Personen entwickelt sich dann die spannende und hintergründige Handlung:

Judith Krieger, Polizistin durch und durch. „Komisch, oder? Dass man weglaufen kann, sogar weglaufen will, aber das nicht aus sich rauskriegt.“ (Seite 163)

Manni = Manfred Korzilius der frühere Partner von Judith aus ihrer Mordermittlungszeit „er hatte begriffen, […] dass alle geglaubten Sicherheiten nur eine Illusion waren.“ (Seite 22)

Dinah Josefine Makowski, ihre Kollegin „… zu jung, zu eigenwillig, und sie klappt bei der kleinsten Herausforderung zusammen.“ (Seite 187) und

Daniela, „eine Frau ohne Eigenschaften, die man im Vorbeigehen wahrnimmt und gleich wieder vergisst.“ (Seite 70)

Diese vier erzählen uns abwechselnd die Geschichte, ihre Geschichte, wobei jeder der vier auch eine Vergangenheit hat und genügend Probleme in der Gegenwart.

Das wird besonders deutlich an der Hauptfigur Judith. Sie ist zäh, eigensinnig, taff und steigt mutig hinab in die tiefsten Abgründe. Gleichzeitig ist sie mit Verletzlichkeit und innere Zerrissenheit ausgestattet. Und sie kennt den Preis, den sie für ihre Mission zahlt – vor allem nachts, wenn ihre ganz persönlichen Toten sie heimsuchen und am Schlaf hindern.

So wird das Buch mehr als ein spannender Thriller, sondern eine psychologische Studie mit vielen Grautönen, Abgründen und voller Drama. „Immer lauerte hinter der ersten noch eine zweite, komplexere Wahrheit.“ (Seite 197)

Ein überaus lesenswerter, spannender, unterhaltsamer, sehr abwechslungsreicher Thriller mit Tiefgang.

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https://www.piper.de/buecher/die-toten-die-dich-suchen-isbn-978-3-86612-400-4